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Keine Windräder bei Buch am Wald: Gemeinderat stellt sich quer

Die 245 Meter hohen Anlagen wären die größten in Bayern gewesen - 10.12.2020 05:51 Uhr

Mehrere Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils 245 Metern sollten im Landkreis Ansbach errichtet werden. In seiner nächsten Sitzung wird der Gemeinderat von Buch am Wald das Projekt jedoch per Beschluss ablehnen.

14.11.2020 © Jens Büttner/dpa


245 Meter. Ungefähr so hoch wie der Nürnberger Fernmeldeturm ohne Spitze. Der Turm 160 Meter, die Rotoren 170 Meter im Durchmesser. Weil sich die Mehrheit der Bürger mit ihren Unterschriften gegen das Mammut-Projekt positioniert hat, wird es auch der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung im Januar per Beschluss ablehnen.

Bürgermeister Friedrich Priester ist erleichtert. Nicht mal 1000 Meter von der nächsten Wohnbebauung in Buch am Wald entfernt wäre eines der drei Windräder entstanden, die anderen beiden bei Hainhof und Hürbel. Die gewaltige Gesamthöhe von 245 Metern hat natürlich einen konkreten betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Je höher so ein Windrad der neuesten Generation in den Himmel ragt, desto produktiver ist es.


2019 gingen in Bayern nur sechs neue Windräder in Betrieb


Bereits 2010, erzählt der Bürgermeister, hätte die Verwaltungsgemeinschaft mögliche Standorte geprüft. Übrig blieben nur die drei bei Buch am Wald, allerdings hatte der Gesetzgeber etwas dagegen. "Damals waren wir noch Feuer und Flamme", sagt Priester, "irgendwann denkt man aber: So nah an der Wohnbebauung so hohe Windräder, muss das wirklich sein?"

Nein. Was nicht heißt, dass die BürgerInnen von Buch am Wald etwas gegen erneuerbare Energien hätten. Tatsächlich wird auf dem Gemeindegebiet schon jetzt ungefähr doppelt so viel produziert wie benötigt. Wo genau der Strom der Windräder eingespeist worden wäre, kann Priester nicht sagen. Jedenfalls nicht in unmittelbarer Umgebung.

Gemeinderat hatte die 10-H-Regelung kassiert

Die derzeit höchsten Windräder in Bayern stehen in Elfershausen, Landkreis Bad Kissingen, und sind seit Anfang des Jahres in Betrieb. Gesamthöhe: 240 Meter. Dass der Gemeinderat von Buch am Wald schon auch ein bisschen selbst schuld ist an der ganzen Aufregung, liegt an einem erst kürzlich verabschiedeten Beschluss. In einer seiner jüngsten Sitzungen hatte das Gremium mehrheitlich die sogenannte 10-H-Regelung kassiert, wonach eine Windkraftanlage das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein muss.


Windräder erzeugen so viel Strom wie noch nie


Zwei Bucher Bürger, die für einen Windpark-Betreiber arbeiten, legten wenig später Pläne für den Bau der drei Windräder vor. Die Gemeinde hätte steuerlich profitiert, die Bürger hätten über eine Art Bürger-Modell ihr Geld investieren können. Aber soweit kommt es nicht, sollte der Gemeinderat im Januar dem ausdrücklichen Wunsch der Bürgerschaft folgen. Aus den Unterschriftenlisten geht hervor, dass aktuell 71 Prozent der Ortsansässigen dagegen seien, sagt Priester.

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Deshalb lässt die Gemeinde auch die noch für Dezember geplante Bürgerbefragung sein. "Wir beugen uns dem Bürgerwillen", sagt Priester, der auch seiner ist. Der Bürgermeister hat sich auch öffentlich stets klar gegen die Windräder positioniert. Die Nähe, die Natur – unter anderem soll der selten gewordene Rote Milan in der Gegend heimisch sein.

"Ja, mir fällt ein Stein vom Herzen", sagt Bürgermeister Priester. Was aber nicht heißen muss, dass Windräder dieser Größenordnung endgültig vom Tisch sind. Die Energiewende fängt ja schließlich gerade erst an.

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