Dienstag, 24.11.2020

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Der Rothenburger Felsenkeller ist nur noch Erinnerung

Ob aus den Brandruinen der früheren Wirtschaft jemals Neues ersteht ist fraglich - 10.11.2020 14:43 Uhr

Der im Mai 2020 ausgebrannte Obere Felsenkeller von 1895, einst gefragtes Vesperlokal im Taubertal unterhalb der Altstadt.

10.11.2020 © Dieter Balb


Bei vielen Rothenburgern kommen nostalgische Gefühle auf, denn bis in die siebziger Jahre hatte man sich gerne im Vesperlokal Oberer Felsenkeller getroffen. Es war ein schöner Fachwerkbau mit Holzterasse zum Tal hin, direkt an der Leuzenbronner Steige gelegen. Errichtet wurde das Gebäude im Jahr 1895 und von der Bauweise her ergänzt es sich ideal mit dem Unteren Felsenkeller, der früher als gefragte Konditorei mit herrlichem Terassen-Cafe und einmaligem Blick auf die Stadtsilhouette galt. Ein großer Verlust für das gastronomische Angebot der Stadt, als nach dem Tod des Eigentümers der Cafe-Betrieb von der Familie August Köppel nicht mehr weitergeführt wurde und Pläne zur Nutzung als Pension auch an Auflagen und Vorschriften scheiterten.

Für einen Hoffnungsschimer sorgte dann zumindest beim Oberen Felsenkeller der Eigentümer Georges Khawam. Er hatte das Haus 2010 gekauft und begonnen überwiegend in Eigenleistung zu sanieren. Geplant war Gästezimmer einzubauen sowie die alte Vesperstube später wieder in Betrieb zu nehmen. Das Ganze zog sich lange hin, denn bei solchen Projekten steckt der Teufel im Detail, betont der Eigentümer, noch dazu, wenn man fast alles handwerklich selbst erledigen möchte.

Brandursache ist bis heute unbekannt

Aber es hätte „nicht mehr lange gedauert” und im Innern sei mehr geschehen, als man von außen vermutet habe, betont der Eigentümer. Das Feuer um Mitternacht vom 7. auf den 8. Mai sei für ihn ein großer Schock gewesen und leider habe man nicht ermitteln können, was die Ursache war. Das Verfahren gegen Unbekannt wegen möglicher fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung ist nach rund fünf Monaten eingestellt worden.

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Großeinsatz in Rothenburg: Fachwerkhaus stand in Flammen

Dichte Rauchschwaden zogen in der Nacht zum Freitag über Rothenburg hinweg. In einem Fachwerkhaus auf der Straße nach Leuzenbronn ist aus noch ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Als die Einsatzkräfte am Brandort ankamen, stand das historische Gebäude bereits in Flammen. Verletzt wurde niemand, jedoch entstand ein hoher Sachschaden von rund 100.000 Euro. "Das Gebäude ist einsturzgefährdet", erklärt die Polizei am Freitag.


Der geschädigte Eigentümer setzt derzeit auf einen Verkauf des Grundstückes mit der Brandruine. An einen Wiederaufbau denkt er nicht mehr, wie er auf Nachfrage sagt, aber es gebe durchaus Interessenten. Vorerst freilich heißt es für ihn mit der Versicherung klarzukommen, denn nach dem bisherigen Stand würde ihm das Geld dann nicht mal für die Abräumkosten reichen, stellt Georges Khawam fest, denn der Zeitwert des Gebäudes sei sehr niedrig zugrunde gelegt. Das letzte Wort aber sieht er noch nicht gesprochen.


So berichteten wir damals über den Brand


Zwar galt der Obere Felsenkeller trotz seiner 125 Jahre nicht als Baudenkmal, aber doch als Teil des Ensembles Altstadt Rothenburg. Und als solches mussten Maßnahmen, die sich auf das äußere Erscheinungsbild auswirken, auch denkmalgerecht erfolgen. Zwei Pläne und acht Entwürfe habe er eingereicht gehabt. Nun sei nicht nur das Haus, sondern auch sein ganzes Werkzeug mit den Maschinen verbrannt.

Felsenkeller waren früher Lebensmittellager

Die beiden Felsenkeller haben ihre Namen von den bis heute vorhandenen im Hang bestehenden Felsenkellern. Der dort eingebaute Natursteinkeller mit Rundgewölbe gegenüber der Brandruine ist allerdings im Besitz der Stadt, früher hatte man dort Lebensmittel gelagert.

Der Obere Felsenkeller noch vor dem Brand als Sanierungsobjekt (rechts im Bild). Links der schon lange nicht mehr bewirtschaftete Untere Felsenkeller, früher gefragtes Restaurant-Cafe mit Konditorei und herrlicher Terrasse mit Altstadtblick.

10.11.2020 © Dieter Balb


Eigentlich hat man die beiden Felsenkeller-Gebäude immer im Zusammenhang gesehen, sie lagen nur wenige Meter auseinander. Auf alten Postkarten aus der Vorkriegszeit ist eindrucksvoll zu entdecken wie reizvoll die untere Felsenkeller-Terasse war, man firmierte als „Cafe-Restaurant Toppler-Felsenkeller“, womit sich das Haus der Familie Köppel auch in der Werbung vom oberen Lokal unterschied. Eine Nutzung als Pension ist im leerstehenden unteren Haus immer wieder mal im Gespräch.

Auch in der Altstadt selbst lassen sich Verluste an Traditionslokalen beklagen, die “Wolfsschlucht” an der Stadtmauer gehört dazu. Oft fehlte es einfach an Nachfolgern in der Familie und nun erschwert Corona die Situation. Trotzdem gibt es z.B. jüngst zugezogene Unternehmer, deren Altstadt-Begeisterung so groß ist, dass sie alte Häuser zur Pensionsnutzung gekauft haben und dabei sogar eine frühere Gasthaustradition denkmalgerecht wieder beleben wollen.

Dieter Balb

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