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Glosse: Bollerwagen, Bierfass, Pustekuchen!

Am Vatertag darf der Mann ein Mann sein - Zumindest solange er kein Vater ist - 02.06.2019 05:58 Uhr

Merken Sie was? Vater ist von den Burschen keiner. © Peter Steffen/dpa


Am Donnerstag war Vatertag. Wunderbarer Vatertag! Morgens ausschlafen, dann von frischem Kaffeeduft geweckt werden. Frau und Tochter bringen das Frühstück ans Bett – Bratwürste, Eier mit Speck, Schokoladenpudding.

Mittags trifft man die Kumpels. Mit Bollerwagen und Bierfass ab in den Wiesengrund. Abends heimkehren, mit Küsschen begrüßt werden und müde aber glücklich – und vor allem hackedicht – ins Bett fallen. Am Freitag wieder ausschlafen, ist ja schließlich ein Brückentag, niemand arbeitet an einem Brückentag. So lässt sich’s leben.

In der Realität: Nichts dergleichen!

Erstmal Windeln wechseln

In aller Herrgottsfrühe durch Kindergeschrei geweckt, erst einmal Windeln wechseln. Den Kaffee kann man sich selber machen, wenn man die Zeit findet. Am Feiertag ist Reinemachen angesagt. Spielzeug aufräumen, Boden saugen, Töpfe abspülen. Frühstück? Eine Scheibe Toast muss reichen.

Mittags geht’s zur Verwandtschaft, Oma und Opa wollen schließlich das Kind sehen. Die Kumpels ziehen ohnehin nicht mit dem Bollerwagen los – die sind schließlich auch Väter. Den Nachmittag über stopft man Kuchen in sich hinein, abends Fleisch.

Traurige Realität

Müde, stocknüchtern und vier Kilo schwerer fällt man schließlich ins Bett und steht am Freitag um halb Sieben auf. Es wartet ein langer Arbeitstag. Am Samstag ist die Zeitung dicker als unter der Woche, irgendjemand muss das alles vollschreiben.

So sieht die Realität aus! Den ganzen Tag saufen, das kann man sich als Vater schön abschminken. Das bleibt den glücklichen Jungburschen vorbehalten. Wobei, wenn die gegen Abend ihrem Wägelchen hinterher torkeln, überlegt man sich zweimal, ob man tauschen möchte.

Die Preißen haben's auch nicht leicht

Der Vatertag ist übrigens keine dörflich-bayrische Tradition, wie man sich das vorstellen könnte. „Die heutige Form des ,Vatertagfeierns‘ kam Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung auf“, sagt Wikipedia. Bei den Saupreißen! Na dann, sollen sich die Brandenburger vatertags die Kante geben, die haben’s auch nicht leicht im Leben.

In Deutschland feiern die Männer übrigens immer an Christi Himmelfahrt. Wenn Sie also eine Gruppe gesehen haben, die ohne Bierfass durch Wald und Feld gelaufen ist: Das waren keine abstinenten Väter, sondern eine christliche Bittprozession.

Ein Zuckerl habe ich noch zum Thema. Bei meiner knallharten Recherche stieß ich auf die wahre Heimat des Vatertags. Schlagzeile: „Zwischen Biersocken, Wildpinklern und Mega-Rechnungen: Vatertag am Ballermann!“ Mallorca ist und bleibt das El Dorado des stil- und bedingungslos saufenden Mannes, nicht nur, aber ganz besonders am Vatertag. Vielen Dank, liebe Bildzeitung, für diese Erkenntnis. 

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