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Starker Corona-Ausbruch in Rothenburger Seniorenzentrum

Diakoneo-Einrichtung extrem betroffen - auch im Behinderten-Wohnen Infizierte - 20.11.2020 20:01 Uhr

Das DIAKONEO-Seniorenzentrum in Rothenburg, direkt hinter dem AnRegiomed-Krankenhaus gelegen.

20.11.2020 © Dieter Balb


Aktuell kommt jetzt auch noch das Behindertenwohnen mit ersten Covid-Infizierten dazu.Die offiziell maßgebliche Statistik ist die der Gesundheitsämter. So werden mit Datum vom 19. November in Landkreis und Stadt Ansbach 2371 bestätigte Corona-Fälle ausgewiesen, davon 450 in der Stadt Ansbach. Es sind insgesamt 48 Personen verstorben. Inzwischen sind Gemeindestatistiken dazu abrufbar, was anfangs nicht möglich war. Rothenburg fällt hier mit 140 Infizierten auf. Es wird aber von Dinkelsbühl mit 224 und Feuchtwangen mit 207 Fällen übertroffen. Die Ursachen solch hoher Zahlen hängen mit Heimen zusammen. So ist die Situation im Altenpflegeheim Dinkelsbühl, was die Corona-Fälle bei Bewohnern und Personal betrifft, ähnlich wie in Rothenburg.


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Mit 49 infizierten Bewohnern von ursprünglich 111 und jetzt nur noch 98 Bewohnern im Rothenburger Seniorenzentrum von Diakoneo (hinter dem Krankenhaus gelegen) sowie 27 infizierten Mitarbeitern, gab es an diesem Ort in letzter Zeit ein stark wachsendes Ausbruchsgeschehen. Und nun kommen auch noch im "Diakoneo Wohnen” (in der Stadt früher als "Heim Gottesweg” für Behinderte bekannt) neun Bewohner und zwölf Mitarbeiter dazu, die positiv auf Covid 19 getestet wurden. Eine Reihentestung brachte Aufschlüsse und es wird noch weiter ausgewertet.

Hochbetagt mit Vorerkrankungen

Wie hoch die Anteile an Frauen und Männern sind und um welche Altersgruppen es sich handelt, war bislang von der Pressestelle der Körperschaft des öffentlichen Rechts unter Hinweis auf den Datenschutz nicht zu erfahren, obwohl dies keine Persönlichkeitsrechte verletzen würde. Pressebeauftragte Christin Kohler sagt aber, dass die Verstorbenen "alle hochbetagt und vorerkrankt waren”. Grundsätzlich schwanke die Belegungszahl und alle Bewohner gelten als pflegebedürftig. Sie seien mit Grunderkrankungen auch in hohe Pflegegrade eingestuft sowie in betagtem Alter.

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Die Pflege sieht man trotz Personalausfalls sichergestellt: "Unsere Mitarbeitenden vor Ort sind sehr engagiert, verzichten auf Urlaube und freie Tage”. Zusätzlich kann man im rund 10.000 Mitarbeiter zählenden Unternehmen Diakoneo (ein Zusammenschluß der Diakonie Neuendettelsau mit der Diakonie Schwäbisch Hall seit 2019) auf die Unterstützung aus eigenen Einrichtungen zurückgreifen.

Was die Besuchsregelungen anbelangt, so dürften "selbstverständlich Sterbende von ihren Angehörigen begleitet werden". Christin Kohler: "Wir statten sie mit Schutzkleidung aus und Bewohner wie Angehörige werden zusätzlich durch unsere Seelsorger betreut!” Wie der Virus ins Heim kam sei nicht nachzuvollziehen. "Der erste positive Fall wurde bei einem Bewohner im Krankenhaus nachgewiesen”, ergänzt die Pressereferentin.

Die direkte Diakoneo-Nachbarschaft zum Krankenhaus ist für die Pflegeheim-Bewohner im Notfall sehr vorteilhaft. Allerdings muß dies nicht automatisch eine Verlegung in die nahe Anregiomed-Klinik bedeuten. Wenn ein Bewohner ins Krankenhaus muss, läuft das übliche Procedere ab, und der Rettungsdienst prüft, wo ein Platz frei ist. Christin Kohler: "Wünsche können geäußert werden, aber auch dann entscheidet der Notarzt mit dem Rettungsteam je nach Erkrankung und Belegstatus der Kliniken”.

Zusammenarbeit der Einrichtungen

In allen drei Anregiomed-Krankenhäusern Ansbach, Rothenburg und Dinkelsbühl werden Covid-Patienten versorgt. Außerdem auch in den Diakoneo-Kliniken in Neuendettelsau und Strüth. Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit. Sie wird durch die "Führungsgruppe Katastrophenschutz” geregelt. Wie Anregiomed-Pressesprecher Rainer Seeger aus Ansbach erläutert, erfolgt sie in enger Absprache mit allen Teilnehmern der Akutversorgung: den Krankenhäusern, den niedergelassenen Ärzten, den Rettungsdiensten, der Integrierten Leitstelle und den Gesundheitsbehörden.

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Was die Einzelversorgung an den Kliniken angeht, so gibt man hierzu keine einzelnen Daten heraus, sondern verweist auf die tägliche Meldung der Bettenkapazitäten an das zentrale DIVI-Intensiv-Register, an das 1300 Akut-Krankenhäuser in Deutschland angeschlossen sind. Rothenburg ist im Krankenhausbedarfsplan Bayern mit 165, Dinkelsbühl mit 145 und Ansbach mit 360 Planbetten ausgewiesen. Die Anzahl der aktuell im Anregiomed-verbund betreibbaren Intensivbetten variiert immer wieder, macht Rainer Seeger deutlich.

Der Verbund habe am 19. November 30 Plätze gemeldet, davon 26 mit invasiver Beatmungsmöglichkeit. Täglich kann man über das Meldesystem sehen, welche Kliniken wofür aufnahmefähig sind. So war die Woche beispielsweise Rothenburg an einzelnen Tagen voll umfänglich verfügbar, während Ansbach abgemeldet blieb. Freitagfrüh widerum stand die Klinik Rothenburg als "begrenzt verfügbar” im Info-System, während Dinkelsbühl voll verfügbar war (gemeint sind Monitoring, invasive Beatmung, Organersatztherapie und vollständige Intensivmedizin).

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Bei allen Einrichtungen sind es zwangsläufig meist Bewohner sowie Beschäftigte, die von Covid-19 betroffen werden. Auch Chefärzte und sogar der Vorstandsvorsitzende von Anregiomed, Dr. Gerhard Sontheimer, mußten anfang November wegen entsprechender Kontakte zeitweise in Quarantäne geschickt werden.

Erfreuliches vom BRK-Heim

Erfreuliche Nachrichten aus Rothenburger Heimen gibt es aber auch noch. So haben Reihentestungen Mitte der Woche unter Bewohnern und Mitarbeitern im BRK-Seniorenwohnen Bürgerheim ergeben, dass bisher niemand angesteckt ist. Jürgen Gachstetter von der Einrichtungsleitung des Heimes im Spitalhof: "Abgesehen vom erhöhten Aufwand durch Corona-Maßnahmen läuft unser Berieb noch nach normalem Dienstplan”. Man sei sich aber klar, dass dies "nur eine Momentaufnahme” sein kann.

Die Experten sind sich einig, dass der beste Schutz ist, die Sicherheitsvorschriften strikt einzuhalten. Vor allem Maske tragen, auf Abstand bleiben und viel lüften. Dass bei der Todesursache manch betagter Patienten mit Vorerkrankungen nicht unbedingt klar ist, welchen Anteil Covid-19 wirklich hatte, weiß man, aber das ist kein Trost. Die Recherche zeigte: Kliniken und Heime sind gut vorbereitet auf Corona-Patienten – und noch reichen die Intensivbetten.


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Dieter Balb

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