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Gasthaus Egerer: 110 Jahre Wirtshausgeschichte zu Ende

Traditionsgaststätte wurde diese Woche dem Erdboden gleichgemacht - 06.02.2016 10:17 Uhr

Die Gaststätte Egerer war lange Jahre die Vereinsgaststätte des früher sehr erfolgreichen RC Herpersdorf. Zuletzt aber stand dass Gebäude über Jahre leer. Nun wurde es abgerissen. © Foto: Thomas Karl


Schon 1714 wurde ein „Wirtshalbhof“ in Urkunden erwähnt, der seit 1873 im Besitz der Familie Egerer ist. Seine Lage als Haus Nummer 8 war gegenüber des jetzt abgerissenen Gasthofs an der Einmündung des jetzigen Plattenäckerweges in die Radmeisterstraße.

1905 wurde auf der Südseite der Straße nach Weiherhaus der Gasthof Egerer erbaut, der sich schnell zu einem beliebten Ausflugsziel der Nürnberger Bevölkerung entwickelte. Es war das Haus 12 in einem Dorf mit 70 Einwohnern.

1980 brannte der Dachstuhl der Gaststätte ab, sie wurde aber umgehend wieder aufgebaut. Im Juli 2008 schloss der Gasthof seine Pforten, das Anwesen wurde verkauft. Aber das Vorhaben, hier einen Vollsortimentermarkt zu errichten, wurde durch jahrelange Einsprüche verzögert.

Jetzt sind im Dezember 2015 die Bagger angerückt, dann wurde Mitte Januar der daneben befindliche Getränkemarkt eingerissen und in dieser Woche sind jetzt die Mauern der Traditionsgaststätte gefallen.

Bereits 1926 wurde der Gasthof zum Stammsitz des 1919 gegründeten Radsportclub Frischauf Gaulnhofen, der sich dann in Frischauf Herpersdorf-Gaulnhofen und später in RC Herpersdorf umbenannt hat. Damals übernahmen für lange Jahre Konrad Schwab als Vorsitzender und Andreas Egheere als Sportleiter die Lenkung des Vereins.

Aus der Erbschaft nach dem Tod seines Mäzens Andreas Egerers wurde 1988 eine Tennisanlage mit einer Tennisabteilung als zweiter Sparte im Sportgelände Worzeldorf gebaut. Dorthin verlegte der RCH seinen Vereinssitz.

2008 wurde der Verein nach Insolvenz aufgelöst. Für die Radsportabteilung gab es einen Überbrückungsverein, der aber seit 2011 wieder „RC Herpersdorf 1919 e.V.“ heißt mit Vereinslokal Reichelsdorfer Keller.

Aber die Gaststätte Egerer war nicht nur Vereinslokal, hier fanden Bälle und Theateraufführungen ebenso statt wie politische Versammlungen – die wohl brisanteste hatte das Thema Eingemeindung nach Nürnberg zum Thema. Mit der Gaststätte Egerer ist wieder eines der Traditionslokale der ehemaligen Gemeinde Worzeldorf verschwunden.

Bereits 2003 wurde der seit 1867 bestehende Gasthof Gambel – früher Am Ludwigskanal – abgerissen und durch einen Discounter ersetzt. Die historische Gaststätte Zum Klösterle in Pillenreuth fiel 2012 einer Gasexplosion zum Opfer.

Auch der Gasthof Grasser hat sein Restaurant – 1870 als Gaststätte zum weißen Felsen errichtet — geschlossen und ist reiner Beherbergungsbetrieb. Und die Taverne Schwarzer Adler von 1578 in Worzeldorf wurde stillgelegt, dort ziehen demnächst Asylbewerberfamilien ein. 

THOMAS KARL

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