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Kosten Windräder letzte Chance?

Der Bauausschuss macht sich jetzt Sorgen um den weiteren Weg zum Weltkulturerbe-Titel - 15.12.2011 16:53 Uhr

Rothenburg ist mit seiner historischen Altstadt ein Touristenmagnet. Windräder könnten die Silhouette empfindlich stören. © Tourismusverband Rothenburg


Den Antrag auf Errichtung eines vierten Windrads im Bereich der bei Leuzenbronn und Bettenfeld bisher schon bestehenden drei Windräder genehmigte der Bauausschuss schließlich einstimmig.

Rein rechtlich wäre es wohl auch kaum zu verhindern gewesen, denn es ist auf einer sogenannten Vorbehaltsfläche vorgesehen. Solche – aus sogenannten Eignungsflächen der einzelnen Städte und Gemeinden entwickelte Bereiche – sind laut Regionalplan extra für verschiedene Funktionen ausgewiesen, beispielsweise als mögliche Stand­orte für Windkraftanlagen, und begründen damit nicht zuletzt auch für Antragsteller einen Anspruch auf Durchsetzbarkeit ihres Vorhabens.

In diesem speziellen Fall, den der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung zu entscheiden hatte, geht es um ein Windrad mit etwas über 72 Meter Nabenhöhe und 53 Meter Rotordurchmesser. Antragsteller ist die HWH Engineering Gesellschaft für Anlagen-, Energie- und Umwelttechnik mbH mit Sitz in Iphofen, die im hiesigen Bereich schon mehrere solcher Windkraftanlagen betreibt. Das Windrad soll 800 Kilowatt Strom liefern.

Wie Alfred Baum bei der Sitzung in Stellvertretung von Stadtbaumeister Michael Knappe mitteilte, handelt es sich bei dieser Windkraftanlage von der Größe her in etwa um die gleiche Kategorie wie bei den bisher schon bestehenden drei, die sich auf besagter Vorrangfläche verteilen.

Im Gremium entspann sich um das Projekt eine kurze Debatte. Dabei hieß es unter anderem, wenn schon ein weiteres Windrad in diesem Bereich, so hätte man es lieber als Bürgerwindrad verwirklicht gesehen. Außerdem wurde von der Verspargelung der Landschaft gesprochen. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob sich Rothenburg mit dieser relativen Nähe zur Stadtansicht nicht den Titel Weltkulturerbe verbaue, weit bevor er auch nur annähernd in Reichweite sei.

Schließlich würden die Königsschlösser im Allgäu auch durch entsprechende Sperrabstände geschützt. Das sei ein Punkt, den man auf jeden Fall im Auge behalten müsse, hieß es. Die Einstufung besagten Areals als Vorrangfläche für Windräder lasse – von einzuhaltenden Abständen zu Siedlungen und untereinander abgesehen – kaum Möglichkeiten des beschränkenden Eingriffs.

Mit besagter vierter Windkraftanlage müsse dann aber endgültig Schluss sein bei jener Sorte regenerativer Projekte direkt vor der Haustür Rothenburgs, wurde betont. Aber ob das dann auch so kommen wird? „Unseres Wissens schon,“ orakelte Bürgermeister Kurt Förster, der die Sitzung in Vertretung von Oberbürgermeister Walter Hartl leitete.

„Kein AKW am Tegernsee,“ habe eine Parole einst gelautet, erinnerte man sich in dem Gremium. Im vorliegenden Fall müsse man sich ganz ähnlich vorkommen. Es gebe durchaus ja auch Befürworter dieser Energieart, hieß es. Die ausgewiesenen Vorrangflächen seien ja gerade dazu da, die Anlagen zu bündeln und damit größere Beeinträchtigungen zu verhindern. Die Gebiete seien angemessen. Mit den Windrädern draußen vor den Toren befinde sich Rothenburg in guter Gesellschaft mit vielen anderen Kommunen in der Bundesrepublik.       

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