Ein Hallenbad für Roth? Gegenüber dem Gymnasium...

5.5.2021, 11:04 Uhr
Nach Schwabach soll drei weitere Orte im Landkreis Hallenbäder bekommen, darunter auch (endlich) die Kreisstadt Roth.

Nach Schwabach soll drei weitere Orte im Landkreis Hallenbäder bekommen, darunter auch (endlich) die Kreisstadt Roth. © Foto: imago images/Westend61

„In Sachen Hallenbad herrscht auf gar keinen Fall Funkstille“, sagt Bürgermeister Ralph Edelhäußer. Es werde viel hinter den Kulissen gearbeitet. Und auch die Machbarkeitsstudie für ein Hallenbad sei soweit fertiggestellt. „Ich rechne, auch aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage, mit einer Präsentation vor dem Rother Stadtratsgremium in einer der nächsten Sitzungen“, so Edelhäußer. Auch sei es wichtig gewesen, die Verfügbarkeit der Grundstücksflächen vorab zu eruieren.

Diese befänden sich neben der B2, schräg gegenüber dem Gymnasium. Dürfen also die Rother Bürger endlich auf ein Hallenbad hoffen? Edelhäußer: „Die Bürger dürfen grundsätzlich immer hoffen, auch auf ein Hallenbad. Die Dimension beinhaltet entweder ein 25 Meter-Becken mit Lehrschwimmbecken und Kleinkindbereich oder in der zweiten Variante das Ganze noch um eine Saunalandschaft ergänzt. Die diesbezüglichen Summen werden im Rahmen der Machbarkeitsstudie dem Gremium und der Öffentlichkeit demnächst vorgestellt.“


Schwabach bekommt neues Hallenbad


Rückblick: Anlässlich der Podiumsdiskussion unserer Zeitung 2005 in der Kulturfabrik mitten im Bürgermeisterwahlkampf zog CSU-Kandidat Ralph Edelhäußer aus einem Ordner einen Plan hervor und präsentierte das Projekt eines Nürnberger Büros, das auf dem ehemaligen VAW-Gelände an der Stadtbleiche ein Hallenbad mit Schwimmbahn, Sauna und Wellnessbereich vorsah. Sein Gegenüber, Richard Erdmann, ganz Bürgermeister, freute sich über diese Privatinitiative, die Edelhäußer ankündigte und verwies seinerseits auf einen ähnlichen Plan aus dem Jahr 1998, der gemeinsam mit dem Landratsamt entwickelt wurde.

Immer ein Draufzahlgeschäft

„Die damals von mir ins Auge gefasste Fläche wurde bekanntlich mit der Rothmühl-Passage bebaut, so dass dieses Areal nicht mehr für ein Hallenbad, für ein Hotel und für eine Wohnbebauung - so meine damalige Überlegung - zur Verfügung stand.

Hallenbäder sind für Kommunen immer ein ,Draufzahlgeschäft´. Hier muss man viele Parameter beachten, um das Defizit am Ende so gering wie möglich zu halten und den Nutzen für die Bürger maximal. Und das bedarf langer, ausführlicher Planungen“, wirft Edelhäußer einen Blick zurück.


Machbarkeitsstudie: Rother Hallenbad schlägt Wellen


Im Jahr 2008 wurde die Schwimmhalle am Gymnasium Roth abgerissen und durch eine Sporthalle ersetzt. Eine erste Machbarkeitsstudie für ein kombiniertes Sport-Erlebnisbad wurde im November 2008 im Stadtrat vorgestellt, eine konkrete Entscheidung jedoch fiel nicht.

Keine Kooperation

Im April 2015 wurde eine Studie zur Überdachung des Freizeitbades abgelehnt. Im Oktober 2016 sollte ein interkommunales Bad in Rednitzhembach geprüft werden. Im Juni 2018 beschloss der Stadtrat nach einer Bäder-Infofahrt, dass die Kooperation nicht verfolgt wird, sondern Standorte für den Bau eines Bades zu prüfen sind, entweder an der B2 in Schulnähe oder beim Freizeitbad im Rothgrund. In der Folge wurde eine Machbarkeitsstudie beauftragt.

Die Studie sollte untersuchen, wie hoch die Investition für eine Halle mit 25-Meter-Becken samt Hubboden, Technik und Umkleiden sowie einem Kleinkinderbereich und einem kleinen Saunabereich sein würde. Zugleich sei eine Folgekostenbetrachtung zu erstellen, um das jährliche Betriebskostendefizit abschätzen und einordnen zu können. Stadtbaumeister Wolfgang Baier stellt zudem klar: „Wir wollen kein Spaßbad.“ Beauftragt wurde schließlich dasselbe Büro wie 2008.


Roth hat ein Aha-Erlebnis in Sachen Hallenbad


2020 brachte die SPD wieder etwas Bewegung in die Diskussionen und organisierte einen Besuch im Erlebnisbad „elypso“ in Deggendorf, das 2019 als „bestes kommunales Schwimmbad“ der Stiftung „Lebendige Stadt“ gekürt wurde. Mittelfristiges Ziel der Fahrt jedoch: die Vorbildsuche für ein eigenes Hallenbad in Roth. Diese Infotour nach Deggendorf sollte kein „netter Ausflug“ bleiben, sondern ein ernsthafter Auftakt: zum intensiven Nachdenken über wirtschaftlich günstige Möglichkeiten, ein Bad zu betreiben.

Die Hallenbad-Pläne lagen gerade wieder auf dem Tisch, als das Virus sich 2020 dazwischen drängte. Nun soll, wie erwähnt, die Machbarkeitsstudie „vor dem Rother Stadtratsgremium im Juni oder Juli in einer der nächsten Sitzungen vorgestellt werden“, wie Edelhäußer ankündigt.

Hilpoltstein will bauen

Die Stadt Hilpoltstein bekommt ebenfalls ein neues Hallenbad. Das steht fest. In Schwabach wird ein 25-Meter-Becken gebaut - plus ein Lehrschwimmbecken mit einer Länge von 16,66 Metern und ein Planschbecken für Kleinkinder. In Hilpoltstein wird seit zwei Jahren über die Dimension des Hallenbades diskutiert. Die Freien Wähler legten sich schon frühzeitig auf ein 25-Meter-Becken fest. Die CSU im Stadtrat sprang jüngst auf diesen Zug auf.


Hilpoltstein findet neuen Standort fürs Hallenbad


In der nächsten Sitzung des Gremiums am Donnerstag, 6. Mai, in der Mehrzweckhalle in Meckenhausen wird ein Antrag von CSU/FW behandelt, der einen Grundsatzbeschluss zum (geplanten) Sportzentrum an der Hilpoltsteiner Grundschule zum Inhalt hat. Tenor: „Der Stadtrat fällt folgenden Grundsatzbeschluss: Der Neubau des Sportzentrums soll ein 25-Meter-Becken beinhalten, das neben dem Schul-, Vereins- und Gesundheitssport auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Darüber hinaus sind die Planungen für die Errichtung weiterer Räume im Sportzentrum für den TV Hilpoltstein zu berücksichtigen.“

Auslastung ist wichtig

Wie Michael Greiner (FW) erklärt, hat er bezüglich einer staatlichen Förderung schon sehr früh Kontakt mit der Regierung von Mittelfranken aufgenommen. Zwei Drittel der Baukosten werde der Freistaat Bayern übernehmen. Das heißt, das Schwimmbad müsse maximal ausgelastet sein. Sprich: Das Bad muss auf jeden Fall (auch) einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. „Natürlich wird es Folgekosten geben“, so Greiner, weshalb man im Stadtrat auch über die Finanzierung der laufenden Kosten sprechen müsse.

Was die Nutzung eines Hallenbades angeht, sieht er in einem Parallelbetrieb zwischen Vereinen und Öffentlichkeit kein Problem. Beispielsweise könnten zwei Bahnen für Vereinsschwimmer frei gehalten werden; der Rest für diejenigen, für die Schwimmen Entspannung bedeute.

„Damit wir weiterplanen können, muss jetzt eine Entscheidung her“, fordert Greiner. Im Haushalt für das laufende Jahr sei noch kein Posten für das Freibad vorgesehen - außer einem kleineren Betrag für Planungskosten. Und im Finanzplan für die nächsten Jahre sollen die Beträge auf ein 25-Meter-Becken angepasst werden. Weil diese Finanzplanung aber nur Gelder für ein 16,66-Meter-Becken enthalte, sahen sich die Freien Wähler und die Christsozialen im Stadtrat veranlasst, einen Antrag für ein 25-Meter-Becken zu stellen, sagt Greiner, der im Schwimmhallen-Neubau in Schwabach genauso wenig Konkurrenz für das Hilpoltsteiner Projekt sieht wie 2. Bürgermeisterin Ulla Dietzel (CSU).

Schwimmen lernen vor Spaß

Natürlich sei das geplante Hallenbad vorrangig dafür gedacht, Kindern das Schwimmen beizubringen, meint Dietzel. Der Spaßfaktor sei diesem Ziel untergeordnet. Ihrer Ansicht nach ist das künftige Hallenbad ein „Sportbad“; im Gegensatz zum Schwabacher Pendant, das eher ein „Spaßbad“ sei. Für sie wäre „ein 16-2/3-Becken nichts Halbes und nichts Ganzes. Wenn wir schon viel Geld investieren, dann sollten wir auch was Gescheites machen.“ Nachdem „die Hilpoltsteiner gern schwimmen gehen“, sollte natürlich auch die Öffentlichkeit in die Nutzung einbezogen werden.

Knallhart formuliert dagegen Bürgermeister Markus Mahl (SPD): „Das Geld für ein 25-Meter-Becken haben wir nicht.“ Aber: „Egal, wie groß das Becken wird, kann auch die Öffentlichkeit davon profitieren.“ Eine Parallelöffnung zum Schulbetrieb kommt für ihn aber nicht in Frage. Und zur Öffentlichkeit zählt er auch die Vereine. Mahl geht davon aus, dass hinsichtlich der Beckenlänge noch in diesem Halbjahr eine Entscheidung fallen wird. Dieses Projekt sei „so komplex, dass wir gute Entscheidungsgrundlagen brauchen.“

Baden in Gmünd ab nächstem Jahr?

Die Gemeinde Georgensgmünd rechnet damit, ihr Hallenbad bereits 2022 in Betrieb nehmen zu können. Netto wird dieses Vorhaben rund 10,5 Millionen Euro kosten. 50 Prozent der Kosten stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), die anderen 50 Prozent werden mit FAG- und Eigenmittel bestritten. Betrieben wird das Ganze künftig durch die Gemeindewerke, die jedoch das prognostizierte Defizit von 500.000 Euro noch alleine aufbringen müssen.


Hallenbad Georgensgmünd wird schlicht und modern


Vorerst nicht realisiert wird, der Kosten wegen, der Sauna-Anbau. „Aber wir wollen uns nichts verbauen. Die Anschlüsse werden schon jetzt so verlegt, dass wir eines Tages auch dieses Projekt problemlos angehen können“, so Bürgermeister Ben Schwarz. Das Becken selbst wird mit 20 mal zehn Metern angegeben „Plus Kinderbereich“, so Schwarz. Vorrangig steht das Bad künftig dem Schulsport zur Verfügung, zu festen Zeiten aber auch der Öffentlichkeit.

Der Kommentar:

Langsam wird es Zeit!

Ein Hallenbad für Roth – das Thema ist seit über zwei Jahrzehnten nicht nur bei Wahlkämpfen omnipräsent. Ernsthaft über Realisierungsmöglichkeiten wurde jedoch bislang nicht abschließend diskutiert. Anders dagegen in Georgensgmünd, Hilpoltstein und jetzt auch in Schwabach. Dort entstehen Hallenbäder.

Zuletzt wurde in Roth erneut eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Langsam müssten aber auch Erkenntnisse vorliegen und Entscheidungen getroffen werden. Sonst wird auch der Stadtrat unglaubwürdig.

Bei der Imagekampagne in Sachen Stadtmarke spielt „Roth als Sportstadt“ eine große Rolle. Zu einer Triathlon- und Sportstadt passt es jedoch nicht, wenn die Athleten hier zwar radeln und rennen, ab Oktober aber kein Wasser mehr durchpflügen können. Ja, Roth sei die Triathlonstadt schlechthin, und die Stadt würde die Athleten unterstützen, wo es geht, sagt Bürgermeister Ralph Edelhäußer. Sein Wort in Gottes Ohr.

Natürlich sind die Kosten das Hauptargument gegen ein Hallenbad – nicht nur die Investitionskosten, sondern vor allem die für den jährlichen Unterhalt. Es steht einer Stadt aber gut an, dass ihre Kinder (wieder) alle schwimmen lernen, dass ihre Jugendlichen relativ günstig ihre Freizeit daheim gestalten können, dass ihre Sportler ihrem Hobby frönen dürfen und dass Bürgerinnen und Bürger jeden Alters sich fit und gesund halten. Das kostet Geld, ja. Auch der ÖPNV kostet Geld, so wie die Stadtbücherei und die Kinderbetreuung – so hat es unsere Zeitung schon einmal kommentiert.

Natürlich muss man vorher wissen, wie viel Geld ein öffentliches Hallenbad auf Dauer kostet. Aber man sollte sich auch überlegen, wie viel es einem wert ist. Und da sind sich anscheinend andere Städte und Gemeinden in unserer Umgebung einig – siehe die Entscheidungen pro Hallenbad in Georgensgmünd, Hilpoltstein und jetzt auch in Schwabach. Nur die Kreisstadt lässt keine Taten sprechen. Noch nicht.

Hier finden Sie eine interaktive Karte, auf der neben den bestehenden Hallenbädern Spaßbäder und die Thermen der Region eingezeichnet sind: (Sollte die Karte nicht angezeigt werden, benutzen Sie bitte diesen Link.)

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