Dienstag, 22.10.2019

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Die Episodenreihe: Rednitzhembach bewegt

Erst hat Herr Ott erzählt. Jetzt erzählt ein ganzer Ort. Der neue Film von Markus Dörnberger. - 17.08.2019 06:00 Uhr

Erzählen, wie es früher war: die Stammtischfreunde Hans Götz, Heinrich Rabus, Werner Kraus, Otto Regnet und Hans Berthold (v.li.). In der ersten von mehreren geplanten Episoden von Markus Dörnberger dreht sich alles um die Kirchweih. © Foto: Markus Dörnberger


Dörnberger ist in Rednitzhembach aufgewachsen. Mit Anfang 20 hat es ihn nach Nürnberg gezogen. Er macht seit vielen Jahren klassische Werbung. Er plant Kampagnen, schreibt Texte, kümmert sich als "Art Director" oder "Creative Director" um das ganze Drumherum. Vor rund zwei Jahren dann entdeckte er eine neue Leidenschaft: das Filmen. In der Region erstmals bekannt geworden ist er mit einem 30-Minuten-Streifen über seinen Großonkel. "Herr Ott erzählt" lässt einen Ur-Schwabacher und seine Stammtisch-Freunde zu Wort kommen. Ungekünstelt, authentisch, zu Herzen gehend. Den Bericht darüber im Schwabacher Tagblatt hat auch der Rednitzhembacher Bürgermeister Jürgen Spahl gelesen. Und sich gleich mit Dörnberger in Verbindung gesetzt.

Spahls Idee: einen Film nicht nur über einige wenige Personen, sondern über die ganze Gemeinde. Nach ein paar Treffen mit dem Regisseur-Kameramann-Tonmeister-Cutter Dörnberger konnte es losgehen.

Parallelen unübersehbar

Auch wenn der Rednitzhembach-Film, anders als der "Herr-Ott-erzählt"-Streifen, eine Auftragsarbeit ist, so sind Parallelen doch unübersehbar. Dörnberger versammelte die Rednitzhembacher Urgesteine Hans Berthold, Werner Kraus, Otto Regnet, Hans Götz und Heinrich Rabus zu ihrem regelmäßigen Stammtisch und ließ sie einfach erzählen: wo früher der Kirchweihbaum stand, was man früher alles zur Kirchweih unternommen hat, wie dem Pfarrer früher mal vier lebende Tauben geschenkt wurden. Die Alt-Kerwaboum singen ihre Kerwa-Gstanzeln und bewegen sich ganz ungezwungen im Weißt-Du-noch-Modus; ganz so, als wäre gar keine Kamera dabei.

"Das ist ja das Geheimnis", erklärt Markus Dörnberger. Die technische Revolution mache es möglich, dass beste Qualität im 4 K-Format schon mit einer Kamera zu bekommen ist, die nicht viel größer ist als ein Spiegelreflex-Fotoapparat. "Die ist so klein und so handlich, dass sie von den Leuten, die gefilmt werden, binnen kurzer Zeit gar nicht mehr wahrgenommen wird."

Mit der Kamera ganz neu dran

Mit seinem High-Tech-Equipement durfte Filmemacher Dörnberger auch Chef-Kerwabou Andy Dösel und seine 33 Mitstreiterinnen und Mitstreiter vier Tage lang auf der Kirchweih begleiten. Er war im Wald dabei, wo der Kirchweihbaum ausgesucht und geschlagen wird. Er hielt das Schmücken und das Aufstellen des Baums für die Nachwelt fest, den Festzug, das Anstechen des ersten Fasses, die Stimmung im Zelt. Und dazwischen immer wieder: Der Pfarrer erzählt, die Stammtischrunde erzählt, der Kerwabou erzählt. Dörnberger ist mit seiner Kamera nur der stille Beobachter, Regieanweisungen gibt er praktisch nie. "Das unterscheidet mich von der Arbeitsweise der Fernsehleute", erklärt er.

400 Minuten an Material rund um das erste Juli-Wochenende hat er zusammengetragen. Knapp 14 Minuten davon haben es in den Kirchweih-Film geschafft, der – stilvoll im Kino-Museum – jetzt gewissermaßen seine Welturaufführung erlebt hat.

In den nächsten Monaten wird Dörnberger noch öfter mit seiner Kamera unterwegs sein und weitere Episoden über das Leben, über die Feste und über die Politik in Rednitzhembach drehen. Die Stammtischfreunde Berthold, Regnet, Götz und Rabus (Werner Kraus konnte nicht), die bei der Premiere des ersten Stücks dabei waren, waren aber auch jetzt schon mehr als zufrieden: "Schäi is g’worn."

ROBERT GERNER

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