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Schulsport während Corona: Training nur noch mit Maske

Turnhallen dürfen weiter öffnen, allerdings mit strengen Vorgaben - 19.11.2020 05:57 Uhr

Mannschaftssportarten wie Hockey oder Fußball sind für Schüler erst einmal tabu.

18.11.2020 © Mascha Brichta/dpa


Ob die Probleme größer sind oder die Erleichterung darüber, dass überhaupt Sportunterricht stattfindet, ist schwer zu sagen. "Es sind riesen Einschränkungen", sagt Markus Grüßner, Fachschaftsleiter am Pirckheimer Gymnasium in Nürnberg. Die Schülerinnen und Schüler freuten sich aber, Sport machen zu können. Mit dem Wegfall des Vereinssports gebe es in der Südstadt sonst kaum Möglichkeiten, sich körperlich zu betätigen.

Schulsport mit Maske

Seit Anfang November sind Fitness- und Tanzstudios dicht, am 13. November kam dann eine weitere Einschränkung hinzu: Indoor-Sport, vorher noch für maximal zwei Haushalte und bei ausreichendem Mindestabstand erlaubt, wurde nach einem Gerichtsurteil in einer Hauruck-Aktion generell verboten. Ein Fitnessstudio-Betreiber hatte geklagt, weil Yoga- und EMS-Studios unter strengen Auflagen weiterhin öffnen durften. Die Richter sprachen den Muckibuden das gleiche Recht zu - kurz darauf machte die Landesregierung einfach alles dicht.

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Nicht so die Schulen. Hier darf weiterhin geturnt werden, allerdings nur mit Maske. "Wir betrachten Sport und Bewegung als wesentliche Bestandteile ganzheitlicher Bildung - gerade in der Corona-Krise", erklärt das bayerische Kultusministerium die Ausnahme. Da die Schüler im Unterricht sowieso zusammenkämen, gebe es keinen Grund, sie nicht auch in die Turnhalle zu lassen.


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An den Schulen ist man froh darüber - auch wenn die Gestaltung des Unterrichts eine Herausforderung ist. Im Inneren darf nur mit Maske gerannt und geklettert werden, Körperkontakt ist verboten. Mannschaftssportarten wie Handball oder Volleyball sind damit tabu, nur Technik-Übungen sind drin. Weil die Maske für viele Schüler unangenehm ist, sollte die Belastung auch nicht zu hoch sein. Erste wissenschaftliche Befunde sehen die körperlichen Einschränkungen bezüglich Sauerstoffaufnahme und Herzfrequenzerhöhung zwar nur als marginal an, teilt die Landesstelle für Schulsport (Laspo) mit. Die subjektiv gefühlte Anstrengung sei allerdings höher.

Nur eine Pause am Tag

Die Vorgaben für den Unterricht regelt der Rahmenhygieneplan, eine Verwaltungsvorschrift, die an die Schulen zur konkreten Ausgestaltung der Vorgaben aus der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung ergeht.


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"Bis in den Oktober rein haben wir draußen Sport gemacht", sagt Hermann Lind, Direktor des Melanchthon Gymnasiums, entweder auf den Außenanlagen oder im Park. Bei entsprechendem Abstand dürfen dann auch die Masken weg. Jetzt macht das Wetter immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Dazu kommt, dass die Schüler sich nur noch alle zwei Wochen auspowern können. Weil der Rahmenhygieneplan eine "Durchmischung" von Gruppen nur in Ausnahmefällen zulässt, dürfen die Klassen, die vorher zusammen Unterricht hatten, nur noch im Zwei-Wochen-Turnus ran. In den Pausen gibt es auch wenig Möglichkeiten, Dampf abzulassen. Jede Klasse darf nur einmal pro Tag nach draußen.


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Erlaubt ist dafür der koedukative Unterricht - Jungen und Mädchen dürfen also auch an weiterführenden Schulen gemeinsam Sport machen. Wie sie den Unterricht gestalten, bleibt den Schulen selbst überlassen, viele nutzen ihre Außenanlagen, wer Parks oder Wälder in der Nähe hat, geht dahin, um für den nötigen Auslauf zu sorgen.

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"Sportunterricht ist wichtig", betonen sowohl Monika Ettl vom Nürnberger Schulamt als auch Sandra Schäfer, Vorsitzende des Nürnberger Lehrer- und Lehrerinnenvereins (NLLV). Er könne aber allein schon dadurch nicht regulär stattfinden, weil teilweise die Lehrkräfte knapp sind. Die generelle Personalnot wird durch zeitweise nötige Quarantäne bei Kontakt mit Infizierten noch verstärkt. Stunden müssen daher immer wieder ausfallen.

Ein Problem sind die Einschränkungen vor allem für Schüler, die ihr Abitur im Fach Sport machen wollen. Die Noten brauche man, trainieren könne man aber nur eingeschränkt, sagt Sportlehrer Grüßner. Schwimmen geht momentan gar nicht. Am Neuen Gymnasium weicht man stattdessen nach draußen aus, sagt Schulleiter Harald Fischer.

Spaziergang statt 12-Minuten-Lauf

Manche Schulen nutzen die Sportstunden auch einfach für einen Spaziergang. Eine Mutter, deren Sohn in die 7. Klasse des Fürther Helene-Lange-Gymnasiums geht, hatte zusammen mit anderen Eltern angesichts der hohen Infektionszahlen in der Region ihre Bedenken gegenüber Sportunterricht in der Turnhalle geäußert. Am Ende spazierte der Sportlehrer einfach mit der Klasse durch den Stadtpark.

Insgesamt steht das Fach aber nicht nur wegen Personalmangels auf der Kippe. "Sollte Unterricht nur noch mit Einhaltung des Mindestabstands - und das heißt meistens: in geteilten Klassen - durchgeführt werden, müssen wir die Sporthallen wahrscheinlich als Prüfungsräume nutzen", erklärt Benedikt Mehl, Schulleiter am Pirckheimer Gymnasium. Dann war es das erst einmal mit Hochsprung und Rolle Rückwärts.


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