Dienstag, 12.11.2019

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Rothenburg: Zauberhaftes Harfenkonzert

Susanne Gassios gastierte im Musiksaal der Rotarier - 04.11.2016 10:58 Uhr

Begeisterte das Publikum: Harfenistin Susanne Gassios. © ni


Als Auftakt wählte die Künstlerin eine Transkription des aus den bekannten „Kinderszenen“ op. 15 von Robert Schumann (1810 bis 1856) stammenden Klavierstücks „Von fremden Ländern und Menschen“. Augenblicklich wurde das Publikum durch ausgeprägten Klangsinn, virtuose Fingerfertigkeit und überlegte melodische Phrasierung in den musikalischen Bann gezogen. Der Titel dieses Werks war prägend für das gesamte weitere Programm, denn in nahezu allen Werken spiegelten sich musikalisch-charakteristische Merkmale bestimmter Länder.

Nun folgte ein Instrumentenwechsel von der klassischen Konzertharfe zur irischen Harfe, wobei Susanne Gassios selbst durch das Programm führte und immer wieder Informationen zu den Instrumenten, der Spieltechnik und den jeweiligen Werken gab. Die drei sehr interessanten Stücke der 1963 geborenen Komponistin und Harfenistin Monika Stadler mit den Überschriften „Away for a while“, Scandinavia“ und „Irish Whiskey“ wurden mit großer Gestaltungskraft interpretiert. Tonmalerische Effekte symbolisierten vor allem auch die Weite der Landschaft und das Phänomen der Nordlichter. Vollends folkloristisch erklangen eine Dudelsack-Melodie und ein Tanz aus Irland, dem Mutterland der Harfe.

Walisischer Abschiedsschmerz

Mit einem Stück des walisischen Komponisten John Thomas (1826 bis 1913), der Hofkomponist bei Queen Victoria in London war, wurde das Solo-Recital fortgesetzt. „The Minstrel´s Adieu to his native land“ war eine von Abschiedsschmerz geprägte, ausdrucksstarke Hommage an seine Heimat.

Vier Charakterstücke des belgischen Komponisten Alphonse Hasselmans (1845 bis 1912) bildeten einen weiteren Programmpunkt. Souverän verzauberte Susanne Gassios die Zuhörer mit den wechselnden Stimmungen der „Feuilles d`automne“ und meisterte mühelos die technischen Schwierigkeiten der fließenden Tonmalerei von „La source“.

Im darauffolgenden „Chanson dans la nuit“ von Carlos Salzedo (1885 bis 1961), einem spanischen Komponisten, der die Harfen-Spieltechnik revolutioniert hat (z. B. Einsatz der Fingernägel), überzeugte die Künstlerin mit impressionistischen Klangeffekten. Typisch spanische Merkmale wiesen die beiden nachfolgenden Musikstücke auf, das eine Art Legende darstellende „Asturias“ aus „Cantos de Espana“ op. 232 von Isaac Albeniz (1860 bis 1909), und der „Baroque Flamenco“ von Deborah Henson-Conant (geb.1953). Während „Asturias“ an die spezifische spanische Region erinnerte, repräsentierte das letzte Stück vor der Pause den berühmten feurigen Volkstanz.

Orientalische Tonfolgen

Danach tauchte Susanne Gassios ins Genre der Filmmusik ein und spielte gekonnt das von Maurice Jarre (1924 bis 2009) für Harfe bearbeitete Thema des legendären Films „Lawrence of Arabia“. Nun führte die musikalische Reise mit der irischen Harfe nach Frankreich, zu drei Sätzen („Muscade-Vanille-Pistache") aus der ersten Suite „Epices“ (Gewürze) von Bernard Andrés (geb. 1941). Verführerisch erklangen wunderschön musizierte orientalische Tonfolgen.

Die Vielseitigkeit der vielsaitigen klassischen Harfe demonstrierte die Künstlerin beim Jazz-Standard „Misty“ von Errol Garner/Johnny Burke und der teilweise swingenden Version des berühmten Liedes „Autumn leaves“ von Johnny Mercer/Joseph Kosma. Beim Vortrag des nächsten Programmpunkts, dem „New Blues“ von Deborah Henson-Conant und den abschließenden Stücken „Maho Bay“ (mit karibischer Note) und „I feel good“ von Monika Stadler verbüffte Susanne Gassios noch einmal mit ungeheurer Vittuosität und immenser Interpretationskunst.

Fazit: Ein ganz besonderes Konzert, das langanhaltenden, großen Beifall erhielt.

 

ni

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