Sanierungen müssen warten: Ärger um Technik-Uni-Pläne

17.9.2019, 05:37 Uhr
Die rot eingefärbte Fläche zeigt das 37 Hektar große Gelände auf dem die Technische Universität Nürnberg gebaut werden soll.

Die rot eingefärbte Fläche zeigt das 37 Hektar große Gelände auf dem die Technische Universität Nürnberg gebaut werden soll. © Eduard Weigert

Im Oktober beginnt ihr neues Semester. Doch die Nürnberger Lehramtsstudenten müssen weiterhin in ihre alten Gebäuden an der Regensburger Straße gehen. Bei einem Rundgang haben sich die bayerischen FDP-Abgeordneten Wolfgang Heubisch und Matthias Fischbach zusammen mit dem Kanzler der Universität Erlangen-Nürnberg vor Ort umgesehen.

"Die größte Enttäuschung war für mich, dass die zukünftigen Lehrer in diesen Räumen nicht so ausgebildet werden können, wie es in Zeiten der Digitalisierung nötig wäre", sagt Heubisch, der von 2008 bis 2013 bayerischer Wissenschaftsminister war und aktuell Vizepräsident des Landtags ist.

Seit Jahren werden die Unibauten nahe des Dutzendteichs immer wieder notdürftig saniert. Ab 2024 können sie aber endgültig nicht mehr genutzt werden. "Das ist eine ungeheure Verschwendung von Steuergeldern, wenn man die Gebäude mit Notsanierungen immer wieder über ein paar Jahre rettet, statt von Anfang an langfristig zu denken", sagt Fischbach, Mitglied des Bildungsausschusses im Landtag und bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.

Sanierungsstau wächst

Die Verhandlungen um einen neuen Standort im Nürnberger Norden laufen – doch es dauert. "Es werden mindestens sieben Jahre vom Planbeginn bis zur Fertigstellung vergehen und dann kommt noch der Umzug dazu", erklärt Fischbach. Wenn alles gut läuft – meistens verzögern sich Baustellen ja auch noch.

Während der Sanierungsstau an der Universität Erlangen-Nürnberg wächst, laufen die Pläne für die neue Technische Universität Nürnberg weiter. Im Oktober will der Wissenschaftsrat dazu Stellung beziehen. "Viele Punkte klingen sehr gut im Konzept", sagt Fischbach. "Aber wir haben bislang nur das Ziel skizziert bekommen, den Weg dorthin noch nicht." Bis 2028 soll die TU an der Brunecker Straße im Nürnberger Süden verwirklicht sein. Eine der geplanten Besonderheiten ist ein Betreuungsverhältnis von nur 25 Studenten pro Professor, im Schnitt sind es in Deutschland derzeit 65.

 

 

 

"Der Wissenschaftsrat wird das Konzept gutheißen, vielleicht mit ein paar Auflagen", sagt Heubisch. "Aber dieses Betreuungsverhältnis wird nicht durchsetzbar sein, das sorgt für Ärger bei allen anderen Universitäten in Bayern." Erst recht, wenn sie alle auf dringende Renovierungen warten. "Die jetzt angekündigten 300 Millionen für zwei Neubauten der Chemie in Erlangen dürfen nur der Anfang sein", sagt Heubisch.

Ohne umständliche Bürokratie

Fischbach plädiert dafür, den Universitäten und Hochschulen mehr Freiräume zu geben. Auch mit dem Präsidenten der Technischen Hochschule Nürnberg, Michael Braun, haben sich die Abgeordneten bei ihrem Besuch getroffen. "Es wäre sinnvoll, wenn die Hochschulen ihre Budget selbstständiger verwalten dürften, um schneller reagieren zu können ohne umständliche Bürokratie", sagt der Abgeordnete. "Es darf nicht alles zentral aus München gesteuert werden, meistens sitzen die Leute, die am besten wissen, was zu tun ist, direkt vor Ort."

Für Oktober hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Hochschulreform für ganz Bayern angekündigt. "Wir sollten die Fakultäten auf den Prüfstand stellen und überlegen, ob diese Konstruktion heute noch zeitgemäß ist", meint Heubisch. "Es wäre besser, größere Bereiche zusammenzufassen, damit interdisziplinäre Teams besser zusammenarbeiten können." Ein Dekan würde dann nicht nur seinen Bereich im Blick haben: "Aber da sind die Widerstände an den Unis noch zu groß."

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