Sonntag, 17.11.2019

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Geburtstag der St.-Nikolaus-Kirche größer gefeiert als sonst 

Ein besonderer Anlass bei schönsten Spätsommerwetter - 16.10.2018 12:50 Uhr

Das Kirchenjubiläum wurde auch beim Kirchweihumzug thematisiert: mit einem Nachbau von St. Nikolaus. © Schäfer


Die Baugeschichte der Pfarrkirche ist älter. Nach alten Aufzeichnungen wurde „die wohl 1279 von Grundherren errichtete Kirche um 1333 als selbstständige Pfarrei von Gattenhofen abgetrennt.“  Es steht auch geschrieben, dass 1383 die Reichsstadt Rothenburg den Kirchensatz als Würzburger Lehen erwarb. Nach dem Bauernkrieg wurde 1527 eine neue Kirche gebaut. Seit 1544 sind evangelische Pfarrer in Adelshofen. „Die Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen, mit Krieg und Frieden hinterließ Spuren“, sagte Regionalbischöfin Gisela Bornowski in ihrer Festrede von der Kanzel herab und erläuterte weitere wichtige Stationen der Adelshöfer Kirchengeschichte. Um 1718 wurde das Gotteshaus erweitert und erhielt ihr aktuelles Aussehen. Ein wichtiger Eckpfeiler, der jetzt zum Anlass für die Jubiläumsfeier genommen wurde. 

Immer wieder gab es Veränderungen an der Kirche und in der Gemeinde, wie die Regionalbischöfin betonte. Seit 1972 besteht der Dreierverbund mit Tauberscheckenbach und Tauberzell. 2013 wurde die Pfarrei auf eine dreiviertel Stelle gekürzt. Die Gemeinde zeichne dennoch ein lebendiges Gemeindeleben und ein hohes Engagement von Ehrenamtlichen aus, so Gisela Bornowski. Erfreulich sei auch die vertrauensvolle und kon­s­truktive Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kommune in Adelshofen. Auch das Verhältnis zu den Vereinen sei „vorbildlich“. Die Musik spielt eine große Rolle im Jahreslauf – natürlich auch an der Kirchweih. Die Bläserinnen und Bläser „Lyra“ bereicherten den Festgottesdienst und gaben ein Standkonzert am Kirchplatz.  

Menschen zusammenbringen und Interessen miteinander in Einklang zu bringen  – die Regionalbischöfin warb in ihrer Rede für eine Gesellschaft, die zusammensteht. Hetze und Fremdenfeindlichkeit verbiete sich für Christen: „Das ist keine Alternative zu unserem demokratischen Rechtsstaat.“ Integration sei ein mühsamer Weg, „aber der einzig Richtige.“ Angst sei „ein schlechter Berater und macht eng.“ So ein Kirchenjubiläum lasse dankbar zurückschauen „wie viele hier in der Kirche und in der Gemeinde Heimat gefunden haben.“ Die Regionalbischöfin ermutigte dazu, sich neuen Herausforderungen und Aufgaben zu stellen, indem man der Frage nachgeht: „Wie können wir das, was gut ist, bewahren, und doch offen sein für Neues und Andere?“ 

Zum Kirchenjubiläum gratulierten auch Bürgermeister Johannes Schneider, Dekan Hans-Gerhard Gross und der Synodale Robert Karr, der dafür warb, die Veränderung als Chance zu begreifen und sich zu Nutzen zu machen. In den nächsten Jahren gehen weitere Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand. Es müsse dafür Sorge getragen werden, dass die verbleibenden Seelorsorger in der Region nicht an ihre Grenzen kommen. Das Adelshöfer Gemeindeoberhaupt trat an die Regionalbischöfin mit der Bitte heran, Stellenentscheidungen auf eine sichere Basis zu stellen, damit auch beim 350. Kirchenjubiläum „im Pfarrhaus noch Licht brennt.“ 

Im Anschluss an den Festgottesdienst waren die Ehrengäste zum Mittagessen in das Gasthaus „Zum Löwen“ eingeladen. Den Kirchweih­umzug bewerkstelligte traditionell die Dorfjugend mit alten Traktorgespannen  und der Darstellung der aufs Korn genommenen Episoden, nachzulesen in der selbstver­fass­ten „Kerwazeitung“. 
Das Angebot, den Kirchtum mit den Glocken zu besichtigen, wurde rege angenommen. Die schmalen Holztreppen und der enge Durchlass bildeten kein Hindernis. Der Aufstieg eröffnete einen besonderen Blick auf das Geläut. Wer wollte, durfte auch einmal den Klöppel anstoßen und sich von der Lautstärke  des Klangs beeindrucken lassen. 

Im Gemeindehaus vermittelte eine kleine Ausstellung mit Bildern, Gebetbüchern, Hausbibeln und Anekdoten einen interessanten Einblick in die Geschichte Adelshofens. Altdekan Dr. Dietrich Wünsch hatte mit seinen Recherchen in alten Kirchenbüchern Interessantes zu Tage gefördert. Die Schau zeigte auch alte Aufnahmen von der Glockenabnahme für Kriegszwecke 1942, Impressionen von der Kirchenrenovierung der Jahre 2008 bis 2009. Die Blumenfrau Margit Haag und Mesner Leo Meißner kamen zu Ehren, ebenso die Werte ehrenamtlicher Arbeit. 

Viele trugen zu einem gelingenden Miteinander bei: Pfarrer Johannes Raithel, zu dessen seelsorgerischer Tätigkeit auch Dienst in der Nachbarpfarrei gehört, der Kirchenvorstand um Vertrauensmann Gerhard Rost, Organistin Maike Gleiß, Konfirmandinnen, der Bayern-Fanclub, Gemeindevertreter und die zahlreichen stillen Helfer im Hintergrund. Zusammenhalt in der Gemeinschaft hat viele Facetten und Gesichter. 

sis

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