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Rothenburger Arzt schulte in Ghana medizinisches Personal

Wissen weitergeben - Rainer Hoffmann nahm bei "Senior Expert Service" teil - 17.06.2019 14:20 Uhr

In dem kleinen Krankenhaus im ghanaischen Bongo stehen bis zu 40 Betten in Viererreihen in einem einzigen Raum. © Privat


Vor zehn Jahren hat sich der Internist und Gastroenterologe (Magen-Darm-Trakt) dazu entschieden, auch nach dem offiziellen Ausscheiden aus dem Beruf, Dienst an seinen Mitmenschen zu tun. Sein Engagement beim "Senior Expert Service", einer Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit, führte ihn bereits zweimal nach China, wo er Mediziner in gastroenterologischen Verfahren schulte und einmal nach Kasachstan. In Ghana, auf seiner mittlerweile vierten Entsendung, konnte der 73-Jährige wieder ganz neue Eindrücke sammeln – vor allem, unter welchen Bedingungen Ärzte und medizinisches Personal in dem westafrikanischen Land arbeiten müssen. In erster Linie blieb ihm die Hitze im Gedächtnis.

Da das Thermometer bis zum Mittag auf 42 Grad kletterte, war es für die deutschen Experten nur möglich, vormittags zu arbeiten. Ihre Aufgabe bestand darin, die beiden Ärzte sowie das weitere medizinische Personal in dem kleinen Krankenhaus in Bongo an gespendeten Medizingeräten zu schulen. Die deutsche Organisation "International Children Help" (ICH) überbrachte die Bettgestelle sowie die Apparate für Ultraschalluntersuchungen, Audiometrie, EKG und zur Beatmung von Kindern mit einem Neuwert von 50.000 Euro. Dr. Rainer Hoffmann und ein Physiker und Diplom-Ingenieur sollten die Geräte zunächst in Augenschein nehmen, zum Laufen bringen und eventuell reparieren. Die drückend heißen Nachmittage verbrachten sie dann mit Büroarbeit, etwa der Korres­pondenz mit Firmen zwecks der Lieferung von Ersatzteilen oder die Übersetzung der Gebrauchsanleitungen ins Englische.

Medizinstudium scheitert aus Kostengründen

Dr. Rainer Hoffmann bei einer Ultraschall-Schulung des medizinischen Personals. © Privat


"Die Mitarbeiter in dem Krankenhaus waren hoch interessiert und motiviert", lobt Dr. Rainer Hoffmann. Sie hätten seine Instruktionen "sehr gut verstanden" und er traue jedem von ihnen sogar ein Medizinstudium zu. Bei Kosten von 3000 Euro pro Semester wird das für sie aber ein Wunschtraum bleiben. Bongo liegt im Norden Ghanas, etwa 20 Kilometer von der Distrikthauptstadt Bolgatanga entfernt. Nach weiteren 20 Kilometern erreicht man dann das Nachbarland Burkina Faso. Das kleine Krankenhaus in Bongo verfügt über eine Männerabteilung, eine Frauen- und Kinderabteilung, einen Kreißsaal plus Geburtshilfestation, einen laut Dr. Rainer Hoffmann "Bretterverschlag" als Notfallambulanz, eine Apotheke, eine Röntgenstation (allerdings ohne funktionierendes Röntgengerät) sowie eine verwaiste zahnmedizinische Abteilung. In vier Reihen stehen etwa 40 Betten in einem Raum.

Da der Patientenansturm in der Regenzeit, also der Malaria-Saison, besonders hoch ist, teilen sich dann manchmal zwei oder drei Patienten ein Bett. Der Operationssaal ist der einzige klimatisierte Raum in dem medizinischen Komplex. In den restlichen Gebäuden dringt Straßenstaub von draußen in die Abteilungen. "Im Rahmen seiner Möglichkeiten achtet das Personal auf die Hygiene", versichert Dr. Rainer Hoffmann, der als persönliche Spende Operationsbesteck mitgebracht hatte.

Noch 18.000 Euro nötig

So gab ihm beispielsweise der Chefarzt, den er auf einer seiner Visiten besuchte, nicht die Hand zur Begrüßung, sondern den Ellenbogen. Die Ärzte sind "Allrounder" und müssen die ganze Bandbreite an nötigen Behandlungen abdecken. Aber auch die beiden Pick-Ups des Krankenhauses dienen nicht nur dazu, um in die nächstgelegene Stadt zu kommen, sondern auch als Krankenwagen. Dank eines ghanaischen Spenders konnte eine ganz neue Kinderstation gebaut werden, in der die aus Deutschland kommenden Bettgestelle und Medizingeräte Verwendung finden.

Allerdings wären noch 18.000 Euro nötig, um sie mit Matratzen und Bettbezügen auszustatten sowie einen Wasseran- und abfluss zu realisieren. "Es ist bemerkenswert, wie fröhlich, freundlich und liebenswert die Menschen trotz ihrer Armut sind", sagt Dr. Rainer Hoffmann. Dem einstigen Chefarzt am Öhringer Krankenhaus und jetzigem Vorsitzenden des Seniorenbeirats fiel sofort auf, dass man vor allem Kindern auf den Straßen begegnete, während hingegen ältere Menschen ganz selten anzutreffen waren. Die überall sichtbare Vermüllung durch Plastik zählt zu den negativen Eindrücken seines Aufenthalts. 

mes

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