Feier erinnert an Mauerfall und Juden-Pogrome der Nazis

10.11.2014, 06:17 Uhr

© Wilhelm

Es ist ein Zwiespalt der Gefühle, den Sabine Mühling-Wechsler treffend formulierte: „Es ist ein Gedenktag zwischen Freude und Leid.“

Die Vorsitzende des Fördervereins des Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasiums sprach zum ersten Mal bei dieser in Schwabach schon traditionellen Gedenkfeier zum 9. November unter den Arkaden des Rathauses. Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens hatte der Förderverein ein Konzert veranstaltet, das im Anschluss im Markgrafensaal stattfand und diesen historischen Tag zum Thema hatte.

Die Gedenkfeier begann mit einem Gedicht, das Stadtheimatpflegerin Ursula Kaiser-Biburger vortrug. „Vergangenheit ist nie vergangen“, heißt es darin. „Zukunft braucht ein Gedächtnis.“

Deshalb hält Oberbürgermeister Matthias Thürauf die Gedenkfeier an das Judenpogrom 1938 für „ein gutes Stück Schwabacher Erinnerungskultur“.

OB: „Auch in Schwabach“

Verglichen mit brennenden Synagogen und ermordeten Juden in vielen anderen Städten des damaligen Deutschen Reiches sei die Pogromnacht in Schwabach „Gott sei Dank relativ glimpflich“ verlaufen. „Aber war deshalb alles halb so schlimm? Auch bei uns mussten Menschen Angst haben. Auch in Schwabach hat es die Pogromnacht gegeben.“ (Das brutale Ende jüdischen Lebens in Schwabach)

Der 9. November 1938 und 1989 stünden bei aller gegensätzlichen doch in einer engen Beziehung, betonte Thürauf. Nationalsozialistische Diktatur und Judenhass führten zum Krieg und der zur deutschen Teilung und zum totalitären System in Ostdeutschland, das mit dem Mauerfall glücklich endete.

Doch auch heute gelte: „Wehret den Anfängen.“ Während viele Mitbürger die auch in Schwabach Schutz suchenden Asylbewerber unterstützen, gebe es in den sogenannten sozialen Netzwerken ganz andere Töne. „Solchen Stimmen müssen wir gemeinsam entgegentreten“, forderte Thürauf. „Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch Aufklärung.“

„Und niemand kam zu Hilfe“

Christel Hausladen-Sambale von der Schwabacher Initiative für Demokratie gegen Rechtsradikalismus“ ordnete die „Reichskristallnacht“ deshalb nochmals historisch ein: „Es war der Übergang von der Diskriminierung der Juden zur offenen Verfolgung. Die Nazis brannten 1400 Synagogen und Gebetshäuser nieder, ermordeten 400 Juden und sperrten in diesen Tagen rund 30 000 in Konzentrationslager.“ Es war der Auftakt zum Holocaust. „Und keiner kam den Juden zu Hilfe.“

Und heute? Christel Hausladen-Sambale erinnerte an die Mordserie des NSU, an die jüngsten Ausschreitungen von Rechtsradikalen und Hooligans in Köln, an den für kommenden Samstag angekündigten „Marsch“ in Wunsiedel und den Diebstahl des Eingangstors der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Der Leiter der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, der Schwabacher Karl Freller, war ebenfalls zur Gedenkfeier gekommen. Erst am Samstag war er von einer Israel-Reise zurückgekehrt. Dort hatte er zusammen mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem einen Kranz niedergelegt.

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