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Mittwoch, 26.06.2019

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Geschichte wiederbelebt

Viel Lob für Karl Schwarz und sein Hegereiter-Projekt in Ohrenbach - 24.05.2019 14:08 Uhr

Das Replikat des Ohrenbacher Wappensteins wird durch Informationstafeln ergänzt. © Götz


„Da drin“, in den hauseigenen, landwirtschaftlichen Produkten wie Leber-, Brat-, und Bierwurst oder – etwas alternativer und kreativer – Bärlauch-Pesto, Rhabarber-Himbeer-Konfitüre, Himbeeressig und Quittenlikör. „Da drin“, im Willen, wie es wiederum Schwarz selbst später sagen durfte, „Brücken zu bauen zwischen Verbraucher und Landwirtschaft.“ Und natürlich „da drin“, in diesem Herzensprojekt, den Wappenstein des früheren Landturms, der die eigene Hauswand ziert und voll wertvoller geschichtlicher Erinnerungen steckt, aufwendig restaurieren zu lassen. Zu dessen Einweihung sowie der des Replikats, das Karl Schwarz unbedingt zusätzlich an der Straßenseite seines Hofes sehen wollte, um „der Bevölkerung ein schönes, vollständiges Wappen bieten zu können“, war Dr. Jürgen Ludwig ja schließlich auch eingeladen worden.

Vor Ort war auch Ohrenbachs Bürgermeister Johannes Hellenschmidt. Für die musikalische Umrahmung sorgte Thomas Lang am Akkordeon. Kinder konnten sich auf einer Hüpfburg austoben, zudem konnten alte wie neue landwirtschaftliche Geräte in Augenschein genommen werden.

Den Landturm selbst gibt es bereits seit dem Jahr 1816 nicht mehr. Umso wertvoller, wenn ab sofort zwei in Stein gemeißelte Abbildungen an ihn und vor allem die Geschichte dahinter erinnern. Zu Mittelalterzeiten, und in Teilen auch noch etwas später, nach dem Dreißigjährigen Krieg, wohnten in den Landtürmen die sogenannten „Hegereiter“, die wiederum die „Landwehr“, den damaligen Landbesitz der Freien Reichsstadt Rothenburg, bewachten, respektive seine Grenzen abritten und Wegezoll kassierten.

Die genauen geschichtlichen Hintergründe konnten sich interessierte Besucher des Hoffestes zu Ehren des Wappens am Nachmittag von Alt-Rothenburg-Vorsitzender und Historiker Dr. Markus Naser erläutern lassen. Zuvor war es aber der Landrat, der Schwarz und seine Familie erst einmal weiter loben wollte. „Schwer beeindruckt vom Engagement“, sei er. Es sei „sinnvoll, solche Initiativen zu stärken“, Geschichte zum Anfassen in der Kulturlandschaft sei „der richtige Weg“.

Alle haben an einem Strang gezogen

Beachtliches geleistet: Karl Schwarz. © Götz


Das sieht auch Karl Schwarz, dessen Familie seit vier Generationen mit dem Anwesen „Am Landturm 1“ verbunden ist (wir berichteten), so. Er sei deshalb sehr froh darüber, dass „alle Menschen, egal ob vom Amt, die Bürger aus Uffenheim, die Mitglieder des Verein Alt-Rothenburg, an einem Strang gezogen haben. Es war ein absolut tolles Erlebnis, ein Miteinander, ich habe mich zu jeder Zeit geborgen gefühlt“.

Sechs Monate hatte es gedauert, bis beide Tafeln neu beziehungsweise instand gesetzt wieder vor Ort waren. Zunächst war das Original abmontiert und in ein Steinatelier transportiert worden. Dort wurde es gesäubert, getrocknet, konserviert. Lose Substanzen wurden verklebt, die Abbildung so gut es eben ging wiederhergestellt. Die Kosten lagen sowohl für das Originalwappen wie auch für die Nachbildung bei rund 5 000 Euro.

Zum großen Teil wurden diese vom Landesamt für Denkmalpflege und der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Region Romantische Straße übernommen. Aber auch Schwarz selbst finanzierte mit und erhofft sich eine längerfristige Wirkung der Aktion. In Zukunft will er die Direktvermarktung seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse, von ihm selbst „Hegereiter-Produkte“ genannt, vorantreiben und intensivieren. Dabei will er Konsument und Produzent wieder näher zueinander bringen. Als Koch und Landwirt zugleich kennt er sich auf beiden Seiten bestens aus.

Die zunehmende Rückbesinnung auf regionale Kost könnte ihm dabei in die Karten spielen. Allerdings wäre da dann auch noch der „limitierende Faktor Zeit“, wie er sagt. Vor allem dann, wenn Schwarz weiter Projekte plant, wie zum Beispiel einen Hegereiter-Weg, der die ursprüngliche Landhegegrenze entlang führen und am besten noch modern vermarktet werden soll. Das klingt nach einer ganzen Menge Arbeit, aber auch nach jemandem, der wie es Dr. Jürgen Ludwig zum Abschluss seiner Rede sagte „auf der Höhe der Zeit ist“. 

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