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Bauvorhaben: "Es sind noch Dinge zu klären"

Bauvorhaben kritisch hinterfragt – Warum wurde nicht mehr Transparenz geübt? - 14.01.2019 10:56 Uhr

Der Steinacher Hotelbesitzer und Investor Sascha Kleinhaus stand Rede und Antwort. © Lauer


Der Unternehmer aus dem niedersächsischen Papenburg will in Steinach eine Pension mit 144 Betten bauen. Bei der Informationsveranstaltung stellte er das Projekt vor, er stellte sich Fragen, Gerüchten, Vorwürfen und Ideen. Sein Geld verdient Sascha Kleinhaus mit Garten- und Landschaftsbau. Er hat 200 Mitarbeiter. Vor über zwei Jahren hat er den ehemaligen Landgasthof Sämann gekauft, um ihn zu einem Hotel umzubauen. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, wolle er mit der Pension weitere Kapazitäten schaffen: für Gäste mit niedrigen Ansprüchen, im nächsten Schritt würde das bestehende Hotel umgebaut und aufgewertet. So könne er als Klientel Monteure, Durchreisende und Touristen bedienen. Letzteren könne er mit der aktuellen Ausstattung wenig bieten, Bedarf sei aber da. Also: "Aus dem kleinen Plan ist ein großer Plan geworden."

Doch er wundere sich, zumal er gute Gespräche mit der Gemeinde hatte, nun auf Widerstände zu stoßen. Kleinhaus, der in seiner Heimat auch kommunalpolitisch aktiv war: "Wir diskutieren auch in Papenburg über so einiges, aber über ein Hotel haben wir noch nicht diskutiert." So sei er nun nach Steinach gekommen, "um Klarheit zu schaffen", was Vorwürfe anbelangt, die teils auch im Text zum Bürgerbegehren (10. Februar) formuliert sind.

Ob denn die Pension nicht kleiner gebaut werden könne, wurde gefragt. Zwei statt der geplanten vier Gebäude. Denn der Komplex sei schlicht zu groß für das kleine Dorf. Aus wirtschaftlicher Sicht sei das nicht sinnvoll, erklärte Kleinhaus. Er kalkuliere mit 50 Prozent Auslastung, die werde aber nur durch Vollauslastungen an wenigen Tagen erreicht, sprich: wenn Gruppen mit Bussen anreisen. "Da musst du Kapazitäten haben, sonst brauchst du gar nicht antreten."

Verwunderung in der Runde

An ein Bauprojekt in Papenburg wurde Kleinhaus erinnert, das damals rein für seine Mitarbeiter konzipiert und vom Stadtrat abgelehnt worden war. Die Befürchtung sei nun, dass er die Pension in Steinach auch nur für seine Mitarbeiter baue. In Papenburg sei das tatsächlich so gewesen, sagte Kleinhaus: "Aber hier bauen wir ein Hotel." Gemeinderat Johannes Dingfelder, ein Berechtigter des Bürgerbegehrens, wollte sich damit nicht zufriedengeben: "So schlau sind wir auch." Kleinhaus verlege sein damaliges Projekt einfach nach Steinach, meinte er. Der Unternehmer erklärte, dass Mitarbeiter von 20 Firmen im Jahr 2018 das Hotel genutzt hätten.

Als aufkam, dass er den Landgasthof billig aus der Insolvenzmasse der Familie Sämann gekauft habe und das "ein gutes Invest" sei, sagte Kleinhaus: "Ich habe eine betriebswirtschaftliche Brille auf und ich habe auch Berater. In der aktuellen Situation hat hier noch niemand Geld verdient." Es gehe darum, das Gebäude mit Leben zu füllen, gerne würde er damit loslegen. Zwischenruf: "Aber wir wollen nicht, dass sie loslegen." Da Kleinhaus aber Sätze wie "Ich bin jemand, der selten aufgibt" sagte, ist das, dies war deutlich herauszuhören, für ihn kaum eine Option.

Für viele Sorgen der Bürger zeigte Kleinhaus Verständnis, wie er sagte, so manche Redebeiträge ließ er an diesem teils sehr emotionalen Abend aber nahezu kommentarlos stehen. So hieß es, er habe den Plan ohne die Gemeinde gemacht. Oder ein Bau dieser Art und Größe würde Leute anlocken, "die für Probleme sorgen", was nicht zu verantworten wäre, weil die nächste Polizeiinspektion 15 Kilometer weit weg und nachts nur mit einer Person besetzt wäre. Oder dass der Verkehr in gefährlichem Maße zunehmen würde, wenn 144 Betten belegt sind. Oder dass dann unzählige Lastwagen die Bahnhofsstraße zuparken würden.

In die Offensive ging Kleinhaus, als die Steinach Hackschnitzel GbR auf den Tisch kam. Ihm wurde erst das Gerücht serviert, er würde ein eigenes Blockheizkraftwerk bauen, womit der GbR ein großer Abnehmer wegfallen würde. Das verneinte er und erklärte, dass er die Anteile der Sämanns an der GbR – 33 Prozent – vor zwei Jahren übernehmen wollte, was laut Insolvenzverwalter aber nicht ginge.

Als es später aus der Runde hieß, Kleinhaus habe damals die Chance gehabt, GbR-Mitglied zu werden, wollte das aber nicht, wurde der Gastgeber präziser. Ihm sei damals gesagt worden, die Sämann-Anteile seien bereits an die übrigen Gesellschafter verteilt worden, womit er leer ausgehen würde. Er habe auch als Hausnummer 60 000 Kilowattstunden an Strom genannt, die er jährlich beziehen müsste. Bis heute habe er keine Antwort von der GbR erhalten, ob diese die Energie zur Verfügung stellen könne. Kleinhaus sei sehr gern bereit, Gesellschafter zu werden und auch in die Anlagen zu investieren, denn: "Ohne Heizung kann ich gar nichts." Dann traute sich Gemeinderat Jürgen Täufer aus der Deckung: Die Anteile seien nicht verteilt, sondern "stillgelegt", da die Anwälte noch darüber befinden. Das sorgte für Verwunderung in der Runde. Und Kleinhaus: "Na dann steht mein Angebot ja noch." Er versprach sogar, die offenen Zahlungen der Sämanns zu übernehmen.

Wollen wir da wieder hin?

Ein zweites Thema, das Kleinhaus offensiv anging, war bei diversen Beiträgen durchgeklungen: Dass die Pläne, so wie sie gezeigt wurden, bereits genehmigt seien. Dazu sagte er, dass die Gemeinde durch ihren Beschluss – der durch das Bürgerbegehren rückgängig gemacht werden soll – nur ihr Einvernehmen erklären konnte. Genehmigen muss seine Pläne die Baubehörde am Landratsamt. Dort lägen sie derzeit noch, also: "Es ist nichts genehmigt."

Darüber hinaus gestand Kleinhaus ein, dass noch mehrere Dinge zu klären seien und sicher seitens des Landratsamtes bemängelt werden. Als Paradebeispiel nannte er die ungeklärte Heizungs-Situation aufgrund des Disputs mit der GbR: Wer nicht heizen kann, darf nicht bauen. Sein Antrag sei also faktisch überhaupt nicht genehmigungsfähig. Dennoch habe er ihn eingereicht, um vorwärtszukommen. Dass Sascha Kleinhaus offenbar guten Willen zeigt, wurde nicht nur nach der Veranstaltung deutlich, als er von mehreren Bürgern unter vier Augen Mut zu- und Dank ausgesprochen bekam.

Einer traute sich auch in der großen Runde – und erntete als "Befürworter" des Projekts Applaus. Er meinte, dass viele Dörfer sich schlecht entwickelten, "weil eben da kein Konzept da ist". In Steinach gäbe es nun ein Projekt und er erinnerte an die Zeit, als der Landgasthof leer stand: "Da war die Bahnhofsstraße doch tot. Wollen wir da wieder hin?"

Zum Schluss sagte Sascha Kleinhaus: "Wenn sie Fragen haben, rufen sie mich an, schreiben sie mir. Ich stehe zur Verfügung, wenn neue Gerüchte auftauchen." Und nun? "Jetzt machen wir erst mal Bürgerbegehren." 

bl

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