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Taubertal-Festival: Ticket-Ärger und 13 Verletzte nach Unwetter

Veranstalter widersprechen Kritik, zu spät vor Gewitter gewarnt zu haben - 10.08.2019 18:29 Uhr

Bis tief in die Nacht hinein sicherte die Feuerwehr auf dem Festivalgelände Bäume und Zäune. © Stefan Kleeberger/Rosenheim Rocks


Die Spuren des Unwetters sind auch am Tag danach noch klar zu sehen. Mehrere Zelte liegen komplett zerstört auf den Wiesen des Taubertal-Geländes, von einem Pavillon steht nur noch ein Gerippe, überall liegen Flaschen, Kleidungsstücke, Müll. Hier, rund um die Rothenburger Eiswiese, fegten Böen von bis zu 130 Stundenkilometern über die Plätze. Heftiger Starkregen verwandelte den Weg ins Tal in fließende Bäche, Schlamm stand den Besuchern bis zu den Knöcheln. 

Viele von ihnen dürften sich den Freitagabend auf dem Taubertal-Festival anders vorgestellt haben. Wegen eines heftigen Gewitters entschieden sich die Verantwortlichen, das Gelände gegen 21.20 Uhr räumen zu lassen. 15.000 Besucher wurden aufgefordert, in ihren Fahrzeugen das Unwetter abzuwarten. Gut 400 Menschen kamen in einer nahegelegenen Mehrzweckhalle unter, einige suchten Schutz in Gaststätten und Kneipen. Die Solidarität, das betonen mehrere Sturmgebeutelte gegenüber nordbayern.de, sei gewaltig gewesen. Auf Facebook etwa bot eine junge Rothenburgerin ihre Wohnung als Unterschlupf für Gestrandete an. Auch Imbissstände gewährten für die Stunden des Unwetters Asyl.

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"Unser Zelt war komplett unter Wasser, wegen des heftigen Regens hatte ich schon etwas Angst", sagt Manu, der aus Ansbach für Bullet For My Valentine und The Offspring angereist ist. "Megatraurig" sei es, dass die Headliner nicht spielen konnten. "Wir mussten dann die Nacht im Auto verbringen."

Feuerwehr und THW im Einsatz

13 Menschen verletzten sich am Freitagabend nach ersten Erkenntnissen der Polizei. Größtenteils zogen sie sich aber eher leichtere Blessuren zu. "Wir haben erstaunlich wenige Schäden", sagt Florian Zoll von Karo Konzerte, dem Taubertal-Veranstalter. "Die Kulisse machte zunächst einen weitaus schlimmeren Eindruck." Viele Einsatzkräfte seien noch in der Nacht auf dem Gelände gewesen - nicht aber etwa wegen der Zerstörungen, sondern "damit wir wieder spielbereit werden", wie Zoll sagt. Das THW pumpte den Platz vor den Bühnen leer, die Feuerwehr sicherte umgestürzte Bäume. "Zum Vergleich: Wir hatten im vergangenen Jahr bereits am Donnerstag vor der Show einen Sturm, da waren die Schäden weitaus größer", betont der Veranstalter. "Das war nur nicht so präsent, weil wir keine Platzräumung hatten." 

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In den sozialen Netzwerken kocht derweil vereinzelt Kritik hoch. Es seien zu wenige Sicherheitskräfte auf dem Gelände gewesen, die Mitarbeiter widersprachen sich oder seien rüde zu den Besuchern gewesen. "Keiner hat einem sagen können, wie die Evakuierung abläuft", beschreibt ein Festivalgänger auf der Facebook-Seite des Taubertal die Situation am Abend. "Die Fluchtweg-Sitaution war eine Katastrophe", sagt ein anderer. "Da sollte dringend nachgebessert werden. Selbst friedlich und geordnet dauerte das viel zu lange und es gab zeitweise richtig Stau."

Zu spät gewarnt? "Es gab keinen früheren Moment"

Zoll vom Taubertal widerspricht. "Unser Notfallkonzept hat eigentlich genau so gegriffen, wie wir uns das so ausgedacht haben", sagt er. Auch der Campingplatz im Tal habe geräumt werden müssen, das sei "geordnet und friedlich" verlaufen. "Was für den einen eine klare Ansage ist, mag ein anderer so wahrnehmen, dass jemand schreit", sagt Zoll zu den vermeintlich rabiaten Sicherheitskräften. "Aus vielen Jahren der Erfahrung kann ich sagen, dass die individuelle Wahrnehmung auf beiden Seiten eine Rolle spielt." 

Gut eine Stunde, bevor die Räumung begann, warnte der Deutsche Wetterdienst bereits vor den Gewittern. "Wir sind in direktem Kontakt mit dem DWD", sagt Zoll. Die Experten kündigten das Unwetter vor Rothenburg erst gut eine Stunde später an. "Es hat sich dann aber kurzfristig ein lokales Gewitter ergeben." Innerhalb von 20 Minuten habe man deshalb den Bereich vor den Bühnen sowie den Zeltplatz räumen lassen. "Wir hätten nicht schneller reagieren können", betont er - und weist damit Kritik, zu spät gehandelt zu haben, zurück. "Es gab keinen früheren Moment für uns, das zu entscheiden." 

Besonders ernüchternd verlief der Abend für Hunderte Besucher, die eines der Tagestickets für Freitag kauften. Für sie fielen mit Bullet For My Valentine und The Offspring gleich zwei Headliner flach. Die Bands seien bereits auf dem Weg zu anderen Festivals, sagen die Taubertal-Verantwortlichen, ein Nachhol-Konzert am Samstag und Sonntag damit unmöglich. Auf Facebook fordern Besucher deshalb Entschädigung. Die jedoch wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Taubertal ausdrücklich ausgeschlossen. "Das ist höhere Gewalt", sagt Zoll. Zu möglichen Kulanz-Aktionen wollte er sich am Samstag nicht äußern. "Jetzt sind wir erst einmal damit beschäftigt, das Festival zu Ende zu bringen." Immerhin: Die Wetter-Prognose macht Hoffnung. Regnen dürfte es rund um Rothenburg an diesem Wochenende nicht mehr.

Wie geht es weiter beim Taubertal? Unser Team berichtet live vom Festivalgelände: 

 

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