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Anderthalb Stunden Anfahrt zum Heimspiel

In der neuen Saison keine Snooker-Partien mehr in Roth - 12.09.2019 15:42 Uhr

Tobias Kensy wird zwar aus privaten Gründen nicht bei allen Spielen der Pool Factory mit dabei sein, mit seinen Mannschaftskameraden des Rother Snooker-Teams peilt er in dieser Saison dennoch den Wiederaufstieg in die Bundesliga an. Statt im Nürnberger Ballroom werden die Heimspiele allerdings künftig bei Augsburg ausgetragen. © Foto: Alina Geuppert


Heimspielatmosphäre ist etwas ganz Besonderes. Die Anfeuerungen und der Applaus der Fans können einem Sportler nochmal einen richtigen Kick geben. Doch eben diese Heimspielatmosphäre kommt beim Snooker-Team "Pool Factory" der TSG Roth schon lange nicht mehr auf. Denn die Spieler der TSG Roth tragen ihre Heimspiele künftig anderthalb Stunden von Roth entfernt aus. In Kissing, fünf Kilometer südlich der Stadtgrenze von Augsburg.

Kein geeigneter Raum

"Natürlich ist das sehr schade, die Spiele nicht in Roth auszutragen. Aber wir haben keinen geeigneten Raum mit vier Tischen", sagt Andreas Gsänger, der Spielleiter der Pool Factory.

Die letzten beiden Spielzeiten hatten das Snooker-Team, das im vergangenen Jahr erstmals in der Bundesliga an den Start ging und sich in diesem Jahr in der zweiten Liga misst, schon im Nürnberger Ballroom ausgetragen, einer öffentlichen Billard-Spielstätte, wo auch Darts und Pool gespielt wird. Dort habe es aber immer wieder Probleme gegeben, berichtet Gsänger. Es seien unangemeldet mehrere Leute während der Bundesligaspiele durch den Raum gestiefelt, weil in einem Hinterraum parallel auch andere Veranstaltungen stattgefunden hätten. "Die hat das nicht interessiert, dass wir da gespielt haben. Das war alles sehr grenzwertig", so Gsänger.

Drei Spieler aus dem Raum Augsburg

Künftig wird es also nahe der Fuggerstadt um Punkte gehen, dort ist die "Pool Factory" in einem Vereinsheim eines Billardvereins untergekommen, wo keine anderen Veranstaltungen stattfinden. "Hier können wir ungestört spielen", sagt Gsänger. Zwei Spieler aus dem Team kommen aus der Augsburger Ecke, mit Mike Becher ist ein weiterer Spieler aus dem Augsburger Verbreitungsgebiet zum Team gestoßen. "Drei von sechs Spielern kommen also von dort. Deshalb ist es egal, ob drei von uns nach Augsburg fahren oder drei von dort nach Nürnberg", so Gsänger.

Perspektivisch, daraus macht er keinen Hehl, wäre es für die Abteilung aber schön, wieder mal in Roth zu spielen. Doch der Raum war seinerzeit zu klein. Vier Tische sind in der zweiten Bundesliga vorgeschrieben und die hätten dort nicht reingepasst. "Neue Tische anzuschaffen wäre nicht das Problem. Es geht da wirklich nur um den Raum", sagt er. Nur dann könne man es auch schaffen, zu Heimspielen mehr Publikum anzulocken.

"Wenn wir Bundesliga spielen und dann auch noch in Roth, dann könnten wir auch mal eine Handvoll Zuschauer haben", so Gsänger, der aber auch Verständnis dafür aufbringt, dass Sportarten wie Fußball, die viele Menschen anlocken, eine höhere Priorität bei der Stadt und im eigenen Verein haben.

Dennoch hat er den Eindruck, dass die Snookerabteilung ein bisschen vernachlässigt wird und das Thema Raum nicht entschieden genug vorangetrieben wird. Streiten will er sich deshalb aber nicht.

Dafür bleibt ohnehin keine Zeit. Am 21. September startet das Team mit dem Spiel beim SC 147 Karlsruhe die Mission Wiederaufstieg. Denn die erste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte endete im letzten Jahr als Vorletzter mit dem bitteren Abstieg in die zweite Bundesliga Süd. "Der Aufstieg war damals eine Sensation. Es war klar, dass es sehr schwer wird", sagt Gsänger.

Mission Wiederaufstieg

Die vier vorderen Teams hätten aber einfach andere finanzielle Möglichkeiten und teilweise auch Spieler aus dem nahegelegenen Ausland in ihren Reihen. Aus den Niederlanden oder Belgien etwa. "Und natürlich die guten Deutschen, die dort ein bisschen Geld bekommen", so Gsänger. Die anderen vier Teams hätten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, mit dem schlechteren Ende für die "Pool Factory".

Das Rother Team ist aber nach dem Abstieg zusammengeblieben, das Ziel sei auf jeden Fall der Wiederaufstieg. "Es wird nicht einfach, aber die Chance ist da", sagt Gsänger, der vor allem den großen Zusammenhalt im Team und den Kampfgeist als Pluspunkt sieht. Ein Nachteil könnte allerdings die lange Fahrt werden. Und echte Heimspielatmosphäre, die wird in Kissing bei Augsburg wohl auch eher selten aufkommen.

MICHA SCHNEIDER

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