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Glosse: Der Feind heißt Futsal

Unser Redakteur führt einen einsamen und aufopferungsvollen Kampf - 06.01.2019 05:58 Uhr

Die Halle leer, der Ball ist klein, das kann doch nur Futsal sein. © Sportfoto Zink / WoZi


Kennen Sie Futsal? Es handelt sich dabei um eine Variante des Fußballs, die bei uns zum Teil den klassischen Hallenfußball abgelöst hat. Beim Futsal wird mit kleinerem Ball, kleineren Toren und ohne Banden gespielt. Der Ball hat außerdem einen geringeren Druck und springt deshalb weniger hoch auf. Das Spiel ist technisch anspruchsvoll und gleichzeitig fair. Alles in allem: eine tolle Alternative. Möchte man meinen.

Aber sagen Sie das mal dem Kollegen rj, seines Zeichens stellvertretender Redaktionsleiter in Schwabach, außerdem unangefochtener Chef und Alleinherrscher im Sportteil. Dann werden Sie etwas anderes hören: Der Ball? Eine Plunze! Die Schiedsrichter? Greifen zu sehr ins Spielgeschehen ein! Die Aus-Linien? Machen den Spielfluss zunichte! Die Turniere? Langweilig und schlecht besucht! Die Vereine? Haben keinen Bock drauf! Der allgemeine Tenor also: Früher war alles besser.

Wer hält länger durch

Nun gut, von vormals Hunderten von Teams in unserer Zuständigkeit spielen beim Futsal nur noch eine Handvoll mit, die anderen melden sich gar nicht erst an. Hallenfußball-Turniere alter Prägung sind tatsächlich oft besser besucht. Und vielleicht gilt es noch den ein oder anderen weiteren Kritikpunkt zu berücksichtigen.

Aber rj – das traue ich mich jetzt fast nicht zu schreiben – führt einen Kreuzzug. Redaktionsintern werden bereits Wetten angenommen, wer länger durchhält: er oder der Futsal. Wenn rj einen Satz mit "Eins muss ich noch schaffen, bevor ich in Rente gehe..." beginnt, dann geht es zu 99 Prozent darum, den Futsal loszuwerden.

Alle Mittel sind ihm dabei recht. Wenn ein gut besuchtes Turnier mit klassischem Hallenfußball in, sagen wir, Wassertrüdingen stattfindet, dann werden Sie im Schwabacher Tagblatt davon lesen. Schließlich ist es Werbung für den "echten" Hallenfußball, obwohl Wassertrüdingen ein kleines bisschen außerhalb unseres Verbreitungsgebiets liegt.

Wenn das die AfD wüsste

Berichtet rj über Futsal, dann nur kurz und mit selbst für den Leser unüberhörbarem Zähneknirschen. Es soll sogar schon vorgekommen sein, das rj "aus Versehen" seine unverhohlenen Anti-Futsal-Tiraden nicht mit "Der Kommentar" als Meinungsbeitrag gekennzeichnet hat. Wenn das die AfD wüsste...

Die Funktionäre wissen das natürlich. In der festen Überzeugung, dass es den Bayerischen Fußballverband auch nach rjs Rentenantritt noch geben wird, ignorieren sie es aber geflissentlich und lassen weiter Futsal spielen. Und rj, der lässt sich nicht beirren und trotzt den Großkopferten mit Sätzen wie: "Was war der Hallenkick alter Prägung für ein Highlight. Die Realität heutzutage sieht anders aus. Die Zwischenrunde am Samstag in der Hans-Hocheder-Halle mag warnendes Beispiel sein: Statt SC 04 oder DJK Schwabach werden eben Meckenhausen, Hofstetten oder Stirn um das Finalticket spielen. Schade!"

David gegen Goliath

Lieber rj, gib den Kampf nicht auf! Die Gegner scheinen übermächtig, doch manchmal kann auch ein Schwabacher David gegen den Münchner Goliath die Oberhand behalten.

Wenn, oder besser, falls der Futsal – sei es in zwei oder in zehn Jahren – die mittelfränkischen Hallen wegen mangelnder Attraktivität wieder verlässt, wird es einen geben, der sich heimlich eine Träne der Freude verdrückt. Leise wird er sagen: Na also, ihr wolltet ja nicht auf mich hören. 

Thomas Correll Schwabacher Tagblatt E-Mail

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