Donnerstag, 21.11.2019

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ANregiomed-Krise: Sorge um die Rothenburger Klinik

Förderverein "Mediroth" und Seniorenbeirat fürchten Einschnitte - 06.02.2017 13:07 Uhr

Der Förderverein „Mediroth“ und Seniorenbeirat fürchten Einschnitte der Rothenburger Klinik wegen ANregiomed-Krise. © Scheuenstuhl


In den letzten Jahren sei das Krankenhaus in der Tauberstadt schon empfindlich zur Ader gelassen worden und es sollen noch weitere Einschnitte folgen. "Mediroth" und Seniorenbeirat nehmen sich des Themas an.

Mit großer Besorgnis werde die Entwicklung von ANregiomed verfolgt, betont Fördervereins-Vorsitzender Hans-Peter Nitt. Auch der Vorstand des Fördervereins sei schockiert über das riesige Defizit und frage sich, wie es finanziell weitergehen soll. Noch stehe "unser Krankenhaus" gut da. Doch es gebe allen Anlass, sich Gedanken zu machen.

Was dort schon seit Jahren im Gang sei, beziehungsweise was noch an Schritten geplant sei zur Umverteilung im Klinikverbund, wirke sich alles andere als positiv aus auf die Zukunft des Rothenburger Krankenhauses. Hans-Peter Nitt und Dr. Paul Kerscher zeigen sich höchstbesorgt zur Zukunft der Klinik.

Sensibilisieren und Informieren

Beim Gespräch mit der Redaktion äußern sie wenig Verständnis dafür, dass der Rothenburger Stadtrat die Verabschiedung einer Resolution zum Erhalt der Klinik am Ort wegen angeblich fehlender Dringlichkeit auf die nächste Sitzung verschoben hat. Besonders enttäuschend nennt Dr. Kerscher hierzu die Haltung zweier Ärzte im Gremium. Jetzt gehe es nicht darum scharf zu machen, sondern zu sensibilisieren und zu informieren: "Keine Aufwiegelei. Aber wir leben in einer Demokratie und wollen aufgeklärt werden."

Der Förderverein unter Hans-Peter Nitt wendet sich entschieden gegen den Abzug von derzeit bestehenden medizinischen Institutionen, die finanziell lukrativ sind, zum Beispiel der Endoprothetik und die Verlagerung nach Dinkelsbühl: "Diese Bereiche können dort jedoch nicht so funktionieren, da das entsprechende Umfeld und Patienten-Einzugsgebiet ganz anders ist. Viele Patienten gehen nach Aalen."

Zweieinhalb Chefarztstellen sind in den letzten Jahren nicht mehr besetzt worden. Damit verbunden sei (ohne die Qualifikation der Oberärzte anzweifeln zu wollen) ein entsprechender Kompetenzverlust. Die Zuweisung durch die niedergelassenen Ärzte verringere sich. Die notwendigen Fallzahlen werden nicht mehr erreicht. Folge: Auch das Rothenburger Krankenhaus werde in den defizitären Strudel gezogen. Dinkelsbühl und vor allem Ansbach seien nicht "ausgelastet". Dort gebe es zu wenig Zuweisungen von niedergelassenen Ärzten, weil der Ruf der Ärzte und Pfleger nicht gut sei.

Leitbild überflüssig 

Rothenburg erreiche ständig neue Rekordzahlen: "Das heißt, das Ärzteteam harmoniert prächtig, das Pflegepersonal arbeitet am Limit. Viele Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger haben Hunderte von Überstunden. Doch niemand denkt daran, dem Rothenburger Pflegepersonal zu helfen." Den vielbeschworenen Synergie­effekt gebe es offensichtlich nur andersherum, auch wenn es in Ansbach ganz im Gegensatz zu Rothenburg an der Auslastung fehle.

Schlecht kommt die Idee weg, ein "Leitbild" für ANregiomed erstellen zu wollen. Viel wichtiger wäre es, dem defizitären Rad "in die Speichen" zu greifen, betont Nitt. Kein Bürger sehe derzeit die Notwendigkeit eines Leitbilds.

Die beiden "Führungskräfte" Jörg Reinhardt und Lars Bergmann werden nach seiner Überzeugung in nächster Zeit nichts bewirken. Überdies tragen sie seiner Ansicht nach auch mehr oder weniger Verantwortung für die derzeitige Situation. Jörg Reinhardt wurde bereits unter dem damaligen ANregiomed-Vorstand Dr. Goepfert angestellt.

Hans-Peter Nitt (links) und Dr. Paul Kerscher treten für die Klinik Rothenburg ein. © Weber


Von echter Zusammenarbeit zwischen den Führungskräften im Verwaltungsrat, also Dr. Jürgen Ludwig und Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel, könne nicht die Rede sein. Es werde eher gegeneinander als miteinander gearbeitet, was ANregiomed nicht zuträglich sei.

In einem offenen Brief wendet sich der Seniorenbeirat unter anderem an den Landrat, an die Verwaltungsräte, an Oberbürgermeister Walter Hartl und an den Stadtrat. "Die Vorgänge im Bereich des Verbundklinikums ANregiomed bewegen die Bevölkerung im Landkreis. Der Seniorenbeirat der Stadt Rothenburg hat die Zielsetzung, die Interessen der Rothenburger Senioren zu vertreten. Mit  dem Krankenhaus Rothenburg haben wir eine wohnortnahe und gute Gesundheitsversorgung im stationären Sektor. Wie bekannt, macht dieses Krankenhaus kein Defizit. Wir Senioren haben allergrößtes Interesse, dass dies so erhalten wird."

Chefarztposten beschnitten

Können sich die Rothenburger nun aber wirklich sicher sein,dass dies so bleibt? Oder gibt es bereits Anzeichen, dass die Leitung der ANregiomed-Kliniken Schritte unternimmt, die auf eine Gefährdung des Standortes Rothenburg hinweisen? Das fragt der Seniorenbeirat in seinem Schreiben.

Sorge bereite die Tatsache, dass im Rothenburger Krankenhaus derzeit von den bisher sechs Chefarztstellen nur noch dreieinhalb  Stellen besetzt sind. Über 40 Prozent der Chefarztpositionen seien nach dem Ausscheiden ihrer Vorgänger abgeschafft worden.

Es stelle sich die Frage, welche Überlegungen dahinter stehen, heißt es in dem offenen Brief: "Sind dies die ersten Schritte, um einen Abbau des Krankenhauses Rothenburg einzuleiten? Ist der Abbau weiterer Arztstellen geplant? Sollen Teile des Leistungsspektrums in andere Häuser verlagert werden mit dem Ziel, dortige Defizite abzubauen? Ist die Teilversetzung von Privatdozent Dr. Wacker ein Hinweis auf eine Verlagerung der invasiven Kardiologie nach Ansbach? Soll hier ein Szenario geschaffen werden, in dem durch weiteren Stellenabbau von nachgeordneten Ärzten und Pflegepersonal das Klinikum Rothenburg weiter geschwächt werden soll?"

Das muss aus der Sicht des Seniorenbeirats gefragt werden. Sollte sich das aber bestätigen, so führe dies zu einem Vertrauensverlust bei der Bevölkerung und den einweisenden Ärzten ins Krankenhaus Rothenburg und in der Folge zu einem Rückgang der Patientenzahlen und zum finanziellen Defizit.

Schleichend abbauen

"Wir wollen in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass eine Verlagerung von Teilen des hiesigen Leistungsspektrums an andere Kliniken nicht zwangsläufig zur erwünschten Umleitung der Patientenströme führt. Somit ist keineswegs sicher, dass durch diese Maßnahmen ein Defizit an den zu rettenden Kliniken abgebaut werden kann."

Das Einzugsgebiet des Klinikums Rothenburg reiche weit in den Württemberger Raum hinein: "Diese Patienten werden mit Sicherheit nicht nach Ansbach kommen, sondern sich nach Crailsheim, Schwäbisch Hall oder Bad Mergentheim orientieren."

Diese Überlegungen seien sicher nicht abwegig, da von Seiten der Politik das Klinikum Ansbach in jedem Fall gerettet werden wird. Soll deswegen das Klinikum Rothenburg schleichend abgebaut und ins Defizit getrieben werden, um es leichter schließen zu können? Diese Frage wird in dem offenen Brief in den Raum gestellt.

Mit Unterschriftenlisten

"Wir wollen diese berechtigten und in der Bevölkerung schon diskutierten Fragen als Seniorenbeirat hier bündeln und an Sie als verantwortliche Politiker weiterreichen. Wir fordern Sie auf, unsere Sorgen bezüglich des Klinikums Rothenburg ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen, um den Standort Rothenburg nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter zu entwickeln." Unterzeichnet ist das Schreiben von Vorsitzendem Dr. Paul Kerscher und Dr. Rainer Hoffmann für den Seniorenbeirat.

Für Freitag, 10. Februar (Beginn 19 Uhr), lädt der Förderverein "Mediroth" zum Informations- und Diskussionsabend "Unser Krankenhaus" in den Saal des Hotels "Schranne" ein.

Prinzipiell handelt es sich bei dem Abend um eine Mediroth-Veranstaltung, wie der Vorsitzende betont. Jedoch sind alle interessierten Bürger­innen und Bürger unserer Stadt und des Umlandes eingeladen.

Es sollen bei der Veranstaltung Unterschriftenlisten zum Erhalt des Rothenburger Krankenhauses mit all seinen derzeitigen Angeboten ausgelegt werden.

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