Mittwoch, 24.04.2019

|

Ansporn, weiter aktiv zu sein

Frauen-Union erinnerte mit Vortrag an „100 Jahre Frauenwahlrecht“ - 31.01.2019 13:25 Uhr

Im „Alten Brauhaus“ ließ man die Entwicklungen hin zum Frauenwahlrecht Revue passieren. © Schwandt


Studienrat und Diplom-Sozialpädagoge (FH) Marcus Pfalzer unterrichtet seit 2007 an der Rothenburger Realschule: Er startete seinen Vortrag mit einer Bestandsaufnahme der aktiven Politikerinnen. So sind auf kommunaler Ebene 25 Prozent Frauen vertreten, immerhin 10 Prozent der (Ober-)Bürgermeisterposten sind mit Frauen besetzt. Im Rothenburger Stadtrat liegt der Frauenanteil bei 20,8 Prozent.
In den Länderparlamenten sind 30 Prozent der Abgeordneten inzwischen Frauen. Auf Bundesebene finden sich 30,9 Prozent Frauen in den Parlamenten, bei Bündnis 90/ Die Grünen sind 58 Prozent der Abgeordneten weiblich, bei der AfD 11 Prozent.
Der Kampf um das Frauenwahlrecht begann bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, so der Referent. Es folgte eine sogenannte Organisationsphase ab den 1890er Jahren mit der Etablierung der ersten Frauenstimmrechtsverbände. Die Kampfphase begann 1917 – mitten im Ersten Weltkrieg. Auslöser war die Ankündigung einer Wahlrechtsreform durch Kaiser Wilhelm II., in welcher er das Frauenwahlrecht nicht berücksichtigte.
Nach Kriegsende am 12. November 1918 wurde endlich das Allgemeine Wahlrecht eingeführt: Am 19. Januar 1919 gaben dann 82,3 Prozent der wahlberechtigten Frauen und 82,4 Prozent der wahlberechtigten Männer ihre Stimmen ab.

Vier Wegbereiterinnen der Frauenbewegung stellte Marcus Pfalzer vor: So die Sozialistin Clara Zetlein (1857 bis 1933), die dazu aufrief, sich „nicht schrecken zu lassen durch die Ungunst äußerer Umstände“. Anita Augspurg (1857 bis 1943) war Fotografin, Schauspielerin, angehende Lehrerin und Juristin – ihr Jurastudium mit Promotion schloss sie in der Schweiz ab, da es in Deutschland Frauen nicht möglich war, an einer juristischen Fakultät zu studieren.
Sie hatte 1923 die Ausweisung Adolf Hitlers aus Deutschland verlangt und lebte bis zu ihrem Tod im Schweizer Exil. „Was verstehen wir unter dem Recht der Frau?“, so fragte sie. „Nichts anderes als das Recht des Menschen überhaupt!“ Die Sozialdemokratin Marie Juchacz (1879 bis 1956) gab unter anderem die Frauenzeitung „Die Gleichheit“ heraus. Die Mutter von zwei Kindern gründete in Deutschland die Arbeiterwohlfahrt. Ihr Motto: „Frauen wollen keinen Bürgerkrieg, wollen keinen Völkerkrieg ... Die Frauen .... durchschauen die Hohlheit einer Politik, die sich als besonders männlich gibt, obwohl sie nur von Kurzsichtigkeit, Eitelkeit und Renommiersucht diktiert ist.“

Mutter des Grundgesetzes

Die konservative Politikerin Helene Weber (1881 bis 1962) schließlich war eine der Mütter des Grundgesetzes: Sie setzte den Artikel 3 („Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. [...]“ durch. Als eine der wenigen Frauen ihrer Zeit hatte sie ein Lehrerseminar besucht und unterrichtete als Studienrätin, zudem war sie Mitbegründerin der CDU-Frauenunion. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie das Müttergenesungswerk. Ihr Credo: „Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker.“ Aus allen politischen Lagern habe sich eine breite Front für das Frauenwahlrecht gebildet, so der Referent Marcus Pfalzer.
Was muss die Frauen und die Frauenunion heute noch schaffen? In einer regen Diskussion wurden Forderungen laut, wie „noch mehr Gleichberechtigung“, „endlich gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“, „mehr Frauen in die Politik“. Es müssten Wege gefunden werden, mit Kindern im Beruf Karriere zu machen. So gibt es bis zu echter Gleichberechtigung weiterhin viel zu tun. Die Frauenunion möchte dies anpacken. 

sw

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Rothenburg