Nur kleinere Veranstaltungen:

Die EM in Roth-Schwabach: Nur wenige wagen "Public Viewing"

15.6.2021, 06:04 Uhr
Die Begeisterung für Fußball lässt sich teilen, und geteilte Freude ist ja die schönere Freude. Doch mit Public Viewing im großen Stil sieht es bei der Europameisterschaft eher schlecht aus - einige Wirte bieten es aber doch an.

Die Begeisterung für Fußball lässt sich teilen, und geteilte Freude ist ja die schönere Freude. Doch mit Public Viewing im großen Stil sieht es bei der Europameisterschaft eher schlecht aus - einige Wirte bieten es aber doch an. © imago images/IPON, NN

Seit ein paar Jahren ist „Public Viewing“ ziemlich beliebt. Eine Stadt- oder Gemeindeverwaltung oder ein Gastwirt stellen eine Großbild-Leinwand auf und übertragen darauf die Fußballspiele einer Europa- oder Weltmeisterschaft. Doch bei der aktuellen Europameisterschaft wirken die Corona-Regeln ziemlich hinderlich. Dennoch gibt es einige wenige, die „Public Viewing“ wagen.


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„Public Viewing“ in der Außengastronomie und Freischankflächen sollen unter Einhaltung der Coronaschutz-Maßnahmen wieder möglich sein, schreiben das Bayerische Wirtschaftsministerium und das Bayerische Umweltministerium. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Umweltminister Thorsten Glauber fordern die Behörden auf, von den vorhandenen Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Hygiene- und Schutzmaßnahmen müssten allerdings eingehalten werden. „Public Viewings“ sind nach Auffassung der Staatsregierung als Ergänzung zur bestehenden Gastronomietätigkeit zulässig. Eigene „Public-Viewing“-Veranstaltungen ohne Bezug zu bestehenden Gastronomietätigkeiten seien nicht erlaubt.

„Die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht aktuell ein „Public Viewing“, wie wir es bisher kennen, nicht vor“, lautet die Antwort auf eine Anfrage an das Amt für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Gewerbewesen, Gesundheits- und Verbraucherschutz am Landratsamt Roth, „Veranstaltungen mit tausenden von Menschen, die gemeinsam feiern und jubeln, können nicht stattfinden.“

Spiele in Biergärten übertragen

Und weiter: „Als Alternative können beispielsweise Gastronomiebetriebe die Spiele in ihren Biergärten übertragen. Hier sind die entsprechenden Hygienemaßnahmen weiterhin zu beachten. Es dürfen Gruppen im Rahmen der Kontaktbeschränkungen zusammensitzen. Zwischen den Gruppen und auf allen Verkehrs- und Begegnungsflächen (zum Beispiel am Gang zur Toilette) gilt FFP-2-Maskenpflicht. Außerdem müssen die Kontaktdaten der Gäste aufgenommen werden.

Zur WM 2018 trafen sich die Rother im Traithlonpark. Aufgrund der Auflagen winken heuer aber viele Wirte ab. 

Zur WM 2018 trafen sich die Rother im Traithlonpark. Aufgrund der Auflagen winken heuer aber viele Wirte ab.  © Christoph Raithel, NN

Entweder handelt es sich um eine Sport- oder Kulturveranstaltung, bei der die maximale Personenzahl bei Veranstaltungen im Freien 500 beträgt oder um eine allgemeine Veranstaltung, bei der die Personengrenze bei 100 liegt. Hier sei der Veranstaltungsort mitentscheidend. Reine Public Viewing Veranstaltungen seien derzeit nicht möglich. Für die Besucher gilt FFP-2-Maskenpflicht bis zum Platz sowie eine Pflicht zum Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske für das Personal. Essen und Getränke dürfen unter denselben Bedingungen wie in Gastronomiebetrieben angeboten werden. Für die Veranstaltung muss ein entsprechendes Hygienekonzept erstellt werden.“

Gastronomie muss im Vordergrund stehen

„,Public Viewing‘ im Rahmen bestehender Gaststätten/Biergärten ist unter den gastronomischen Voraussetzungen der aktuellen Infektionsschutz-Maßnahmenverordnung möglich“, schreibt der Schwabacher Pressesprecher Jürgen Ramspeck, „dabei muss die Gastronomie im Vordergrund stehen. Das heißt, dass keine zusätzlichen Flächen bestuhlt und keine zusätzlichen Sitzplätze angeboten werden dürfen. Konkret gesprochen: Derzeit geöffnete Gastronomiebetriebe dürfen (zusätzliche) Fernsehgeräte aufstellen, auf denen die Spiele verfolgt werden können.“

Der Hof des Alten DG war 2014 zur Fußball-Weltmeisterschaft in ein Fandorf umgewandelt worden. Doch heuer tritt die Stadt nicht als Veranstalter auf.
 

Der Hof des Alten DG war 2014 zur Fußball-Weltmeisterschaft in ein Fandorf umgewandelt worden. Doch heuer tritt die Stadt nicht als Veranstalter auf.   © a-nn-st-20140616_195702-1.jpg, NN

Große Einzelveranstaltungen wie zum Beispiel in der Vergangenheit auf dem Baywa-Parkplatz dürften nach der aktuellen Infektionsschutz-Maßnahmenverordnung mit nur bis zu maximal 100 Personen unter freiem Himmel stattfinden. Anmeldungen für ein solches Public Viewing habe die Schwabacher Stadtverwaltung bisher nicht erhalten. Auch die Stadt Schwabach selbst werde diesmal kein entsprechendes Angebot organisieren.

Kein "Public Viewing" in Rohr

Der TSV Rohr war in den vergangenen Jahren immer Treffpunkt für die Public-Viewer. „Nein, wir machen nichts“, sagt dessen Vorsitzender Werner Gugel, „da brauchen wir immer ein halbes Jahr Vorlauf, wir konnten nicht planen.“ Allerdings werde der TVS nächstes Jahr, zur Fußball-Weltmeisterschaft, wieder „Public-Viewing“ anbieten.

„Wir machen nichts. Das wäre gar nicht bezahlbar durch Corona“, sagt Alexander Stoll, Chef des Restaurants „Waldblick“ am TSG-Gelände in Roth, „wir brauchen die Sitzplätze für zahlende Gäste.“ Beim „Public Viewing“ werde nur Bier getrunken. Außerdem sei das Wetter zu unsicher.

Mephisto in Roth: "Wir machen nichts"

„Wir machen nichts“, sagt Thomas Putz, Chef im „Mephisto“ in Roth. Grund seien die hohen Auflagen und die Abstandsregeln. Ein Zelt könne er außen nicht aufstellen, und ohne das Zelt sei es zu hell. „Das rentiert sich gar nicht“, so der „Mephisto“-Geschäftsführer. Innen werde er allerdings „nebenbei“ den Beamer laufen lassen und die Spiele zeigen – mit Abstand zwischen den Gästen. „Wer da ist, ist da, Anmeldung ist nicht möglich“, erklärt Putz.


Public Viewing im Biergarten: Diese Regeln gelten bei der EM


Die Kiosk-Betreiberin im Thalmässinger Freibad wird „Public Viewing“ auf der Grünfläche neben ihrem Kiosk anbieten. „Klein und muckelig, aus Spaß an der Freud, das ist halt ein großes Wohnzimmer“, beschreibt es Kiosk-Betreiberin Michaela Schuster. Mit dem Badebecken im Hintergrund werde „Urlaubsfeeling“ entstehen, obwohl noch ein Zaun dazwischen sei. Sie werde die Deutschland-Spiele zeigen und die K.o.-Runde. Groß werde es nicht, es werde maximal 40 Plätze geben. Der Gewerbeverein Thalmässig unterstützt „Public Viewing“ mit bis zu 300 Euro Zuschuss.

"Public Viewing" im Stadel

Das Gasthaus Gutmann/Zur Post in Hilpoltstein bietet ebenfalls „Public Viewing“ an. Im Stadel werden die Deutschland-Spiele auf einem großen Fernseher gezeigt, eventuell kommt außen ein weiterer Fernseher dazu. Wenn die Nachfrage da sei, würden auch weitere Spiele laufen. „Maximal 50 Personen haben im Stadel Platz“, sagt Geschäftsführer Mike Miemczyk. Sie müssten einen Platz reservieren. Man müsse die Abstände beachten.

Der Schwabacher „Burgersgarten“ bietet ebenfalls „Public Viewing“ an. „Da, wo die Schenke ist, kommt die Leinwand hin“, erklärt Jürgen Wacker. Der Zapfer sieht also die Spiele nicht. Die Deutschland-Spiele würden auf jeden Fall gezeigt, sagt er. Und er empfiehlt: „Beizeiten reservieren!“

Höraufs Biergarten im Schwabacher Parkbad bietet kein allgemeines „Public Viewing“ an. „Nur oben auf der Terrasse, was Kleineres, nur für die Stammgäste“, teilt Nina Hörauf, die Tochter von Chef Oli, mit. „Nicht viel, nur für 35 bis 40 Personen“, schiebt Oli Hörauf nach.

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