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Erster Pflegepreis für Schwabacherin

Über Jahrzehnte hat sich Helga Hetzer um ihren an MS erkrankten Ehemann gekümmert - 03.09.2020 06:00 Uhr

Ehrung für jahrelange selbstlose Pflege: Helga Hetzer (Mitte) mit ihrem Enkel Kevin West. Gisela Radizewski (links) von der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG) hatte Urkunde und Blumen im Corona-Abstand überreicht.

02.09.2020 © Foto: Günther Wilhelm


Sie kennen sich schon lange, deshalb wählt Gisela Radizewski bei der Ehrung auch sehr persönliche Worte: "Du hast das einfach wunderbar gemacht", sagt sie zu Helga Hetzer freundschaftlich, als sie ihr Urkunde und Blumen überreicht.

Gisela Radizewski ist Diplom-Sozialpädagogin der Deutschen-Multiple Sklerose-Gesellschaft. Zum ersten Mal hat sie am Mittwoch den seit 2005 vergebenen und mit 1200 Euro dotierten "Pflegepreis" der Bayerischen MS-Stiftung an eine Schwabacherin verliehen.

Pflege "rund um die Uhr"

Gewürdigt wird damit die außerordentliche Lebensleistung von Helga Hetzer. 39 Jahre lang hat sie sich um ihren im Mai verstorbenen Mann Ehrhard gekümmert, "die letzten 15 Jahre davon rund um die Uhr".

"Du hast deine Aufgabe in selbstloser Weise mit viel Geduld und Einfühlung trotz eigener Beschwerden geleistet", sagte Gisela Radizewski im Rahmen einer kleinen Feier bei der MS-Gruppe Roth-Schwabach. "Wir bewundern, mit wie viel Fürsorge und Willenskraft du alle Herausforderungen erfüllt hast. Dafür möchten wir dir unsere Hochachtung aussprechen und dich ehren."

Diagnose mit 39

"MS ist eine Krankheit mit tausend Gesichtern", erklärt Irene Kraußer, die Ansprechpartnerin der MS-Gruppe Roth-Schwabach. Symptome und Verläufe sind ganz unterschiedlich.

Bei Erhard  Hetzer diagnostiziert wurde Multiple Sklerose 1981 im Alter von 39 Jahren. "Bis dahin hatten wir von MS kaum etwas gehört gehabt", blickt Helga Hetzer zurück. "Alles ist so schleichend gegangen, alles ist weniger geworden." Nach zwei Jahren waren die Lähmungen so massiv, dass ihr Mann in Rente gehen musste.

Das Ehepaar versuchte so weit wie irgend möglich, ein normales Lebens zu bewahren. Lächelnd erinnert sich Helga Hetzer an Biergartenbesuche und vor allem an die Heimspiele des SC 04, ihr Mann war in jungen Jahren ein begeisterter Fußballer.

Von 1986 bis 2000 fanden Hetzers Halt in der MS-Gruppe. Dabei zeigte Erhard Hetzer, dass auch mit einer schweren Krankheit das Leben mehr als nur Leid sein kann. "Er war immer lustig und hatte einen besonderen Humor", erinnert sich Gisela Radizewski gerne an ihn.

"Ständig unter Spannung"

Doch trotz medizinischer Fortschritte in der MS-Therapie war die Krankheit nicht mehr zu stoppen. "Richtig schlimm wurde es, als es im Kopf anfing und ich mich mit ihm nicht mehr richtig unterhalten konnte", sagt Helga Hetzer.

Ihr Leben widmete sie der Pflege ihres Mannes. Unterstützt wurde sie von einem Pflegedienst und auch ihrer Nachbarin, doch die Hauptlast blieb bei ihr.

"Ich war ständig unter Spannung", beschreibt Helga Hetzer ihr Empfinden. In kleinen Ausflügen mit dem Rad oder in ihrer Gymnastikgruppe konnte sie Kraft tanken. "Aber immer hatte ich das Gefühl, schnell wieder heim zu müssen."

"Ein gutes Leben"

Helga Hetzer, die kurz vor ihrem 80. Geburtstag steht, erzählt dies ohne jeden Anflug von Selbstmitleid oder Bitterkeit. Einfach sei das alles nicht gewesen. "Aber es war ein gutes Leben."

Die MS-Gruppe Roth-Schwabach trifft sich jeden dritten Mittwoch im Monat im Gemeinschaftsraum des Vereins Luna in Schwabach, Kreuzwegstraße 32. Kontakt: Irene Kraußer, Telefon (0911) 630332, oder Gisela Radizewski, Telefon (0911) 473747.

GÜNTHER WILHELM

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