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Neue Nutzung für die Schrannenscheune?

Verlegung der Bücherei aber nur wenn hohe Zuschüsse fließen
- 07.06.2019 12:20 Uhr

Ein prägendes Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert: die Schrannenscheune am ehemaligen Judenkirchhof, jetzt Parkplatz. © diba


Es geht um eine neue Nutzung der Schrannenscheune als Stadtbücherei und damit einhergehend die Neuverwertung des derzeitigen Büchereigebäudes in der Klingengasse 6. Die Verwaltung hatte bei der Haushaltsberatung im Februar den Stadtrat mit dieser Idee überrascht und sich Zustimmung für einen Förderantrag geholt, der vielversprechend klingt.

"Noch sind wir ganz am Anfang, es gibt keine Pläne und Details, aber es ging darum die Sonderförderung nicht verstreichen zu lassen", sagt Stadtbaudirektor Michael Knappe, wobei er sich sehr zuversichtlich gibt: "Ich glaube wir haben gute Chancen und rechne in Kürze mit einem hoffentlich positiven Bescheid!" Erst danach, soviel ist allen klar, kann die Frage beantwortet werden, ob sich die Stadt ein Vorhaben in der Größenordnung von schätzungsweise deutlich über fünf Millionen Euro leisten kann. "Ohne hohe Zuschüsse ist das gleich wieder gestorben", hört man dazu. Dabei scheint der etwas verwunderlich wirkende Gedanke zur Büchereiverlegung bei einer sachlichen Betrachtung keinesfalls abwegig.

Im Grunde geht es nämlich um zwei Gebäude, die beide unzureichend genutzt sind und eine Sanierung brauchen. Beim Blick in die seit 1971 in der Klingengasse bestehende Bücherei zeigt sich das kuriose Bild, dass man mehr Platz bräuchte, der in den oberen Räumen sogar seit langem vorhanden ist. Die Obergeschosse aber lässt man einfach leerstehen. Dabei hatte es schon vor Jahrzehnten beim Auszug des Jugendzentrums Pläne zur Büchereierweiterung in die Obergeschosse gegeben, aber sie wurden nie umgesetzt! Die Schrannenscheune steht meistens leer und wird nur noch sporadisch für geeignete Veranstaltungen genutzt, aktuelle Brandschutz-Vorschriften und Auflagen erlauben nicht alles.

In der seit 1971 bestehenden Bücherei Klingengasse 6 sind obere Etagen ungenutzt. © diba


Das städtische dreigeschossige Gebäude mit Eingangshalle und dem rückwärtigen Büchereianbau (zum Küblersgäßchen hin) hat sich mit dem schönen Hinterhof bald fünf Jahrzehnte lang bewährt. Nun ist höchste Eisenbahn, um städtische Häuser in der Altstadt sinnvoll zu nutzen, in der Klingengasse 6 würde das die Sanierung erfordern. Ausstellungen, Konzerte, Messen und Feiern aller Art fanden bislang in der Schrannenscheune statt. Da könnte manchen der Wegfall solcher Nutzungen schwer fallen. Stadtbaudirektor Knappe verweist jedoch auf die vielen anderen Hallen und Säle in der Stadt, wobei Reichsstadthalle und Mehrzweckhalle, aber auch Johanniterscheune und Musiksaal zu nennen sind.

Das Bauamt stellt sich eine Sanierung unter Erhaltung des historischen Denkmals innen und außen bei weiter sichtbarer Holzkonstruktion im Erdgeschoss vor und möchte die Dachgeschosse am liebsten ganz unberührt und auch ungenutzt lassen. Michael Knappe denkt bei Unterbringung der Bücherei an den Einbau eines Podestes als galerieähnliche Zwischenebene (eine Stahlkonstruktion), behindertengerecht versteht sich von selbst. Schließlich geht es nicht nur um Bücher und Medien ausleihen, sondern um eine Kultur-Begegnungsstätte mit vielfältigen Angeboten, gewissermaßen auch ein geistiger Treffpunkt für die Bürgerschaft.

Brandschutz und Denkmalpflege spielen bei diesem Gebäude von 1588 mit Rundbogenportalen, steilem Satteldach und fünf verputzten Fachwerk-Giebelgeschossen eine große Rolle. An so prominenter Stelle der Altstadt, prägend für den ehemaligen Judenkirchhof, könnte eine offene Kultureinrichtung wie die Bücherei noch mehr in den Blickpunkt rücken. "Fehlen würde uns natürlich unser schöner Hof mit Garten", meint Büchereileiterin Hannelore Hochbauer, ein Plus seien jedoch die neuen Parkplätze.

Die Fördermittel könnten aus zwei Töpfen kommen

Doch noch ist es nicht soweit. Die Finanzierung hängt an der Städte­bauförderung und einzelnen Töpfen: da wären immer noch Mittel aus dem Programm "Soziale Stadt" mit 60 Prozent Zuschuss, dazu nun der Sonderfonds "Soziale Integration im Quartier", aus dem 80 bis 90 Prozent Zuschüsse fließen sollen. Knappe setzt im Moment "nicht gerne Zahlen in die Welt, weil sich dann gleich jeder daran festhält", wie er sagt, aber natürlich musste dem Antrag eine Kostenschätzung zugrunde liegen. Und da dürften wohl fünf, vielleicht auch mehr Millionen Euro erreicht werden, wobei zur Gesamtmaßnahme auch die Sanierung und spätere Nutzung der Klingengasse 6 gehören würden.

Dort könne vielleicht ein Bürgerzentrum entstehen, in jedem Fall würde die Stadt das Gebäude für die Allgemeinheit wieder nutzen. Erst die genauen Berechnungen und Planungen ergeben letztlich die Kostenaufstellung, nur ein Teil davon ist überhaupt förderfähig. Unterm Strich aber, so Knappe, könnte der deutlich kleinere Anteil bei der Stadt hängen bleiben, wenn die Zuschüsse hoch genug fließen.

Falls Rothenburg unter den Bewerbern grünes Licht bekommt, wären im Haushalt 2019 noch die Kosten für die europaweite Ausschreibung einzustellen, 2020 und 2021 folgen die hohen Beträge.

In Bayern findet man Büchereien in ähnlichen Gebäuden, die einst Salzstadel waren, z.B. in Straubing. Gut vergleichbar erscheint aber der Salzstadel in Landshut mit der Biblio­thek im Obergeschoss, wobei das Erdgeschoss noch Veranstaltungshalle ist – eine gute Lösung, die man sich anschauen könnte. Michael Knappe zeigt sich aufgeschlossen für eine derartige Kombination, hält es aber grundlegend für besser die Dachgeschosse nicht zu nutzen, zumal dies die Kosten erhöhen würde. Wo die Stadtbücherei dann ihr "50-Jähriges" 2021 feiern darf, wird sich bald zeigen. Die Diskussionen beginnen erst.

diba

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