Freitag, 16.04.2021

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Ein zugewachsener Treffpunkt für Liebespaare

„Quelle im Kessel“ im Leerstettener Wald befindet sich in schlechtem Zustand - 07.12.2013 10:53 Uhr

Dieses Bild entstand bei den „Notstandsarbeiten“ 1934. Werner Herbst aus Großschwarzenlohe hat darauf seinen Großvater Michael Herbst (geb. 1898) erkannt. Es ist der Mann mit dem hellen Hemd, der oben sitzt. Hans Schrödel aus Leerstetten sagt, dass der Mann rechts sein Vater, Adam Schrödel, geb. 1894, sei. Einer der beiden anderen Männer sei ein Herr Engelhardt aus Schwand, daneben Johann Böhm, ebenfalls aus Schwand.

06.12.2013 © Museum Schwanstetten


Die Hintergrund-Informationen liefert Museumsbetreuer Alfred Köhl.

In der Gemarkung Leerstetten, im Kessel, nahe des Sperbersloher Weges, entspringt eine kleine Quelle. Sie ist locker mit Steinen eingefasst und läuft in einen Graben. An einem der Steine ist eine Tafel angebracht mit der Einprägung: „z. Zt. Notstandsarbeit, Mai 1934“.

Kieferneule schädigte Wald

Ein großes Waldsterben hatte es bereits von 1892 bis 1895 gegeben. 1934 schädigte die Kieferneule (oder Forleule) wieder den Wald in den Bereichen der Forstämter Schwabach, Allersberg und Heideck; besonders im Waldgebiet Lach und Finsterloh. Während der Falter sich von Pollen ernährt und damit harmlos ist, können seine Raupen gewaltige Schäden anrichten.

Mit Arsen bekämpft

Bekämpft wurden sie damals vom Boden und vom Flugzeug aus mit Arsen. Die Bauern mussten Hand- und Spanndienste leisten. Der Landwirt Hofer aus Gauchsdorf tränkte seine Pferde nach dem Spritzen im naheliegenden Bach, anschließend trank auch er. Darauf starben der Bauer und seine Rösser.

Diese Aufnahme wurde von Förster Roland Seßner im August 1989 gemacht.

06.12.2013


Die Bekämpfung mit dem Gift blieb allerdings erfolglos, denn fast täglich wuschen Gewitter die Chemikalie wieder ab. 280 Hektar Holz gingen kaputt und mussten eingeschlagen werden. Der Holzanfall: 100000 Ster.

„Notstandsarbeit“

Für die „Notstandsarbeit“ wurden ab 1934 Arbeitslose aus Allersberg, Wendelstein, Rednitzhembach und Schwand zusammengezogen. Sie mussten für 20 Mark pro Woche 40 Stunden im Wald arbeiten. Große Flächen der Wald-Abteilungen Leimengrube, Hoyeschläge und im Distrikt Kessel wurden von Hand umgegraben, dann mit Kalk gedüngt und anschließend neu angepflanzt. Leider ohne Zaun, so dass später wieder nur das Nadelholz übrig blieb. Die von den gefällten Bäumen verbliebenen Wurzelstöcke hatte die Bevölkerung aus dem Wald geschafft, sie dienten als Brennholz.

Quellen gefasst

In vielen Wald-Abteilungen fasste man Quellen, damit die Leute Wasser zu trinken hatten. Die Quelle in der Abteilung Sperbersloher Weg ist bis heute erhalten geblieben, befindet sich allerdings in schlechtem Zu-stand.

Der frühere Schwander Förster Roland Seßner erinnert sich, dass die Quelle 1988 schon seit Jahren trocken war und die Umgebung zugewachsen. Deshalb ließ er die Quelle säubern und die Zuläufe wieder herrichten bis wieder reichlich Wasser floss. Damit wieder mehr Licht auf den Boden kam, ließ er die Fichten in diesem Gebiet entfernen und nur einige Laubbäume stehen.

Das Foto zeigt den Zustand der Quelle im Sommer 2013.

06.12.2013


Inzwischen wurden in der Umgebung weitere Bäume gefällt, worunter die Quelle ziemlich gelitten hat. Die Tafel, die auf die „Notstandsarbeit 1934“ hinweist, ist nicht mehr zu lesen. Allerdings steht die kleine Bank noch und ist mit Moos überwachsen.

Der ehemalige Kreisheimatpfleger Manfred Horndasch hat berichtet, dass er in früheren Jahren beim Schwarzbeer-  oder Preiselbeerpflücken im Kessel die Quelle aufgesucht hat, um sich mit einem Schluck Quellwasser zu erfrischen.

Bank lud zum Verweilen ein

Wie weiter erzählt wird, war die Quelle im Leerstetter Wald wohl zu früheren Zeiten ein beliebter Treffpunkt für Liebespaare. Die kleine Bank lud zum Verweilen ein.

Werner Herbst aus Großschwarzenlohe hat auf dem Bild von 1934 seinen Großvater Michael Herbst (geb. 1898) erkannt. Es ist der Mann mit dem hellen Hemd, der oben sitzt. Er habe ihm, als er noch ein Kind war, von diesen Arbeiten an der Quelle erzählt. Er habe auch gesagt, dass der Lohbach an dieser Quelle entspringt. Dem Lohbach verdanken Groß- und Kleinschwarzenlohe ihren Namen. Werner Herbst vermutet, dass auch die anderen Männer auf dem Bild aus „Schwerzerlä“ sind.

Wer sind die anderen Männer?

Alfred Köhl vom Museumsverein Schwanstetten würde gerne mehr über die Männer auf dem historischen Foto erfahren. Vor allem die Hintergründe würden ihn interessieren. Er ist erreichbar unter Telefon (09170) 1713, E-Mail Alfred@J-Koehl.de.

museum-schwanstetten.de

Unter www.museum-schwanstetten.de/content/alte-postkarten-aus-schwand findet man historische Aufnahmen aus Schwand.

GUNTHER HESS

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