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Reuscher Landwirte bieten Blühpatenschaften an

Die Landwirte wollen zum Naturschutz und zur Artenvielfalt beitragen - 07.03.2019 10:48 Uhr

Diesen Acker möchten Tim Lang, Eberhard Brehm, Friedrich Wacker und Herbert Deitigsmann in eine Blühwiese verwandeln. © Scheuenstuhl


Die Diskussion rund um das Bürgerbegehren war stellenweise stark geprägt von einem Schlagabtausch zwischen Natürschützern und Landwirten. Einige Punkte des geforderten Maßnahmenkatalogs fallen bei den Landwirten durchaus auf Kritik. Etwa, das ganze Thema per Gesetz zu regeln. Denn dann würden beispielsweise die Ausgleichszahlungen für freiwillig durchgeführte Naturschutzmaßnahmen wegfallen.

Das Klischee, dass Landwirte für einen größtmöglichen Ertrag auf Kosten der Natur und der Insekten ihrer Arbeit nachgehen, kann man so pauschal nicht gelten lassen. Auch in anderen Bereichen wird auf den Lebensraum von den Kleinstlebewesen nicht groß aufgepasst. So wird jeden Tag in Bayern eine Fläche von zwölf Hektar zubetoniert, erklärt Fried­rich Wacker. Ganz zu schweigen von den unzähligen Insekten, deren Leben an der Windschutzscheibe eines Autos ein Ende findet.

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Als kleine, aber auffällige Maßnahme für die Artenvielfalt zieren in den vergangenen Jahren etwa immer mehr Blühstreifen die Ränder von Äckern. Auch in Reusch geht man mit gutem Beispiel voran. So bewirtschaftet etwa Friedrich Wacker bereits seit 1999 eine seiner Wiesen ohne den Einsatz irgendwelcher Dünger oder Schädlingsbekämpfungsmittel.

"Wir brauchen die Insektenvielfalt mehr als jeder andere", unterstreicht Tim Lang das ureigene Interesse der Landwirte an einem intakten Ökosystem. Und Friedrich Wacker ergänzt: "Wir sehen unseren Boden als Erbgut für die nächste Generation an, der intakt sein soll." Im Augenblick ist das Thema Artenschutz sehr präsent. Wenn jetzt aber keiner etwas macht, verlaufen die ganzen guten Vorsätze für die Artenvielfalt im Sande, ist Eberhard Brehm überzeugt.

Sprung ins kalte Wasser

"Wir wollen etwas tun, aber die Bevölkerung muss mithelfen", erklärt Tim Lang.  Deshalb wagen die vier Reuscher Landwirte gerade jetzt den – wie Eberhard Brehm sagt – "Sprung ins kalte Wasser" und bieten Blühflächenpatenschaften an. Da auch Landwirte untereinander bestens vernetzt sind, stießen sie bei ihren Oberbayerischen Kollegen auf dieses Projekt und griffen kurzerhand die Idee dazu auf. Sie kamen damit sogar dem offiziellen Aufruf des Ansbacher Kreisverbandes des Bayerischen Bauernverbandes zuvor.

Für den Start stellen sie einen 0,88 Hektar großen Acker dafür zur Verfügung, auf dem bislang Mais angebaut wurde. Bei dessen Auswahl haben die Reuscher Landwirte auch darauf geachtet, dass sich daneben Obstbäume sowie Niederholz zum Unterschlupf für tierische Besucher befinden. Interessenten für Blühpatenschaften machen mit den Landwirten einen Vertrag und sorgen mit ihrem Jahresbeitrag (etwa 50 Euro für 100 Quadratmeter Blühfläche) dafür, dass  sich dort eine bunte Blumenvielfalt entwickeln kann. An dieser dürfe man sich als Pate dann das ganze Jahr über erfreuen, so Herbert Deitigsmann. Mitarbeiten müsse man aber nicht. Auf Wunsch wird auch eine Tafel mit dem Namen des Paten amWiesenrand aufgestellt.

Den Reuscher Landwirten geht es bei dieser Aktion nicht um den Profit, sondern darum, der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ihrer Unterschrift Taten folgen zu lassen. Da auch die Anschaffung der Saatmischung mit gewissen Kosten verbunden ist, können sie froh sein, wenn diese durch die Patenschaften überhaupt gedeckt werden können.

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Sollte doch ein Überschuss erwirtschaftet werden, möchten sie diesen ebenfalls nicht zu ihrer persönlichen Bereicherung, sondern für einen guten Zweck verwenden. Es besteht außerdem die Möglichkeit – im Falle eines überwältigenden Interesses – die Fläche für die blühenden Landschaften auszuweiten.

Neben dem Beitrag für die Artenvielfalt erhoffen sich die Landwirte mit dieser Aktion auch die Verbraucher wieder näher an die Landwirtschaft und ihre Produkte heranzubringen. Wenn sie auf ihren Feldern zugange sind kommen sie ins Gespräch mit Passanten und merken, dass ein großes Interesse daran besteht.

Die vier Reuscher Landwirte veranstaltungen am Samstag, 9. März, um 14 Uhr eine Informationsveranstaltung zu den Blühflächenpatenschaften im Reuscher Landjugendhaus (Hausnummer 9). Um eine An­meldung per Telefon unter der Nummer 0162/6922000 oder per Email über Bluehfl.Reusch@gmx.de wird gebeten.

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