Samstag, 22.02.2020

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DJK Schwabach: Überleben unter schwierigen Bedingungen

Mitglieder der DJK Schwabach wurden über Inhalt des Pachtvertrags mit den Investoren informiert - 13.02.2020 14:02 Uhr

DJK Schwabach ist Pächterin des eigenen Vereinsgeländes. © Thomas Correll


 Auf Antrag der Sparkasse wurde vor Weihnachten 2019 ein Zwangsversteigerungsverfahren, das in einem erneuten Anlauf (bei einem ersten Versteigerungstermin waren nur 200 000 Euro geboten) zu folgendem Ergebnis kam: Das Gebot lag deutlich höher, zwei Investoren haben für 440 000 Euro die Gebäude und das Erbbaurecht erworben. Das Grundstück ist weiter Eigentum der Filialkirchenstiftung St. Peter und Paul und läuft — Stand jetzt — noch 39 Jahre. Der Flächennutzungsplan der Stadt und das Erbbaurecht sehen die sportliche Nutzung des Geländes vor.

Vor diesem Hintergrund und vor allem auf Grund der Tatsache, dass es mit den im Stadtrat vertretenen Parteien wohl so schnell keine Einigung auf eine Änderung des Flächennutzungsplans für dieses Areal geben werde, wie Grünen-Stadtrat und DJK-Mitglied Eckhard Göll bei der Versammlung bekräftigte, haben die Investoren wohl großes Interesse dem Verein die erworbenen Sportstätten zur Pacht anzubieten.

"Der Sportbetrieb geht weiter"

In einer ersten Kontaktaufnahme mit den Vorstandsmitgliedern der DJK Schwabach ließ ein Investor dann auch wissen: "Sagen Sie Ihren Mitgliedern: der Sportbetrieb geht weiter!" Die Vorstellungen lagen aber noch sehr weit auseinander, gab Klaus Götz, der 2. Vorsitzende der DJK (einen ersten gibt es aktuell nicht) einen kleinen Einblick in die Verhandlungen mit den Investoren. Deren ursprüngliche Forderung, die weit über dem Betrag lag, der nun monatlich zu entrichten ist, war vom Schwabacher Verein nicht zu stemmen. "Da hätten wir erneut Kopfstände machen müssen!" so Götz.

Nurmehr 430 Mitglieder

1500 Euro Pacht sind nun für die Sportstätten an der Huttersbühlstraße an die Investoren zu entrichten. Das sei zwar auch eine Menge, was den Etat des Vereins zusätzlich zu den monatlichen Unkosten (Heizung, Platzwart, Hausmeister etc.) belaste, aber "eine Kröte mussten wir ja schlucken!" so Götz. Für einen Verein, der durch die Auflösung der Tanzsport- und Tennisabteilung nur mehr rund 430 Mitglieder zählt, eine immense Belastung. Aber Sport zu treiben ohne Sportstätten? Nahezu undenkbar.

Auch ihr Sportheim dürfen die Vereinsmitglieder zwar weiterhin nutzen, aber die Bewirtung müsse mehr oder weniger in Eigenregie mit einem Caterer oder mit selbst angerichteten Speisen erfolgen. Einen Pächter werde es so schnell jedenfalls nicht mehr geben, zumal die beiden Investoren die Möglichkeit, das Sportheim wieder zu verpachten, nicht einräumen wollen. Warum? Man weiß es nicht! So geht dem Verein möglicherweise eine zusätzliche Geldeinnahme verloren.

Noch viel folgenschwerer für das Zusammengehörigkeitsgefühl aber dürfte sein, dass den Mitgliedern mehr oder weniger ihr Treffpunkt verloren gehen könnte — das Herz des Vereins! Bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch hatte das Sportheim den Touch einer Firmenkantine. Eine Bedienung gab es nicht, auch zu essen wurde nichts angeboten. Im Raum stand ein grüner Kühlschrank, aus dem man sich seine Getränke (natürlich gegen Bezahlung) selbst holen konnte.

Was der Verein aber weiterhin darf: seine Sportstätten untervermieten. Sowohl die Nutzung der vereinseigenen Sporthalle durch Schulklassen als auch die Kegelbahnen durch Privatkegler sollte gewährleistet sein und dürfte weiterhin den einen oder anderen Euro in die Vereinskasse spülen. Noch nicht exakt geklärt — dieser Pachtvertrag existiert ja erst seit einer Woche – ist die Vorgehensweise bei möglichen Reparaturen. Die Investoren ließen wissen, dass alle Rechnungen mit ihnen abzusprechen seien — der Verein habe bei größeren Schäden eine Selbstbeteiligung von 500 Euro zu tragen.

Diese Eckdaten und noch einiges mehr umfasst der Pachtvertrag, den der Vorstand der DJK Schwabach mit den Investoren ausgehandelt hat. Der Vertrag ist vorerst gültig bis 30. Juni 2021 — danach müssten die Bedingungen neu ausgehandelt werden. Allerdings werden dann die Handelnden bei der DJK nicht mehr die Gleichen sein. In seinem Schlusswort hat der 2. Vorsitzende Klaus Götz anklingen lassen, dass er dieses Amt künftig nicht mehr bekleiden werde. Thomas Panni ist ja bereits vor geraumer Zeit aus diesem Gremium ausgeschieden.

Satzungsänderung

Wenigstens die Rahmenbedingungen für den neuen Vorstand, der bei der nächsten Jahreshauptversammlung im April gewählt werden soll, sind entsprechend einer Satzungsänderung bekannt, die von den Mitglieder in der Versammlung am Mittwoch einstimmig abgesegnet wurde. Die behandelte neben einigen anderen Punkten vor allem die künftige Zusammensetzung des Vorstands. Fünf gleichberechtigte Vorsitzende werde der Verein im Idealfall in Zukunft stellen können, um die Arbeit zeitgemäß und effektiv auf mehrere Schultern verteilen zu können. Die Tatsache, dass der Verein nach äußerst turbulenten Jahren schuldenfrei dasteht, sollte eine gute Basis für den Neuanfang bilden.

Dies erkannte auch der Stadtverbandsvorsitzende der Schwabacher Turn- und Sportvereine, Helmut Gruhn, der sich zu Wort meldete: "Ihr könnt doch wieder bei Null beginnen. Ihr habt alle Chancen, den Verein mit neuen Impulsen und Ideen zu führen." Wenn es der DJK gelingt, über die Arbeit in den Abteilungen das ramponierte Image in der Stadt zu verbessern, dann könnte der Neuanfang gelingen.

ROLAND JAINTA

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