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Freitag, 14.05.2021

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Fischsterben in Rothenburg? Fakten und Gerüchte nach dem Großbrand

Sachschaden wird mehrere Millionen Euro betragen - 04.05.2021 09:16 Uhr

Löschung beendet: Blick auf das Firmengelände des weitgehend ausgebrannten Wertstoffhofes am Igelsbach in Rothenburg.

04.05.2021 © Dieter Balb


Über das Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt wurden Wasser- und Luftqualität ständig untersucht. Die Sicherungsmaßnahmen vor Ort und in der Kläranlage bei Detwang funktionierten einwandfrei, stellte Thomas Keller vom Ansbacher Wasserwirtschaftsamt auf Presseanfrage fest. Das kontaminierte Wasser habe man sowohl in der Kläranlage in ein extra Becken gepumpt wie auch auf dem Betriebsgelände gesammelt.

Die vorübergehende Geruchsbelästigung vor allem in östlicher Richtung nach Neusitz hält man nicht für gesundheitsschädlich. Es verbrannten unter anderem Unmengen an Plastikmüll aus gelben Säcken. Sicherheitshalber war die Bevölkerung noch in der Brandnacht gebeten worden, die Fenster geschlossen zu halten. Polizeichef Stefan Schuster sagt, man habe besonders auf dem nahen Autobahnabschnitt der A7 die Autofahrer gewarnt, da diese plötzlich in dichten Rauch gerieten.

Glücksfall: Bauhof in der Nachbarschaft

Oberbürgermeister Markus Naser war nachts um drei Uhr vom Feuerwehrkommandanten angerufen worden. Er habe auch gleich den Klärwärter verständigt und sei dann von 3.30 bis 10 Uhr sowie nachmittags nochmal für Stunden am Einsatzort gewesen, wo es galt Anordnungen zu treffen und an Einsatzleiterbesprechungen teilzunehmen.

Dass der Bauhof in Nachbarschaft liegt, erwies sich als ideal, da hatte man eine Anfahrtzentrale zur Brandbekämpfung. Bis zu 300 Feuerwehrleute plus THW, Rotes Kreuz, Polizei sowie sonstige Unterstützungskräfte wurden eingesetzt. Die Bauhof-Hallen boten außerdem den idealen Schutzraum, auch für Verpflegung und Toiletten. Und man konnte sogar vom Bauhofgelände aus mit der Drehleiter löschen, wie der Rothenburger Feuerwehrkommandant Jürgen Holstein bestätigt.

Er lobt ebenso wie der Kreisbrandrat das Zusammenwirken der zahlreichen Wehren und dabei gab es auch die landesgrenzüberschreitende Mithilfe der Feuerwehr aus den baden-württembergischen Städten Crailsheim und Schrozberg sowie einer Firma aus Gammesfeld (ebenfalls Baden-Württemberg). Außer den zahlreichen Wehren aus der Nachbarschaft war sogar die US-Armee aus Ansbach und Katterbach vertreten. Bis zur Tauber wurden Schlauchleitungen auf zwei Kilometer Länge zur Wasserversorgung gelegt.

THW-Hilfe bis aus Fürth und Nürnberg

Schweres Gerät und THW-Unterstützung bis aus Fürth und Nürnberg war nötig, um die Schutt- und Trümmerberge auseinanderzuziehen, damit ständig auflodernde Glutherde beseitigt werden konnten. Am Donnerstag sah man weithin noch eine riesige Rauchsäule über dem Gelände, aber die Wehren hatten alles unter Kontrolle. Brandwachen sind jetzt nicht mehr notwendig, es geht noch um die Wasserentsorgung und das Abräumen.

Bilderstrecke zum Thema

Großbrand in Rothenburg: Kompletter Wertstoffhof in Flammen

Dichter Rauch und ein heller Feuerschein waren in der Nacht zum Donnerstag über Rothenburg ob der Tauber zu sehen: In einem Gewerbegebiet war es aus bislang unbekannten Gründen zu einem Großbrand auf einem Wertstoffhof gekommen.


In den ersten Stunden sei zwangsläufig Schmutzwasser über die Kanalisation in die Kläranlage bei Detwang vorgedrungen, erläutert OB Naser und sagt: "Es ist uns gelungen, zu verhindern, dass Löschwasser ungefiltert in den Igelsbach und in die Tauber gelaufen ist, aber beim allerersten Löschschwall ist das freilich durch die Kläranlage durchgelaufen." Er habe von drei toten Fischen gehört, aber der Zusammenhang ist nicht klar. Von einem Fischsterben könne keine Rede sein, sagt die Fachbehörde.

Entschieden wendet sich OB Naser gegen eine Mitteilung des Landratsamtes, die suggeriere es seien größere Schmutzwassermengen im Igelsbach und der Kläranlage gelandet. Das Landratsamt Ansbach hatte auch noch vorsorglich vor einer Nutzung des Tauberwassers gewarnt. Der Bund Naturschutz meldete sich zu Wort und möchte exakte Aufschlüsse über die bei der Plasstikverbrennung entstandenen möglichen Giftstoffe in der Luft haben.

Nur geklärtes Wasser in die Tauber

Gelungen sei jedenfalls, "dass kein Wasser ungeklärt in die Tauber gelangt ist, die Katastrophe hätte man sich auch gar nicht ausmalen wollen". Das sei nicht einfach gewesen: "Hier sind seit Donnerstag viele Leute im Einsatz, die dafür gekämpft haben, dass der Igelsbach und die Tauber frei von Schmutzwasser bleiben, das ist wirklich eine Meisterleistung!” Aber natürlich seien bei starkem Regen auch die Rückhaltekapazitäten begrenzt.

In den Hallen wurden den Angaben zufolge unter anderem auch Kunststoffe und Holz gelagert.

04.05.2021 © Dieter Balb


Wenn es auf die großen Müllhalden regnet, fließe giftiges Wasser ab, das man sammele und in einem riesigen Bottich der Kläranlage schon seit Tagen zwischenlagere. Naser: "Deshalb hat es auch am Anfang bei der Kläranlage nach Chemie gestunken". Alle Kräfte hätten gut zusammengewirkt um weitere Schäden zu verhindern. Die Löscharbeiten seien beendet, aber man sammele noch immer alles Wasser auf dem Gelände und fahre es zur Kläranlage. Wie Jürgen Holstein erläutert, hat man frühzeitig einen Wall aus Steinen und Sandsäcken gebaut, damit kein Waser mehr das Firmengelände verlässt. Das gilt auch für die nächsten Tage noch.

Der Betrieb sei unter bekannten Rufnummern unverändert erreichbar und werde trotz des Unglücks fortgeführt, meldet die Wertstofffirma Edelhäuser GmbH auf ihrer Internetseite. Dem Unternehmen kommt zugute, dass es der Feuerwehr gelungen ist, das Bürogebäude in dem Flammenmeer weitgehend zu erhalten.

Nicht jeder dachte ans Helfen

Die Untersuchungen der Kripo Ansbach zur Brandursache dauern noch an. Wenn zu hören war, der Brand-Ausbruch habe etwas mit der Schredderanlage zu tun, so ist dies vorerst nur ein unbestätigtes Gerücht. Dass es keine Verletzten gegeben hat und außerdem Nachbarbetriebe nicht gefährdet waren, wird positiv vermerkt. Nicht jeder dachte allerdings in der Brandnacht ans Helfen, denn die Katastrophenlage nutzten unbekannte Täter dreist aus, um in aller Ruhe in einen benachbarten Keramikbetrieb einzubrechen.

Das Feuer, das 1952 die historische Roßmühle (heute Jugendherberge) in der Altstadt vernichtet hatte und jetzt das Feuer im Gewerbegebiet dürften die beiden größten Brandereignisse nach dem Krieg in Rothenburg gewesen sein. Von einer Einordnung formell als "großer Schadenslage” nach dem Gesetz spricht die Polizei. Wie der Leiter der örtlichen Polizeiinspektion Stefan Schuster sagt, hätte bei größerer Brandausweitung die "Katastrophenlage" als nächste Stufe gegriffen. Die ganz große Katastrophe aber hatte die mittelalterliche Stadt zu Ostern 1945 beim Bombenangriff erlebt, als 40 Prozent der Altstadt in Schutt und Asche fielen.


Hier geht es zu allen aktuellen Polizeimeldungen.


Dieter Balb

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