Jusos erinnerten

Gedenken in Schwabach: Eine Kerze für jeden der 126 Corona-Toten

Robert Schmitt

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18.3.2022, 06:04 Uhr
Gedenken an die bislang 126 Schwabacher Corona-Toten. Die waren zwischen 54 und 100 Jahre alt. Die Jusos hatten die kleine Veranstaltung am Martin Luther-Platz am Mittwochabend organisiert.
 

© Robert Schmitt Gedenken an die bislang 126 Schwabacher Corona-Toten. Die waren zwischen 54 und 100 Jahre alt. Die Jusos hatten die kleine Veranstaltung am Martin Luther-Platz am Mittwochabend organisiert.  

Etwa 40 Schwabacherinnen und Schwabacher samt Oberbürgermeister Peter Reiß haben am Mittwoch (16. März) an der Gedenkveranstaltung der Jusos auf dem Martin-Luther-Platz teilgenommen. Per Kerzenkreis und Schweigeminute hat der SPD-Nachwuchs im Schatten der evangelischen Stadtkirche auf jene 126 Bürgerinnen und Bürger der Stadt aufmerksam gemacht, die bislang während der Pandemie dem Corona-Virus erlegen sind.

Aufruf zur Impfung

Die Jusos haben damit ein Eintreten für die Impfung und eine Wertschätzung der Leistungen des Pflegepersonals in Krankenhäusern und Altenhilfeeinrichtungen verbunden. Der Schwabacher Juso-Vorsitzende Patrick Domke wies außerdem darauf hin, dass mehrere schwangere Schwabacherinnen ihre ungeborenen Kinder aufgrund von Covid-19 verloren hätten.

„Es schmerzt uns besonders“, erklärte Domke, „dass so viele Familien von diesem unermesslichen Leid betroffen sind und viele der Verstorbenen ihre letzte Reise alleine ohne ihre Liebsten antreten mussten.“ Der älteste Verstorbene ist 100 Jahre alt gewesen. Der jüngste sei mit 54 aus dem Leben gerissen worden, so Domke. 99 der 126 Schwabacherinnen und Schwabacher seien ums Leben gekommen, bevor es die Impfung gegeben habe.

„Besonders brutal hat das Virus zum Ende des Jahres 2020 zugeschlagen“, erklärte der Juso-Chef. „Allein in der letzten Dezemberwoche verloren 24 Schwabacherinnen und Schwabacher ihr Leben.“ Viele davon wären ohne Pandemie gewiss noch unter uns, war Domke überzeugt.

Eine Flamme für jedes Lebenslicht, das das Virus ausgeblasen hat.

Eine Flamme für jedes Lebenslicht, das das Virus ausgeblasen hat. © Robert Schmitt, NN

„Wir sind hier, um den Hinterbliebenen zu zeigen: Euer Verlust ist uns eine fortwährende Mahnung. Wir werden Eure Liebsten nicht vergessen“, sagte Juso-Mitglied Fabian Schlosser. Er hob hervor, dass das Virus nach wie vor präsent sei. „Allein heute sind 312 Neuinfektionen in Schwabach gemeldet worden“, rechnete er vor. Selbst eine geringere Schwere der Krankheit führe aufgrund der hohen Fallzahlen also nach wie vor zu zahlreichen Todesfällen in Deutschland, so Schlosser.

Kritik an Gesundheitspolitik

Nils Fleischmann würdigte die Leistung der Beschäftigten im Gesundheitswesen. „Ein Kollaps ist verhindert worden, weil Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal weit über ihre Belastungsgrenze hinaus gearbeitet haben“, stellte der stellvertretende Schwabacher Juso-Vorsitzende fest. „Deshalb ist der Pflegebonus richtig und er muss zügig für alle auf den Weg gebracht werden“, forderte Fleischmann.

Ferner wandte er sich gegen profitorientierte Arbeit in den Krankenhäusern. „Hier brauchen wir einen grundlegenden Wandel, denn ein Krankenhaus muss nicht Gewinn erwirtschaften, sondern Menschen gesund machen“, sagte Fleischmann. Deshalb brauchen wir mehr Pflegepersonal und bessere Bezahlung in der Pflege, so Fleischmann, der außerdem zur Impfung aufrief. „Sie ist der beste Schutz vor Tod oder schwerer Krankheit.“

Noch einige Zahlen: 126 Frauen und Männer sind also in Schwabach an oder in Verbindung mit Corona gestorben. Im Landkreis Roth sind es bislang 213. Deutschland hat bislang 126.420 Corona-Opfer zu beklagen. Europaweit sind es 1,9 Millionen, weltweit inzwischen über sechs Millionen. Die Dunkelziffer ist hoch, denn in den indischen Slums oder im afrikanischen Busch erliegen viele Menschen dem Virus, ohne dass sie jemals getestet worden wären.

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