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Donnerstag, 17.10.2019

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Ladentradition endet nach fast 90 Jahren

Tabakwaren-Zeitschriften Ehmann Hafengasse schließt - 14.03.2019 13:46 Uhr

Helga Sperer in ihrem Metier hinterm Ladentresen beim Plausch mit einer ihrer Rothenburger Stammkundinnen. © diba


"Der gute persönliche Kontakt mit den Leuten, von denen man viele schon sehr lange kennt", so Helga Sperer, war das Besondere an diesem langen Arbeitsleben. Und nicht jedem Kunden ging es nur um den Kauf einer Zeitschrift, einer Zigarettenmarke oder einer Pfeife mit Zubehör.

Wie sieht jemand mit jahrzehntelanger Altstadt-Erfahrung die aktuelle Entwicklung in der Innenstadt? Helga Sperer: "Allgemein nicht gut, weil wir zu wenig Fach-Geschäfte haben, aber andererseits beklagen das dann oft diejenigen, die alles vor der Altstadt einkaufen!"

Der Tabakwaren-Laden lebte vor allem von den Rothenburgern, aber trotzdem sind wie bei fast jedem Altstadt-Laden die Touristen nicht zu unterschätzen, deren Anteil dürfte laut Helga Spererer bei ihr immerhin  rund dreißig Prozent erreichen. Man weiß wie wichtig solche Läden für das Leben in einer Kleinstadt sind, fast eine soziale Funktion haben. Da wird der Einkauf oft zur Nebensache, und es geht mehr um das Miteinander reden "über Gott und die Welt".

Als Helga Sperer in Ansbach als junge Frau nach der Realschule das Verkaufen lernte, dachte sie noch daran die Tauberstadt mal zu verlassen, aber dann kam es doch anders. Die Eltern und später vor allem die Familie mit Sohn und Tochter waren neben dem Ladengeschäft triftige Gründe im Heimatort ansässig zu bleiben. Heute sagt sie: "Ich bereue es nicht,  es ist  schön hier zu leben und ich habe den Laden gerne gemacht".

Einkaufen wird anonymer

Strengere Gesetze und vor allem das Rauchverbot haben die Tabakwarenindustrie gebeutelt, was aber nicht nennenswert auf die Ladenkundschaft durchschlug, stellt die Inhaberin fest. Außerdem war man die letzten Jahre konkurrenzlos in der Altstadt. Zigarren-Cesinger in der Hafengasse hat als Fachgeschäft schon lange geschlossen. Am Marktplatz hat es bis in die sechziger Jahre noch den kleinen Tabakwaren-Laden Rösch gegeben. Zigaretten und Rauchwaren sind inzwischen in Supermärkten zu bekommen, aber das ist nicht vergleichbar mit den alten Tabakläden, denn das umfassende Tabak- und Pfeifen-Sortiment mit guter persönlicher Beratung bleibt dabei auf der Strecke.

Mit der Rothenburger Familiengeschichte Ehmann sind zwei weit zurückreichende Geschäftszweige verbunden. Vater Karl Ehmann (geboren 1899 im nahen baden-württembergischen Blumweiler) hatte schon 1928 einen "Groß- und Einzelhandel in Tabakwaren sowie Zuckerwaren" in der Wenggasse 5 begründet.  Im Jahr 1930 zog der Laden dann in die Hafengasse 8 (später Cesinger) um und bereits 1932  in die Hafengasse 13, wo Tochter Helga 1976 das Ladengeschäft vom Vater (er ist 1988 verstorben) übernommen hat, Zeitschriften kamen erst in den achtziger Jahren dazu. Ihr Bruder Walter kümmerte sich um den Großhandel.

Bedeutender Großhandel

Der Firmengründer baute einen eigenständigen Großhandel und Automatenvertrieb auf, der schon zum 50-jährigen Bestehen 1978 mit 60 Millionen Mark Umsatz glänzte. Sohn Walter Ehmann hat den Großhandel übernommen und sehr erfolgreich weiterentwickelt. Auch nach seinem Tod 2012 hat die Karl Ehmann Großhandels GmbH & Co.KG (heutige Geschäftsführung Walter Schopf) im Gewerbegebiet soliden Bestand bei derzeit 25 Mitarbeitern sowie über 20 Millionen Euro Umsatz.  Der Vertrieb mit rund 4000 Zigaretten-Automaten ist wesentlicher Teil.

Helga Sperer freut sich jetzt auf den Ruhestand mit mehr Zeit zum Lesen und für die Familie. Ein Erlebnis aus diesen Tagen hat sie zum Abschied besonders berührt:  Ein holländisches Ehepaar, das jedes Jahr auf der Urlaubsfahrt nach Süden in ihrem Laden vorbeischaute und erfuhr, dass er nun schließt, besuchte sie im Januar nochmal. "Die Kunden haben mich zu Tränen gerührt" erzählt die Inhaberin, denn die Holländer überraschten sie mit einem kleinen Geschenk und einer Dankeskarte "An die liebe Frau vom Zeitschriftenladen!".

Vorne aufgedruckt der Spruch "Die besten Tage sind die, an denen du nichts geschafft hast, außer dir Zeit zu nehmen!" und handschriftlich die Zeilen: "Es hat uns immer Freude gemacht Sie zu besuchen und einzukaufen. Wir möchten uns bei Ihnen bedanken für die Begegnungen und tollen Gespräche, die wir gehabt haben und wünschen Ihnen eine wunderbare Zeit mit viel Glück und in guter Gesundheit. Alles Gute und Liebe Jan und Jaqueline". Dass sogar ausländische Gäste solche kleine Läden so schätzen, ist eine bemerkenswerte Erfahrung. Helga Sperer: "Da fällt einem das Aufhören doch gleich ein bisschen leichter".            

diba

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