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Deutschlands jüngster Meister

Mit 17 startete Fritz Scheller erstmals bei einer Deutschen Meisterschaft. - 23.04.2021 09:19 Uhr

Fritz Scheller gewann 1932, 1936 und 1937 die Deutsche Straßenmeisterschaft.

23.04.2021


"Unser bester Fahrer Fritz Scheller muss dabei sein, wenn die DM in Nürnberg stattfindet, denn dieser Junge ist einmalig!" Nur um die Veranstalter nicht zu verärgern, gab der BDR dann doch nach und erteilte eine Ausnahmegenehmigung, jedoch mit dem mahnenden Hinweis: "Man wird diesen Jungen damit keinen Gefallen tun! " Den für sein Alter sehr kräftigen "Schellers Fritz", der erst ein Jahr vorher mit dem Radsport begonnen hatte, ließ dies alles kalt.

Bereits als 16-Jähriger hatte er Bayerns beste Straßenamateure mehrfach schlagen können. Sogar bei Rennen über 200 Kilometer! Auch die sehr bergige DM-Strecke durch die Oberpfalz konnte ihn nicht erschüttern. Sofort nach dem Startschuss fuhr er ganz vorne mit. Als das Feld hinter Regensburg auf den letzten 100 Kilometern an den Steigungen immer kleiner wurde, ließ sich Fritz Scheller nicht abhängen. Mit einer 19-köpfigen Spitzengruppe erreichte er das Ziel am Nürnberger Stadion.

Rasanter Schlussspurt

Ohne zu zögern trat er auf den letzten 1000 Metern von der Spitze aus unwiderstehlich an und holte sich mit einem rasanten Schlussspurt unter tosendem Beifall der vielen fränkischen Fans sicher den Meistertitel vor den Favoriten Hornig (Essen) sowie Putkammer und Stach (beide Berlin)! Noch im gleichen Jahr belegte "Deutschlands jüngster Meister", wie ihn die Presse inzwischen nannte, in Rom den sehr guten 12. Rang bei der Straßen-WM der Amateure! Seinen Platz in der Nationalmannschaft hatte sich Scheller damit endgültig verdient.

1936 wurde er erneut deutscher Straßenmeister, als einer der Topfavoriten belegte er im gleichen Jahr als bester Deutscher beim Olympischen Straßenrennen in Berlin Platz vier! Ein Jahr später – Scheller hatte 1937 zum dritten Mal die Straßen-DM gewonnen – stieg er bei der WM in Kopenhagen sichtlich enttäuscht als Dritter auf das Treppchen: "Das war mein Rennen, den Schlussspurt hätte ich gewinnen können, doch da hielt mich auf den letzten 50 Metern ein Italiener am Trikot fest", beschwerte er sich. Sein berechtigter Protest nützte nichts.

1938 wechselte Fritz Scheller zu den Profis, wo er ebenfalls sehr bald von Sieg zu Sieg fuhr! Er gewann schwere Klassiker wie "Rund um Frankfurt", "Rund um die Hainleite", "Rund um Berlin" und die schwere "Harz-Rundfahrt" vor Spitzenfahrern wie Bautz, Kiewski, Weckerling und Umbenhauer. Bei der Deutschland-Rundfahrt 1939 war er nach über 5049 Kilometern Dritter der Gesamtwertung. Auch bei der Straßen-DM 1940 wurde er Dritter. Danach brachte ihn der Krieg und die staatliche Isolation des Profi-Rennsports um die besten Jahre seiner Karriere.

Comeback mit 32

Mit knapp 32 Jahren feierte er 1946 ein erfolgreiches Comeback als Profi des "Express-Teams", doch internationale Starts gab es für deutsche Radsportler noch lange nicht. Fritz Scheller fuhr vor allem bei Bahn- und Aschenbahn-Rennen und bei Kriterien Siege ein. Bei der ersten deutschen Kriteriums-Meisterschaft für Profis 1946 ging er als einer der Favoriten an den Start. Nach insgesamt 170 Kilometern und zwei Etappen stieg Fritz Scheller als Deutscher Meister vor dem Berliner Harry Saager und dem Herpersdorfer Karl Kittsteiner aufs Treppchen. Bis 1950 zählte er zu den erfolgreichsten deutschen Profis. Eine erneute gute Platzierung bei der Deutschland-Rundfahrt 1950 sollte dem inzwischen 35-Jährigen seinen Abschied erleichtern. Doch dieser verlief sehr unglücklich. Auf der 10. Etappe stürzte Fritz Scheller so schwer, dass er seine Karriere beenden musste.

Fritz Scheller war 40 Jahre lang der „Chef“ am Reichelsdorfer Keller.

23.04.2021


Von 1948 bis 1968 war Fritz Scheller 1. Vorsitzender "seines" Tourenklubs, ab 1966 war er 22 Jahre lang Mittelfrankens Bezirksvorsitzender, 12 Jahre Jugendleiter des Bayerischen Radsport-Verbandes und 21 Jahre Steher-Obmann des BDR. Als Bahnchef sorgte er rund 40 Jahre lang dafür, dass sich am Reichelsdorfer Keller die Räder drehten. Die "Steher-Hochburg Nürnberg", in der ab 1968 drei Weltmeister- und viele Deutsche Meistertitel gefeiert wurden, war sein Lebenswerk.

MANFRED MARR

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