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Bau der Mehrzweckhalle auf dem Prüfstand

Denkmalschützer verschaffen sich Überblick über Planungen - 09.05.2014 14:47 Uhr

Der Regionalausschuss des Landesdenkmalrats begutachtet den künftigen Ort der Mehrzweckhalle.


Am Mittwoch informierte sich der Regionalausschuss vor Ort. Zu ihrer eigenen Überraschung bekam die Stadt die Mitteilung, dass sich nun der Landesdenkmalrat nochmals mit der Standortfrage Mehrzweckhalle befasst und am 7. Mai um 14 Uhr ein Besichtigungstermin in Rothenburg vorgesehen sei, bei dem alle Seiten ihre Argumente nochmals vortragen könnten. Ebenso „ahnungslos“ waren laut eigener Aussage der Bürgerinitiativ-Vertreter Bernhard Mall oder der Vorsitzende des Vereins Alt-Rothenburg Dr. Karl-Heinz Schneider. Man habe den Denkmalrat nicht eingeladen und von nichts gewusst, betonten beide auf Nachfrage.

Die Vorsitzende des Regionalausschusses und stellvertretende Landesvorsitzende Dr. Karin Dengler-Schreiber gab der Presse die Auskunft, es habe sie niemand aus Rothenburg aufgefordert den Fall Mehrzweckhalle nochmals aufzurollen: „Wir wurden von uns aus tätig, so wie wir das bei wichtigen Fällen tun und das hier ist von bayernweiter Bedeutung, denn schließlich ist Rothenburg ein Aushängeschild für Bayern“, betonte sie sinngemäß. Auf dem Spitaltorparkplatz versammelten sich dann der Regionalausschuss Franken (normal zehn Mitglieder, aber am Mittwoch nur zur Hälfte vertreten) mit den Stadtvertretern (OB, Rechtsrat, Stadtbaumeister) sowie dem Vorsitzenden von Alt-Rothenburg und dem Initiativvertreter Bernhard Mall. Dazu der Stadtheimatpfleger Dr. Konrad Bedal und der Gebietsbeauftragte des Landesamtes für Denkmalschutz, Tobias Lange.

Interne Sitzung im Rathaus

Schon eingangs zeigte sich, dass beim Gremium ein großer Informationsbedarf besteht, deshalb ist man auch gekommen und im Anschluss an die öffentliche Anhörung vor Ort fand dann eine interne Sitzung im Rathaus statt. Dort konnte die Verwaltung auch nochmal in einer kleinen Präsentation ihre Überlegungen zum Hallenstandort darstellen.

Beim Landesdenkmalrat, dem sein Regionalausschuss zuarbeitet, handelt es sich um ein Fachgremium, das in gravierenden Fällen das Kultusministerium berät und letztlich eine fachliche Stellungnahme abgibt. Diese hat aber keine rechtlichen Folgen, sorgt jedoch für Öffentlichkeitswirksamkeit. Das Rad zurückdrehen? Wohl nur in seltenen Fällen konnte durch den Denkmalrat „das Rad nochmals zurückgedreht“ werden. „Obwohl wir wissen wie spät die Stunde ist, wollen wir sehen, welche Möglichkeiten es noch gäbe“, meinte die Vorsitzende, denn Oberbürgermeister Hartl wies auf das eindeutige Bürgerbegehren ebenso wie auf den fortgeschrittenen Planungsstand und den rechtskräftigen Bebauungsplan der Stadt hin.

Beim Rundgang auf dem Gelände wurden alle Blickwinkel geprüft und es zeigte sich auch, dass die Annahme, man verstelle die Ansicht der Stadtmauer durch die Halle kaum zutrifft, denn von der Mauer war vor lauter Bäumen nichts zu sehen. Dr. Karl-Heinz Schneider sprach von einem „neuralgischen Punkt“ auf einem bisher unbebauten Gelände im Spitalvorfeld, das auch noch Einzugsgebiet der Quellen des ehemaligen Spitals sei, was bei Grabungen zu beachten wäre. Bernhard Mall stellte schlicht fest: „Wir brauchen eine Turnhalle, aber keine Mehrzweckhalle“.

Es gäbe mit der Reichsstadthalle und dem Wildbad-Saal genügend Veranstaltungsorte, wobei die alte Zehntscheune nur minimal belegt sei und deshalb eine bessere Auslastung verlange. Mall: „Da soll ein Bedarf gedeckt werden, der gar nicht da ist!“ Solch schöne ausgedehnte Grünflächen wie am Spitalhofparkplatz gebe es sonst kaum noch und dies sei auch aus meteorologischen Gründen für das Klima schützenswert.

Seine ganz erheblichen Bedenken wiederholte der Stadtheimatpfleger Dr. Konrad Bedal vor Ort. Es sei eine „enorme Baumasse vor der Mauer“, ein „Koloss“ entstehe da am Kappenzipfel, der auch den Blick von der Mauer beeinträchtige. Bei der kritischen Gesamtdimension komme es auf einen Meter mehr oder weniger in der Gebäudehöhe gar nicht so sehr an. Schade sei, dass man nicht schon früher den geschützten Grünbestand vergrößert habe. Denkmalschützer Dipl.-Ing. Tobias Lange kritisierte die Veränderung in der Hallenplanungsphase, bei der das Bauwerk höher als vorgesehen geworden sei.

Erklärung des Denkmalrats erwartet

Die Stadtvertreter erläuterten ausführlich das aufwändige Planungsverfahren und die Gründe für den Standort aus Sicht einer sinnvollen Stadtentwicklung. Schon im Handlungskonzept „Soziale Stadt“ sei in diesem Bereich eine solche Halle vorgeschlagen worden, alle möglichen Standorte habe man gewissenhaft geprüft. Im Rathaus wurden die Gründe nochmals näher erläutert, nachdem zuvor sogar noch ein Stadtmauerrundgang mit Blick durch die etwa drei Schießscharten angesagt war, durch die man künftig aufs Hallendach schauen könnte, das bekanntlich teilbegrünt wird. Vorsitzender des insgesamt 31 Mitglieder umfassenden Landesdenkmalrates ist der Landtagsabgeordnete Dr. Thomas Goppel (früher Staatsminister). Dem Gremium gehören mehrere Abgeordnete, aber auch Vertreter der Kirchen, des Bauernverbandes, der Architektenschaft, des Hausbesitzerverbandes, des Städtetages und der Akademie der Schönen Künste an. Sie werden in der Plenumssitzung am 16. Mai ihre Erklärung zur Rothenburger Mehrzweckhalle aus Denkmalsicht abgeben.

diba

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