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Alterssitz des Pfarrers oder bedeutendes Herrenhaus?

Schwanstetten: Das Gebäude Nürnberger Straße 15 steht jetzt virtuell im Museum - 21.11.2015 10:30 Uhr

Das Haus in der Nürnberger Straße 15 in Schwand unterscheidet sich von den Nachbarhäusern deutlich alleine durch seine Dachform.

20.11.2015 © Foto: Museum Schwanstetten/Alfred Köhl/oh


Das zweigeschossige Haus steht innerhalb einer nahezu geschlossenen Häuserfront von weiteren Baudenkmälern in der Nürnberger Straße. Früher dominierte es die Straße, da sich die zweigeschossige Bauweise markant von den ehemals erdgeschossigen Bauten der Umgebung unterschied. Das Erscheinungsbild des Hauses, die große repräsentative Anlage und der Mansard-Dachstuhl mit herauskragendem Aufzugserker, legen eine Datierung gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahe.

In der ehemaligen Herrengasse

Das Haus steht in der ehemaligen „Herrengasse“, dem politischen Zentrum Schwands, in der Nähe von Richterhaus, Schule, Kirche und Pfarrsitz. Nach Erzählungen in der Bevölkerung ließ sich ein Pfarrer das Gebäude als Alterswohnsitz bauen. Dagegen spricht allerdings die enorme Größe des Baus. Allerdings bewohnte 1886 Katharina Schäfer, eine Pfarrerswitwe, das Gebäude. Alfred Köhl, der die Museumsseiten gestaltet, meint, dass das Gebäude, dessen Speicherfunktion durch den Aufzugserker derart betont wird, wohl die Abgaben der Bevölkerung an den Landesherren aufnahm.

Ab den sechziger Jahren wurde das Haus beständig modernisiert und dabei Wände, Bodenbeläge und Decken ersetzt. Die Haupterschließung ist von der Nürnberger Straße her, von Osten. Die Mietwohnungen werden über die rückwärtige Tür, vom Hof her, erschlossen.

Das herrschaftliche Gebäude fällt schon durch seine ungewöhnliche Größe auf, die sich bis zur Aufstockung der Nebengebäude noch akzentuierter darstellte.

Der Baukörper orientiert sich im Erdgeschoss mit seiner Gliederung an der ortstypischen Architektur, doch weichen Obergeschoss und Dachform davon ab. Rechts von der Haustür erkennt man eine zweifenstrige Stube, rechts eine größere, zweifenstrige Kammer. Darüber sind die Fensteröffnungen des Obergeschosses angeordnet.

Das Haus wird über einen etwas rechts gelagerten Gang erschlossen, der hinten in einen Ausgang mündet. Die Räume auf der linken Seite folgen dem üblichen Schema, fallen aber durch ihre Größe auf. Vorne ist die Stube, die mit einer ehemaligen Bohlenbalken-Decke dekoriert war. Sie war früher mit der Küche verbunden, die mit einem offenen Kamin ausgestattet war. Die Stube wurde von der Küche über einen Kachelofen beheizt. Nach hinten schloss sich der Stall an. Auf der rechten Seite ist zunächst die Kammer, auf die eine Speis folgt, die gegenüber der Küche liegt. Die folgenden Räume sind nicht bestimmbar.

Die Nutzung des Obergeschosses mit seinen neun Räumen ist schwer zu bestimmen. Auf der Fassadenseite befindet sich ein Raum, der ehemals mit einem Stuckkranz dekoriert war.

Das Dachgeschoss diente wohl der Lagerung von Getreide und Heu und vielleicht noch von Abgaben an den Landesherrn.

Sandsteinquader und Fachwerk

Das Haus war ehemals im Erdgeschoss aus Sandsteinquadern gemauert, hinten und oben bestanden die Wände aus Fachwerk.

Böden, Türen und Fenster wurden erneuert beziehungsweise ersetzt.An den Fenstern befanden sich früher wohl einmal Schlagläden. Das Haus wird als Wohnhaus genutzt; wobei mehrere Mietwohnungen darin untergebracht sind.

www.museum-schwanstetten.de

GUNTHER HESS

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