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S-Bahn-Verschwenk: Der Streit wird schärfer

Fürth will beim S-Bahn–Verschwenk nicht einlenken - 27.12.2010 16:00 Uhr

Der Streit um den von der Bahn geplanten S-Bahn-Verschwenk durchs Knoblauchsland gewinnt an Schärfe. © dpa


Ein vom Freistaat in Auftrag gegebenes Gutachten hatte kürzlich ergeben: Der von der Stadt Fürth gewünschte Verlauf des neuen S-Bahn-Gleises entlang der bestehenden Strecke nach Erlangen verfehlt knapp den notwendigen Nutzen-Kosten-Indikator von 1,0 und ist damit nicht rentabel. Deshalb müsse zwingend der von Staat und DB favorisierte Verschwenk durchs Knoblauchsland gebaut werden. Doch mit dem Verlust von wertvollem Acker- und Grünland will man sich in Fürth nicht abfinden, zumal in dieser Gegend kaum Menschen wohnen oder arbeiten. Erst vergangene Woche hat der Bonbon-Hersteller Soldan bekannt gegeben, sich nicht wie vorgesehen im nahen Gewerbegebiet Schmalau anzusiedeln.

Die Stadt und hartnäckige Verschwenk-Kritiker zweifeln energisch an den Zahlen der Studie, die bislang nur in einer Kurzfassung vorliegt. Einige Posten halten sie für nicht nachvollziehbar – etwa die Millionenkosten für Lärmschutz in einem Bereich, in dem nur wenige Menschen nahe an der Zugstrecke leben. Oder eine Kostenstelle in Höhe von fünf Prozent für „Unvorhergesehenes“.

„Seit Wochen“ schon versuche das Rathaus ohne Erfolg, Unterlagen und das komplette Gutachten vom Wirtschaftsministerium zu bekommen, klagte OB Thomas Jung (SPD). Der Stadtrat hat nun beschlossen, die Expertise überprüfen zu lassen.

Trotz der andauenden Fürther Kritik am geplanten Verschwenk hält der Freistaat eisern an seiner Planung fest. Die Staatssekretärin im bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Katja Hessel (FDP), macht Druck: „Ich sehe keine Finanzierungsmöglichkeiten für die von Ihnen bevorzuge Trassenvariante“ schrieb sie an Jung, die Angelegenheit sei nun „entscheidungsreif“. Ein Erörterungstermin sei bereits für März vorgesehen.

Bundestagsabgeordneter Martin Burkert (SPD) aus Nürnberg warnte indes seine Fürther Parteifreunde davor, den Brief nicht ernst zu nehmen. Zeigten sich die Kleeblattstädter weiter widerspenstig, liefen sie Gefahr, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer den S-Bahn-Ausbau auf dieser Trasse kippe. Ramsauer habe bereits bundesweit zehn Projekte aus der Planung geschmissen, sagte Burkert unserer Zeitung. Mit drei bis fünf Jahren Verzögerung müsse man dann rechnen.

hän/egr

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