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Selbst denken

Angst und Misstrauen schädigen das eigene Leben - 05.11.2018 12:00 Uhr

Aller Ehren wert: Die Mitglieder des Bezirksposaunenchors leisten seit Jahren ehrenamtliche, kirchenmusikalische Arbeit. © sis


Das reformatorische Gedankengut kommt in den Säulen der „Soli“ zum Tragen. Die 95 Thesen, die Martin Luther vor über 500 Jahren veröffentlicht hat, stehen für eine Erneue-rungsbewegung, deren Auswirkungen bis heute enorm sind. Beim Festgottesdienst des Dekanatsbezirks Rothenburg in der St.-Jakobs-Kirche am Reformationstag warben Dekan Hans-Gerhard Gross und Pfarrerinnen und Pfarrer aus verschiedenen Kirchengemeinden dafür, die Bibel immer wieder neu zu entdecken und sich anzuschauen, was da wirklich drinsteht.

Martin Luther kritisierte die kirchlichen Traditionen, den Ablasshandel, das Papsttum und die Missstände des Priestertums. Für ihn galt: „Sola sciptura“, „Solus Christus“, „Sola gratia“, „Sola fide“ oder – in unserer Sprache formuliert: „Allein die Schrift“, nicht die kirchlichen Traditionen, „Allein Christus“ – nicht die Kirche, nicht die Heiligen, nicht Maria, „Allein die Gnade“ – ohne Gegenleistung, nicht durch des Menschen eigene Güte, „Allein der Glaube“ – nicht durch gute Werke. Die Pfarrerinnen Andrea Rößler und Claudie Schlottke gingen gemeinsam mit ihren Kollegen Ulrich Winkler und Jürgen Henrich der Frage nach, ob die Anliegen der Reformation noch irgendetwas mit uns zu tun haben, etwas, was für unseren Alltag, für unser Leben Bedeutung hat? Sie halten eine Neuentdeckung der vier „Soli“ dabei für wesentlich. „Zwischen Kreuz und Auferstehung passt ein ganzes menschliches Leben in allen seinen Facetten.“ Ohne Vertrauen geht’s nicht. Und wie schön wäre es, wenn Menschen miteinander gnädiger wären. Gott hat den Anfang gemacht. Der Satz 

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, stammt von Josef Stalin aus den Zeiten des Kalten Krieges und symbolisiert den Wahn des Menschen, alles selbst in der Hand zu halten. Luther setzte dieser ungesunden Vorstellung einen anderen Satz entgegen: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“ Und zwar Vertrauen auf Gott: „Er rechnet nicht ab. Er vergibt.“ Diese Erfahrung machen Menschen im Leben nicht oft.

Beteiligte Pfarrerin: Claudie Schlottke. © sis


Und was ist, wenn man sich mit dem Vertrauen zu Gott schwer tut und zweifelt? Manchmal verstehen die Menschen Gottes Wege nicht. „Aber ist es nicht immer noch besser, wenn ich mit meinem Gott und seiner ‘dunklen Seite’, wie Luther schreibt, hadern kann, als wenn ich ganz allein all das ertragen muss, was mir als sinnlos und grausam erscheint?“ Luther rät, „zu Gottes heller Seite zu fliehen.“ Die Bibel ist ein Buch mit alten Geschichten – „und deshalb bietet sie keine schnelle Antwort auf heutige Fragen.“ Natürlich hat sich die Welt seit den biblischen Zeiten weiterentwickelt: Die Bibel hat heute auch nicht auf alle Fragen ein Patentrezept.“ Christen könnten überlegen, was Jesus heute wohl zu einer bestimmten Situation tun oder raten würde. Die Orientierung sei schwierig, angesichts „der Auswahl auf dem religiösen Supermarkt.“ Jeder glaube an irgendetwas oder jemanden. Jeder bastelt sich seinen eigenen Glauben zusammen. Aber was ist, wenn es wirklich hart auf hart kommt? Wenn die zurechtgelegten Ansichten nicht funktionieren? „Was hält mich wirklich im Leben? – so fragten sich sinngemäß schon die Reformatoren. Ihre Antwort war einfach: Jesus Christus. Denn nichts ist ihm fremd – tiefstes Leid in seinem Kreuzestod, größte Höhe in seiner Auferstehung. Die vier Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Dekanatsbezirk Rothenburg machten auch deutlich, dass es nicht darauf ankommt, zu welcher Kirche man gehört, „sondern ob man zu Christus gehört.“ Luther wusste, selbst wenn der Papst, die Kirche oder die Gesellschaft ihn verurteilten, dann gehört er durch den Glauben an Christus doch zu Gott. Aber was ist mit den anderen Religionen und Weltanschauungen? Die sind ja auch nicht alle falsch. Auch in anderen Religionen und Weltanschauungen steckt viel Wahrheit. Doch wieviel in ihnen an Wahrheit steckt, das kann jeder Einzelne nur auf der Grundlage seines Glaubens beantworten. „Christen sind freie Herren aller Dinge durch den Glauben an das Evangelium und niemandem untertan. Zugleich sind sie aber durch die Liebe gebunden.“ Der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Jan-Peter Scheurer und Dekanatskantorin Jasmin Neubauer an der Orgel verliehen dem Festgottesdienst festliche Akzente mit dem Klang ihrer Instrumente. Die Spendensammlung des Abends war bestimmt für das Partnerdekanat Hai in Tansania.  

sis

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