Die digitale Gästeliste: Luca-App ist einsatzbereit

4.5.2021, 06:00 Uhr
Mithilfe der Luca-App auf dem Smartphone sollen Kontakte zu Corona-Positiven viel schneller als bisher nachverfolgt werden können.

Mithilfe der Luca-App auf dem Smartphone sollen Kontakte zu Corona-Positiven viel schneller als bisher nachverfolgt werden können. © Christoph Soeder, dpa

Eingang. Piep. Registriert. Rein. Zwei Stunden später. Ausgang. Piep. Raus. So einfach funktioniert im Idealfall die Luca-App. Und wenn irgendjemand in diesen zwei Stunden ebenfalls im Laden war, der wenig später coronapositiv getestet wurde, werden die anderen benachrichtigt. Über das Handy, über die App.

Jetzt kann die Luca-App auch von Unternehmern und deren Kunden in Schwabach und im Landkreis Roth problemlos angewendet werden. Denn seit kurzem ist das Gesundheitsamt Roth-Schwabach angebunden.

Die Luca-App hat die neXenio GmbH, ein Berliner Start-up-Unternehmen entwickelt. Bekannt wurde sie, weil Kulturschaffende, allen voran Smudo von den "Fantastischen Vier", das Projekt von Anfang an unterstützt haben und die Werbetrommel dafür rühren. Die Hoffnung: In absehbarer Zeit mehr Dinge ermöglichen, nach der sich so viele Menschen sehnen.

Schnell und automatisch

Die App hat tatsächlich viele Vorteile: Veranstalter, Gastronomen, Dienstleister und Einzelhändler können sich kostenlos registrieren und einen sogenannten QR-Code generieren. Diesen müssen die Besucher mit ihrem Smartphone abscannen. So werden sie bei der Veranstaltung, beim Shoppen, im Restaurant, im Kino oder im Theater „eingecheckt“ und ihre Kontaktdaten automatisch erfasst und verschlüsselt.


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Damit das funktioniert, müssen die Besucher die Luca-App auf ihrem Smartphone installiert haben. In der App können die Kontaktdaten eingetragen und gespeichert werden – damit entfällt das lästige Ausfüllen von Zetteln. Allerdings: Wer kein Smartphone hat, für den werden die Kontaktdaten selbstverständlich weiterhin per Hand erfasst.

Wie eine digitale Gästeliste

Wie dem auch sei: Wenn Besucher später positiv auf Corona getestet werden sollten, können über die in der App verschlüsselten Daten schnell Kontakte nachverfolgt werden. Und im Idealfall viel schneller unterbrochen werden als bisher. Einfach gesagt: Die App erstellt eine digitale Gästeliste, die nur durch das Gesundheitsamt entschlüsselt werden kann.

Die Luca-App ist schon seit vielen Monaten auf dem Markt. Doch erst vor einigen Wochen hat das Bayerische Ministerium für Gesundheit und Pflege durch den Kauf die Ampeln auch im Freistaat auf "Grün" gestellt. Nach und nach wurden und werden die bayerischen Gesundheitsämter angebunden. Auch das Gesundheitsamt Roth-Schwabach hat seit der vergangenen Woche alle Voraussetzungen geschaffen, damit die Daten im Bedarfsfall korrekt entschlüsselt werden und mit den entsprechenden internen Programmen verknüpft werden können.

Ohne Kosten

Der Einsatz der Luca-App ist für Dienstleister, Einzelhändler, Veranstalter und Gastronomen nicht verpflichtend. Wer möchte, kann die „digitale Gästeliste“ aber ab sofort kostenfrei nutzen und so im Fall der Fälle schnell und unkompliziert mit dem Gesundheitsamt in Roth kommunizieren. Da - im Rahmen des Infektionsschutzes - vor allem die Gastronomie- und Veranstaltungsangebote aktuell noch sehr eingeschränkt oder in den meisten Fällen nach wie vor verboten sind, ist der Nutzen der App derzeit noch nicht voll abschätzbar. Wie gut die App genutzt wird, wird sich nach den ersten Öffnungsschritten zeigen.


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Einer, der die App schon seit vielen Wochen nützt, ist der Rednitzhembacher Promi-Friseur Marcel Schneider. "Meine Mitarbeiter, meine Kundinnen und Kunden und auch ich sind begeistert", sagt Schneider, der seinen Salon in Nürnberg hat. Die App sei sehr effektiv. Sie spare Zeit und Kosten und sei darüber hinaus auch noch umweltfreundlich. "Der ganze Papierwust fällt nämlich weg", betont er. Nun gut: Ein Teil des Papierwusts immerhin. Zu Beginn hätten etwa zehn Prozent seiner Kundinnen und Kunden die Luca-App auf ihrem Handy gehabt. Inzwischen seien es schon 40 bis 50 Prozent.

Viele bundesweit agierende Konzerne arbeiten ebenfalls schon seit längerem mit der App. Der Baumarkt-Riese Hornbach zum Beispiel oder der in Schwabach sitzende Optik-Spezialist Apollo. Apollo sieht in der Nutzung der App einen wichtigen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung. Allerdings liefen die in den heimischen Apollo-Filialen in Schwabach (Oro-Einkaufszentrum) und Roth (Hauptstraße) die gesammelten Daten zunächst einmal ins Leere oder höchstens auf einen großen Server. Sinn macht das ganze erst, wenn die heimischen Gesundheitsämter angebunden sind, so wie es jetzt der Fall ist.

Einheitlich und übersichtlich

Ähnlich wie Friseur Marcel Schneider hält auch der Schwabacher Stadtrechtsrat Knut Engelbrecht die Nachverfolgungs-App in Corona-Zeiten grundsätzlich für eine gute Sache. Das System sei einheitlich, leicht zu verstehen und übersichtlich. Der Papierkram, über den im vergangenen Sommer viele Gastronomen geklagt hatten, falle weg. Seinerzeit saßen beim Essen oder im Biergarten mitunter auch "Donald Duck" oder "Darth Vader", die angegebenen Telefonnummern waren in vielen Fällen kaum zu entziffern - oder schlicht frei erfunden. Die Luca-App biete hier einfach ein Stück mehr Sicherheit.

Allerdings haben auch hier schon Kritiker den Finger gehoben. Anders als bei der datenschutzrechtlich unbedenklichen, aber trotzdem viel kritisierten Corona-Warn-App werden die Daten zentral gespeichert, was Hackern einen Datenangriff erleichtern könnte. Der Anbieter wurde von seinen Vertragspartnern wie dem Freistaat Bayern allerdings aufgefordert, kritische Punkte bei den regelmäßigen Updates nachzubessern.

Zudem soll auch die Corona-Warn-App, die Millionen von Menschen bereits auf ihr Smartphone geladen haben, technisch so nachgerüstet werden, dass sie ähnliches können soll wie die Luca-App. Stadtrechtsrat Knut Engelbrecht sieht die Sache mit dem Datenschutz bei der Luca-App jedenfalls nicht übermäßig kritisch. "Im Vergleich zur bisherigen Zettelwirtschaft ist es eigentlich ein Fortschritt."

Wer Fragen hat...

Händler, Gastronomen und Dienstleister, welche die App nutzen wollen, können das auf eigene Faust tun. "Es ist eigentlich nicht so schwierig", hat Andrea Raithel, die Pressesprecherin des Landratsamtes Roth, bei einem Versuch festgestellt. In Schwabach können sich Unternehmer, die Interesse haben, bei Fragen auch an die städtische Wirtschaftsförderung wenden. Auch im Gesundheitsamt gibt es bei Bedarf Infos zur App. Ansprechpartnerin ist hier Mira, Abou Taha, Telefon (09171) 81-1668.