Sonntag, 29.03.2020

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Corona vor Ort: Nur ein Patient, aber die Hysterie steigt

Kein neuer Fall in Schwabach und im Landkreis Roth. Einzelne Schulklassen "ausgesperrt" - 12.03.2020 12:00 Uhr

In Abenberg findet ganz normal Unterricht statt. Doch Schülerinnen und Schüler aus zwei Klassen mussten auch gestern noch zu Hause bleiben, weil es bei Klassenkameraden einen Corona-Verdacht gibt. Schul- und Gesundheitsamt warteten am Mittwochnachmittag noch auf die Testergebnisse. © Foto: Robert Gerner


Mit zwei kleinen Ausnahmen. In Abenberg mussten zwei, in der Grundschule Schwarzenlohe musste eine Klasse zu Hause bleiben. Eine Vorsichtsmaßnahme, weil Klassenkameraden in den Faschingsferien mit ihren Eltern in Landstrichen im Urlaub waren, die heute als Risikogebiete eingeschätzt werden, also beispielsweise Südtirol. Und weil es einen Corona-Verdacht bei diesen Schülern gegeben hat.

 

Schwarzenlohe: Entwarnung

 

Zumindest für Schwarzenlohe gab das Schulamt gestern aber schon wieder Entwarnung: Der Corona-Verdacht bei einem Schulkind hat sich nicht bestätigt. "Die Kinder aus Schwarzenlohe durften heute wieder in die Schule gehen. Der Test war negativ", erklärt Schulamtsleiterin Ingrid Dröse. "Aus Abenberg warten wir noch auf Nachricht.".

Auch am Schwabacher Adam-Kraft-Gymnasium wurde am Montag als Vorsichtsmaßnahme eine Klasse für einen Tag wieder nach Hause geschickt, weil es unter den Schülern einen Verdachtsfall gegeben hatte. Der hat sich aber ebenfalls nicht bestätigt. Am Dienstag wurde wieder Mathe und Deutsch gepaukt.

 

Klassenfahrten gestrichen

 

Allerdings gibt es zunehmend Einschränkungen bei Dingen, die Schule auch ausmachen. Am AKG zum Beispiel wurden Klassenfahrten schon abgesagt, andere stehen laut Schulleiter Harald Pinzner auf der Kippe. Italien kann derzeit ohnehin nicht bereist werden. Aber auch Fahrten nach Frankreich, England und Griechenland wurden aus unterschiedlichen Gründen gestrichen. Nach Frankreich, weil das derzeit die französische Regierung kritisch sieht; nach England, weil es keine Gewissheit gibt, wie man nach einer Woche wieder nach Hause kommt; nach Griechenland, weil die Griechen Bayern als Risikogebiet einschätzen.

Harald Pinzner und sein Kollege am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium, Dr. Richard Kifmann, hoffen, dass das "Kerngeschäft", also der Unterricht, möglichst lange aufrecht erhalten werden kann. "Wir müssen uns bis in die Osterferien (ab 4. April, Anm. d. Red.) retten. Dann hätten wir wieder zwei Wochen Luft und damit Zeit gewonnen", so Kifmann. Wichtig wäre der Unterricht vor allem für die Abiturienten. Eine Verschiebung der Abschlussprüfung, wie derzeit schon diskutiert wird? Für Pinzner und Kifmann kaum vorstellbar.

"Da hängen so viele Dinge dran, von den länderübergreifenden Aufgabenteilen in einigen Fächern bis hin zu den Bewerbungsfristen für das Auslandsstudium, das ist alles wahnsinnig komplex. Alles hängt mit allem zusammen", erklärt Kifmann.

 

Rückkehr der Ausgeschlossenen

 

Ähnlich wie in den beiden Schwabacher Gymnasien gibt es auch in den Gymnasien Wendelstein und Roth sowie an der Realschule Schwabach keine geschlossenen Klassen. Allerdings gibt es praktisch an jeder Schule in der Stadt und im Umland einzelne Schüler, die derzeit vom Unterricht ausgeschlossen sind, weil sie in den Faschingsferien im Urlaub waren. Immerhin: Sollten sie keine Krankheitssymptome entwickelt haben, können sie am Montag in ihre Klassen zurückkehren.

 

Roth/Schwabach: Keine neuen Fälle

 

Unabhängig von den nach wie vor steigenden Corona-Zahlen in Bayern: Im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Roth-Schwabach gibt es nach wie vor nur zwei nachgewiesene Fälle. Aber nur noch eine Person aus dem Landkreis Roth, die sich zu Hause auskuriert, ist tatsächlich Patient. Eine Frau aus Schwabach hat das Krankenhaus nämlich inzwischen als geheilt entlassen. Ihre Angehörigen stehen noch für einige Tage "unter Kontrolle", wie es Dr. Stefan Schmitzer, der Chef des Gesundheitsamtes, ausdrückt.

Darüber hinaus werden etwa 25 Personen regelmäßig kontaktiert, die direkten Kontakt mit Corona-Patienten (außerhalb von Schwabach und des Landkreises) hatten. Doch bislang seien auch hier alle Tests negativ verlaufen. Oder, wie es Gesundheitsamts-Chef Schmitzer angesichts leergekaufter Supermarktregale ausdrückt: "Man hat den Eindruck, dass die Hysterie steigt, während die Zahl der Erkrankten zumindest bei uns gleich niedrig bleibt."

ROBERT GERNER

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