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Tote Rinder von Rothenburg werden zu Tierfutter verarbeitet

39 zunächst noch lebende Tiere waren "zwergwüchsig und menschenscheu" - 26.05.2021 16:44 Uhr

178 Rinder verendeten direkt in diesem Stall in der Gemeinde Neusitz bei Rothenburg, die restlichen 39 zunächst noch lebenden Tiere mussten nun auch getötet werden.

25.05.2021 © Daniel Karmann/dpa


Wie lange das Leiden der Rinder, allesamt weibliche Kreuzungstiere aus verschiedenen Milch- und Fleischrassen, in dem Mastviehstall in der Gemeinde Neusitz schon andauerte, lässt sich erahnen, wenn man die Einschätzung des Landratsamtes Ansbach vernimmt. So hatte man die 39 zunächst noch lebenden Tiere wegen ihrer geringen Größe anfangs für Jungtiere gehalten, die erst ein halbes bis ein Jahr alt waren. "Sie waren allerdings überwiegend drei und vier Jahre alt", teilt das Landratsamt mit. Die Tiere waren also völlig unterentwickelt.

Gegenüber Menschen "lebensgefährlich"

Zudem waren sie eigentlich schon viel zu alt. Üblicherweise werden Mastrinder in einem Alter von zwei bis höchstens zweieinhalb Jahren geschlachtet, sonst gibt es wegen sinkender Qualität auch Abzüge von den Schlachthöfen. Eine erneute Mast war so also nicht mehr möglich.

Zudem agierten die Rinder laut Landratsamt "menschenscheu und beim Umgang mit Menschen lebensgefährlich". So sah das Veterinäramt am Ende keine andere Möglichkeit mehr, als auch diese Tiere töten zu lassen. Dies wurde mit Hilfe eines Viehhandelsunternehmens bewerkstelligt, die Tiere wurden zu Tierfutter verarbeitet.


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Die 178 schon tot aufgefundenen Rinder konnten nicht mehr verwertet werden. Sie kamen in die Tierkörperbeseitigung. Die dort entstehenden Restprodukte können höchstens noch als Zusatzbrennstoff in Kraftwerken, als Dünger, als Schmierfett oder in der chemischen Industrie verwendet werden.

Tierhaltungs- und Tierbetreuungsverbot

In Neusitz laufen nun zusätzlich Untersuchungen, ob die toten Rinder auch unter Krankheiten litten. Für den Tierhalter und eventuell eingesetzte Betreuer strebt das Landratsamt nun ein Tierhaltungs- und ein Tierbetreuungsverbot an. "Dieses kann durch die Kreisverwaltungsbehörde, aber auch schon auf strafprozessualem Wege ausgesprochen werden", teilt das Landratsamt mit. Die Polizei ermittelt gegen den Landwirt wegen des Verdachts der Tierquälerei.

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Nach Informationen unserer Zeitung stecken hinter dem Vorfall gesundheitliche Probleme des Betriebsleiters. Dieser befindet sich mittlerweile in ärztlicher Behandlung. "Das ist eine menschliche und betriebliche Tragödie, und natürlich auch immenses Tierleid", sagt Ottmar Braun, mittelfränkischer Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverband.

Der Betrieb sei bislang nicht negativ aufgefallen. „Wir sind völlig überrascht und schockiert“, meint Braun. Der Bauernverband kümmert sich nun vor allem um die schwer getroffene Familie. Die gesundheitlichen Probleme resultieren offenbar auch aus den enormen Belastungen der Corona-Pandemie.

2000 tote Schweine in Unterfranken

Der Fall erinnert an eine ähnliche Tragödie, die sich 2018 im Landkreis Würzburg ereignete. Damals verhungerten und verdursteten 2000 Schweine qualvoll. Damals hatte der Betriebsleiter mit starken psychischen Problemen zu kämpfen und deshalb die Tiere nicht mehr angemessen versorgt. Weil die Arbeit auf dem Hof stark arbeitsteilig organisiert war, hatte der Rest der Familie lange nichts vom sich verschlechternden Zustand der Schweine mitbekommen.

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