Schulweg in Corona-Zeiten: Feucht lehnt Verstärkerbus ab

7.11.2020, 14:06 Uhr
Einen zweiten Bus für Feuchts Grundschüler hätten sich die Grünen gewünscht.

Einen zweiten Bus für Feuchts Grundschüler hätten sich die Grünen gewünscht.

Kein Tag vergeht, ohne dass die steigenden Corona-Zahlen die Schlagzeilen bestimmen. Die Ausbreitung des Virus' hat Folgen, unter anderem auch für Kindergärten, Horte und Schulen. Ab Montag müssen unter anderem nun auch Grundschüler im Unterricht Masken tragen. Um das Risiko einer Infektion bereits auf dem Schulweg zu minimieren, haben die Feuchter Grünen in der jüngsten Gemeinderatssitzung beantragt, zur morgendlichen Stoßzeit einen zweiten Schulbus zwischen Moosbach und der Feuchter Grundschule einzusetzen. Die 50 Plätze des einzigen Busses, der die Kinder momentan zur Schule fährt, sind mit 47 Schülern fast vollständig belegt.Das bedeutet, dass die meisten der kleinen Passagiere nebeneinander sitzen. 1,5 Meter Abstand kann während der Fahrzeit von etwa 20 Minuten also so gut wie niemand halten. Zu riskant, finden die Grünen und fordern Entlastung. "Die zum Einsatz kommenden Fahrzeuge sollten zu maximal 50 Prozent mit Fahrgästen besetzt werden, um die Belastung der Atemluft durch eventuell virenbelastete Aerosole so niedrig wie möglich zu halten", schreibt Antragsteller Andreas Sperling (Grüne).


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300 Euro pro Tag

Schon vor Beginn des neuen Schuljahres hatte die Bayerische Staatsregierung den Kommunen Fördergelder für Verstärkerbusse zugesagt. Maximal 300 Euro pro Tag darf der Einsatz kosten. Der Feuchter Busunternehmer Omnibus Müller, der die Fahrten von Moosbach zur Grundschule übernimmt, ist jedoch vollständig ausgelastet und kann keinen zweiten Bus stellen. Die Verwaltung sei deswegen mit Fahrdiensten aus Nürnberg in Kontakt getreten, erklärt Sachbearbeiterin Jessica Graf. "Wir hatten auch jemanden gefunden, der die Extrafahrt von Nürnberg aus zum Tagespreis von genau jenen 300 Euro übernommen hätte", sagt sie.

Feucht müsste nur die Mehrwertsteuer übernehmen

Für die Marktgemeinde bliebe nur die Mehrwertsteuer zu zahlen. Obwohl der finanzielle Aufwand für Feucht also denkbar gering ausgefallen wäre, fand sich im Gemeinderat keine Mehrheit für den Vorschlag der Grünen. Der Antrag wurde mit dem knappen Ergebnis von 10:10 Stimmen abgelehnt. "Das Risiko einer Ansteckung ist bei der kurzen Fahrt sehr gering und steht in keinem Verhältnis zum betriebenen Aufwand", erklärt Bürgermeister Jörg Kotzur (parteilos), der zusammen mit CSU und Freien Wählern gegen die Umsetzung gestimmt hat.Er sei hin und her gerissen gewesen, habe sich aber nach ausführlicher Rücksprache mit verschiedenen Ärzten schließlich dagegen entschieden, sagt er.

Ökologische Gründe hätten die Vorschlagsgegner ebenfalls mit in die Waagschale geworfen, führt Kotzur weiter aus. Immerhin habe der Bus aus Nürnberg gut 20 Kilometer reine Anfahrt, nur um einmal früh morgens von Moosbach nach Feucht zu fahren. "Es sind außerdem immer noch Steuergelder, die letzten Endes wieder auf die Kommunen umgelegt werden. Einfach so geschenkt bekommen wir das Ganze also nicht. Ich denke auch, das Geld kann anderswo sinnvoller eingesetzt werden", findet der Bürgermeister.

"Nicht zu Ende gedacht"

Ähnlich sieht das auch die CSU. "An sich hört sich der Vorschlag erst mal gut an und ist nicht verkehrt", räumt der stellvertretende Fraktionssprecher Harald Danzl ein. "Aber es ist nicht zu Ende gedacht. Um konsequent etwas zu erwirken, bräuchte man eigentlich einen Bus pro Klassenstufe. Das ufert aus", erklärt er die Position seiner Partei. Den Grundschülern beizubringen, dass sie nicht neben ihren Schulfreunden sitzen dürfen, stellt sich Danzl ebenfalls schwierig vor. Am Ende hätte man einen halbvollen Bus, bei dem trotzdem alle Kinder zusammen auf einem Fleck säßen. Lieber sähe die CSU das Geld anderswo eingesetzt, wo es auch Wirkung zeigen könnte. "Wir sind für Maßnahmen mit Sinn und Verstand, aber die Gießkanne auszupacken ist sicher weniger sinnvoll. Denn das Geld muss trotzdem irgendjemand erwirtschaften", erklärt er. Grünen-Fraktionssprecherin Rita Bogner kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.

"Wenn auch nur ein Kind in diesem Bus positiv getestet würde, wären davon gleich sämtliche Grundschulklassen betroffen und müssten in Quarantäne", sagt sie. Mit einem zweiten Bus könne man dieses Risiko wenigstens halbieren. Natürlich habe ihre Partei die Umweltaspekte bedacht, aber: "In diesem Fall ist uns das Wohl der Kinder wichtiger. Das hat ganz klar Vorrang", erklärt Bogner. Obwohl das Thema nun nach Geschäftsordnung der Marktgemeinde erledigt ist, möchte Bogner noch nicht klein beigeben. "Ganz locker lassen wir da nicht. Ich gebe das noch nicht verloren", sagt die Fraktionssprecherin. Weiterhin Fördergelder für den extra Bus zu bekommen, dürfte jedoch schwierig werden. Denn die Frist, für den Rest des Jahres Bedarf anzumelden, ist am 31. Oktober verstrichen.