Samstag, 14.12.2019

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"Ein Abend mit Johnny Cash" im Städtischen Musiksaal

Temperamentvolle Lesung von Peter Cahn - "Fred And The Roaches" spielten auf - 21.01.2014 12:00 Uhr

Gut eingespielt: Peter Cahn und Fred Emmert (Gesang und Gitarre). © Hirschberg


Eine darstellerisch temperamentvolle, biographische Lesung von Peter Cahn und ein Dutzend Songs von J. R. „John­ny“ Cash (1932 bis 2003) wurden geboten. Die dreiköpfige, fränkische Country-Band „Fred and the Roaches“ spielte und sang souverän kernig-kräftig, wenngleich eine deutliche Spur zu einförmig in der Stilis­tik für doch sehr verschiedene Liedbotschaften. Bei den beiden entspannt wirkenden Zugaben gab es dann jubelnden Applaus.

Verhalten blieb die Stimmung, aber konzentriert: Es ist nun einmal nicht fröhlich mitreißend, das Leben des Sängers, von dem sein Freund Bob Dylan gesagt haben soll, dass seine Stimme „aus dem Mittelpunkt der Erde“ zu kommen scheine. 500 Lieder auf 50 Millionen ver­kaufter Tonträger entsprechen dennoch nicht eingängiger „Volksmusik“ zum Mitklatschen. Beispielsweise „Ring of Fire“, „I Never Picked Cotton“ oder „I Walk the Line“, „The Ballad of Ira Hayes“ beinhalten von der persönlichen Tragödie bis in die soziale Anklage alles andere als ein gemütlich knis­terndes Seelenlagerfeuer mit launigem „Boom-­Chica-Boom“, der von Cashs Gitarris­ten Luther Perkins entwickelten Perkussion als
Schlag­zeugersatz.

Peter Cahn erzählte mit feinem Sinn für Höllenfahrten zu Lebzeiten aus der Cash-­Bio­­gra­phie von Franz Dobler („The Beast In Me“). „Wir trinken Kamillentee vor dem Konzert“, lautete sein scherzender Hinweis auf die Alkohol- und Pillensucht der Musik-­Iko­ne. June Carter, einst ein Country-Kinderstar, der Cash 1968 auf der Bühne einen Heiratsantrag mach­te, sei sein rettender Anker geworden. Die erste Station im Musikerleben des „Man in Black“, wie sich der Bass­­bariton als Sänger für die Armen nannte, sei 1951 in Landsberg am Lech gewesen. Dort habe sich der als Funker Stationierte die erste Gi­tarre gekauft und die erste Band gegründet: die „Lands­berg Barbarians“.

Besondere Hö­hepunkte im Programm waren die leider zu seltenen Stellen, an denen Peter Cahn selbst Texte von Cash im Sprechgesang interpretierte. Der Song von 1969, „A Boy Named Sue“, die Geschichte eines Jungen, dem der Vater einen Mäd­chennamen gab, um ihn für den Lebenskampf brutal abzuhärten, geriet zum eindrucksvollen Schauspiel eines fast tödlich endenden Vater-Sohn-Kampfes.

Dieser zwischen Aggression und Empathie changierenden Interpretation gelang es, den mythischen Magnetismus des Prediger-Songpoeten Johnny Cash, dessen geheimnisvoll vibrierende Aus­strah­lung stets die trügerische Ruhe eines Vulkans vor dem Ausbruch umgab, auf ganz eigene Weise künstlerisch zu vermitteln. Berührend – davon mehr!

bhi

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