Mittwoch, 23.10.2019

|

zum Thema

Glosse: Auf der Kärwa war früher alles besser, oder?

Nostalgische Erinnerungen an die Kirchweih der Vergangenheit - 22.09.2019 05:58 Uhr

Im "Goldrichtig?!?" dreht sich diesmal alles um die Kirchweih. © Gerner


Zur Kirchweihzeit wird man nostalgisch. Was war das früher schön als Kind! Das Karussell, die Losbuden, die Zuckerwatte. Und später, als Jugendlicher: die Fahrgeschäfte, die Schießbude, der Geruch nach Bratwürstchen und gebrannten Mandeln.

Wobei. Ich erinnere mich noch, dass ich als Jugendlicher auf der Eibacher Kirchweih – wo ich aufgewachsen bin – immer schon 20, 30 Meter vor dem Autoscooter genau im Blick hatte, wen ich dann beim Vorbeilaufen auf keinen Fall anschauen durfte. Wenn man damals beim Autoscooter den falschen Leuten ins Gesicht sah, konnte das schmerzhafte Folgen haben. Bei uns gab es immer zwei verfeindete Fraktionen, Reichelsdorfer und Röthenbacher. Da wollte ich ganz sicher nicht dazwischen geraten.

"Sierra Madre" grölen und dann in den Wald

Der Alkohol war auch so eine Sache. In guter Gesellschaft leert sich so ein Maßkrug schnell. Man wollte ja auch nicht zurückstehen hinter den Altersgenossen. So konnte es durchaus vorkommen, dass man nach dem dritten Mal "Sierra Madre"-Mitgrölen den restlichen Abend in gebückter Position im nahegelegenen Waldstück verbrachte.

Das mit dem Alkohol gibt’s in Schwabach auch, davon gehe ich jetzt mal aus. Wegen der Schlägereien habe ich aufwändig recherchiert: Eine Umfrage unter meinen Kollegen beim Tagblatt hat ergeben, dass es die in Schwabach nicht gibt und auch nie gegeben hat. Kollege jk erzählte stattdessen eine putzige Geschichte darüber, dass einer seiner Kumpels medizinischen Schnupftabak dabei hatte – und dann im Autoscooter aus dem Niesen nicht mehr herauskam. Süß. Ob ich mich auf die Aussagen der Kollegen verlassen kann, da bin ich mir nicht so sicher.

Keine Rowdys in Sicht

Jedenfalls war ich kürzlich mit meiner kleinen Tochter auf dem Nürnberger Volksfest. In einer spontanen Eingebung setzte ich mich mit ihr in den Autoscooter. Es war zwar nichts los, die Kleine fand es trotzdem fantastisch. Mir wurde erst nach der Fahrt klar, dass ein Jahrzehnte altes Trauma von mir abgefallen war. Ich hatte mich weder nach Reichelsdorfern noch nach Röthenbachern umgesehen – und auch Rowdys aus Zabo, Galgenhof oder Gleishammer waren weit und breit nicht in Sicht.

Vielleicht besteht noch Hoffnung für die Menschheit.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Schwabach