Montag, 18.01.2021

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Bahntickets in Schwabach: Nur noch Automaten oder online

Am Schwabacher Bahnhof wurde der persönliche Fahrkartenverkauf eingestellt. Nicht einmal ein "Video-Reisezentrum" wird es geben. - 08.01.2021 15:00 Uhr

Die Gegenwart und auch die Zukunft: Fahrkarten gibt es am Bahnhof nur noch an den Automaten. Nicht einmal ein „Video-Reisezentrum“, also Beratung und Verkauf per Videoverbindung, wird eingerichtet. „Ein Schlag ins Kontor“, sagt OB Reiß.

07.01.2021 © Foto: Günther Wilhelm


Die erhoffte Wende ist ausgeblieben. Selbst der Einsatz von Oberbürgermeister Peter Reiß hat nichts mehr bewirkt: Seit Weihnachten kann man am Bahnhof Schwabach nur noch Tickets an den Automaten kaufen. Eine persönliche Beratung mit Verkauf aber gibt es nicht mehr.

Schlimmer noch, den mittlerweile ist klar: Sie wird es auch nicht mehr geben. Nicht einmal per Video-Verbindung in ein Reisecenter der Bahn, wie sie anderen kleinen Bahnhöfen bereits angeboten wird.

Dies hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die die Lizenz zum Betrieb der Bahnlinie an die Deutsche Bahn vergeben hat, in einem Antwortschreiben an Reiß mitgeteilt.

Reiß: Falsches Signal

"Das ist schon ein erheblicher Schlag ins Kontor", erklärte Reiß im Gespräch mit dem Tagblatt. "Es ist auch sehr überraschend, dass nicht wenigstens eine Video-Buchung angeboten werden wird." Reiß hält dies für das verkehrte Signal: "Dadurch werden der ÖPNV und der Fernverkehr nicht attraktiver."

Suche nach Alternativen

Was tun? Ihm sei es wichtig, dass Schwabachs Bürgerinnen und Bürger ihre Tickets nicht nur am Automaten oder online kaufen können. "Wir werden prüfen, ob es Alternativen als Ersatz gibt und zum Beispiel mit Reisebüros sprechen", kündigt Peter Reiß an.

Die Vergangenheit: Die Bahn-Agentur-Franken musste ihre Filiale in Schwabach einstellen. Es ist das Ende der persönlichen Beratung am Bahnhof.

07.01.2021 © Foto: Günther Wilhelm


Hintergrund: Seit 2004 hatte die eigenständige Firma "Bahn-Agentur-Franken" im Auftrag der Bahn an den Bahnhöfen in Schwabach und Roth Verkaufsbüros betrieben. Wegen des Einbruchs durch Corona und des 365-Euro-Tickets für Schüler musste die Firma aber erhebliche Einnahmeeinbußen hinnehmen (wir berichteten).

Gespräche mit der Bahn über erhoffte Zuschüsse aber sind ergebnislos geblieben. "Die Bahn hatte mir zuletzt einen Zuschuss für 2021 angeboten. Aber der war erstens nur auf 2021 begrenzt, und zweitens war das nur etwa die Hälfte dessen, was nötig gewesen, um null auf null rauszukommen", sagt Eduard Hauer, der Inhaber und Geschäftsführer der Bahn-Agentur-Franken.

Deshalb sah er sich, gezwungen, die Verkaufsstelle in Schwabach zum Jahresende zu kündigen. Den Betrieb hat er bereits einen Tag vor Weihnachten eingestellt. Nun führt Hauer nur noch die Filiale in Roth weiter, die er selbst seit Jahren betreut.

Mitarbeiter entlassen

Künftig wird es ein Ein-Mann-Unternehmen sein. Seinen beiden Vollzeitkräften musste er kündigen, auch die beiden 450-Euro-Kräfte kann er nicht weiterbeschäftigen.

Reiß hatte versucht, Hauer zu unterstützen und deshalb zwei Briefe an die Bahn und die Eisenbahngesellschaft geschrieben. Über ein Druckmittel aber verfügte er nicht. Ein Oberbürgermeister hat keinen Einfluss auf Entscheidungen der Bahn. Damit blieben Reiß nur der Verweis auf die Wichtigkeit eines persönlichen Services und ein eindringlicher Appell. Der aber wurde nicht erhört.

Die Eisenbahngesellschaft schreibt, dass der "personenbediente Verkauf", so der Fachausdruck, in Schwabach an sich vorgesehen sei. Die Bahn habe auch versucht, einen Nachfolger zu finden. Leider aber vergeblich. Deshalb habe die Eisenbahngesellschaft der Schließung der Verkaufsstelle letztlich zugestimmt. Zumal es weiterhin die Automaten sowie die aus Sicht der Eisenbahngesellschaft "nahen" Verkaufsstellen in Nürnberg und Roth gibt.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Ein weiteres Argument: Schon jetzt fließen erhebliche Steuermittel in den Schienennahverkehr. Deshalb sei man zu einem "effektiven Einsatz begrenzter Mittel" und einer genauen Kosten-Nutzen-Berechnung gezwungen. Zwar stehe die Eisenbahngesellschaft dem Wegfall dieses Angebots "grundsätzlich kritisch gegenüber", doch müsse man auch die wirtschaftlichen Überlegungen zur Kenntnis nehmen.

Deshalb verzichte man auch auf ein denkbares Video-Reisezentrum. Ohne Zahlen zu nennen, ist von "hohen Investitionskosten" die Rede. Gleichzeitig sei zu erwarten, dass die Einnahmen aus dem persönlichen Ticketverkauf wegen der fortschreitenden Digitalisierung weiter zurückgingen. Deshalb könne man auch ein Video-Reisezentrum "nicht befürworten".

Als letzten Satz schreibt die Bayerischen Eisenbahngesellschaft an OB Reiß: "Unter den gegebenen Rahmenbedingungen bedauern wir, Ihrem Wunsch nach einem personenbedienten Verkauf nicht entsprechen zu können."

Zumindest in diesem Bedauern ist man sich mit Peter Reiß einig.

GÜNTHER WILHELM

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