„Geschichte der Schwabacher Brau-AG und ihrer Familien“

24.4.2015, 08:19 Uhr
Heinrich Brechtel mit einem Bierfuhrwerk vor dem Anwesen Hördlertorstraße 14. Er war über 40 Jahre zunächst im landwirtschaftlichen Betrieb und später als Bierkutscher für die Brauerei tätig. Das Foto entstand um 1928. Aus dem Fenster schaut die Haushälterin von Julius Forster. Die Schilder am Haus geben einen Großteil der Geschichte wieder. Über der Tür steht „Forster-Brauerei“, rechts daneben „Brauhaus Schwabach. Aktien-Gesellschaft“, darunter hängt schließlich ein Schild mit der Aufschrift „Brauhaus Nürnberg, Abteilung Schwabach“.

Heinrich Brechtel mit einem Bierfuhrwerk vor dem Anwesen Hördlertorstraße 14. Er war über 40 Jahre zunächst im landwirtschaftlichen Betrieb und später als Bierkutscher für die Brauerei tätig. Das Foto entstand um 1928. Aus dem Fenster schaut die Haushälterin von Julius Forster. Die Schilder am Haus geben einen Großteil der Geschichte wieder. Über der Tür steht „Forster-Brauerei“, rechts daneben „Brauhaus Schwabach. Aktien-Gesellschaft“, darunter hängt schließlich ein Schild mit der Aufschrift „Brauhaus Nürnberg, Abteilung Schwabach“. © Foto: Aus dem Heft

„Geschichte der Schwabacher Brau-AG und ihrer Familien“ heißt ein 32-seitiges Heft, das Ulrich Distler und Klaus Huber herausgegeben haben. Die beiden Heimatkundler erzählen darin die Geschichte des Schwabacher Biers allgemein und insbesondere der Brauerei Forster. Aus der wurde später die Brau-AG Schwabach und schließlich das Brauhaus Nürnberg, Abteilung Schwabach.

Sie haben gut lachen: Ulrich Distler und Klaus Huber mit ihrer druckfrischen Broschüre über das Schwabacher Bier.

Sie haben gut lachen: Ulrich Distler und Klaus Huber mit ihrer druckfrischen Broschüre über das Schwabacher Bier. © Foto: Hess

Nach 1530 existierten in Schwabach neun Erbbrauhäuser. Im 18. Jahrhundert gab es in der Stadt insgesamt 28 Brauhäuser.

Die Familie Forster und das Bier: 1755 kaufte der Bierbrauer Georg Mattäus Forster das Anwesen Pinzenberg 4, ein Wohnhaus, Dörr- und Malzhaus sowie einem Sommerkeller, das er 1761 weiterverkaufte. Der Sohn kaufte 1816 die Anwesen Hördlertorstraße 12 und 14 mit der Gastwirtschaft „Zum weißen Falken“. 1879 richtete der Bierbrauer Johann Georg Forster dort einen Dampfkessel ein. Damit war die Brauerei Forster eine von zwei Schwabacher Brauereien, die sich „Dampfbrauerei“ nennen durfte. Forster modernisierte seinen Betrieb ständig, er baute nicht nur eine Malzfabrik, sondern war auch der erste Schwabacher Brauer, der sein Bier in Flaschen mit Schnappverschluss abfüllte. 1891 baute er in der Nördlichen Ringstraße 18 ein Maschinenhaus mit Kälteerzeugungsmaschine. 1890 kaufte Forster die Wirtschaft „Zum roten Hahnen“ in der Zöllnertorstraße 2 und erwarb auch den Gasthof „Zum Schwarzen Bären“, wo 1889 der „Bärensaal“ entstand. Johann Forster erwarb auch die Gaststätte „Zum Bahnhof“ (später „Volksgarten“) wo er 1896 einen riesige hölzerne Bierhalle bauen ließ. Dort fand 1898 das erste Schwabacher Volksfest statt.

Ein Teil des Titelbilds: Mitarbeiter der Brauhaus Schwabach AG beim Freitrunk. Auf dem Fass steht die Jahreszahl 1914 und § 11. Der Paragraph 11 ist der bekannteste Paragraph in Bier-Comments von Studentenverbindungen. Er lautet „Es wird weitergesoffen!“  Schwabach war nie Studentenstadt, doch vermutet Ulrich Distler einen Zusammenhang mit der Lehrerbildungsanstalt. Foto: Aus dem Heft

Ein Teil des Titelbilds: Mitarbeiter der Brauhaus Schwabach AG beim Freitrunk. Auf dem Fass steht die Jahreszahl 1914 und § 11. Der Paragraph 11 ist der bekannteste Paragraph in Bier-Comments von Studentenverbindungen. Er lautet „Es wird weitergesoffen!“  Schwabach war nie Studentenstadt, doch vermutet Ulrich Distler einen Zusammenhang mit der Lehrerbildungsanstalt. Foto: Aus dem Heft © Foto: Aus dem Heft

Forster belieferte auch Gaststätten im Schwabacher Umland mit seinem Bier. Die Brauerei unterhielt Lagerstätten in Nürnberg, Würzburg und zeitweise sogar in Chemnitz.

Fusion mit Ruck und Quinat

Gegenüber der Brauerei Forster befand sich die Brauerei von Johann Quinat. Lisette Ruck heiratete den Brauer Johann Georg Quinat. Das Paar übernahm die elterliche Brauerei am 4. Oktober 1899. 1903 entstanden die „Vereinigten Brauereien Ruck & Quinat“. Am 1. April 1912 kam es zur Zusammenlegung der „Brauereigesellschaft Schwabach AG“ und der Vereinigten Brauereien Ruck & Quinat“ zum „Brauhaus Schwabach AG“

Die Anwesen Hördlertorstraße 12 und 14 waren Wohn- und Geschäftshaus der Brau-AG Schwabach.

Die Anwesen Hördlertorstraße 12 und 14 waren Wohn- und Geschäftshaus der Brau-AG Schwabach. © Foto: Gerd Engl (aus dem Heft)

Der erste Weltkrieg hatte schwerwiegende Auswirkungen auf den Schwabacher Großbetrieb. Die Belegschaft wurde zum Kriegsdienst einberufen, die Rohstoffe wurden knapp, die Inflation galoppierte. 1920 schloss sich der Betrieb schließlich der Brauhaus Nürnberg AG an. Die wiederum kaufte die Braukontingente der Brauereien Georg Fuchs, Michael Knöllinger (beide in den Benkendorferstraße) sowie der Gebrüder Rösch (Friedrichstraße). Der Schwabacher Betrieb wurde bis in die 1930er Jahre als weitgehend selbständige Brauerei geführt.

Auf Dauer allerdings ließ sich die Schwabacher Außenstelle des Brauhauses Nürnberg nicht halten, der Braubetrieb wurde stillgelegt, die Gebäude dienten als Lager. In den 1950er Jahren gab es in Schwabach um die 70 Gaststätten, 44 davon schenkten Bier des Brauhauses Nürnberg aus. Um 1979 wurden die Brauereigebäude in der Nördlichen Ringstraße und der Nördlichen Mauerstraße abgerissen.

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