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Glosse: Mammut-Sitzung mit menschlichem Abschluss

Lokalpolitik ist wie Kino, außer man ist im falschen Film - 15.07.2019 11:58 Uhr

Sieht gut aus, ist aber nix für Veganer...


Lokalpolitik kann ja so spannend sein.

Wirklich!

Schauen Sie mal bei einer öffentlichen Stadtratssitzung vorbei, oder in einem Ausschuss, oder einem Gemeinderat. Erstens wird dort vieles entschieden, was vor Ort wirklich konkret wichtig ist – während in München oder Berlin oder gar Brüssel nur die langweiligen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Zweitens ist es manchmal fast wie Kino. Man darf sich sogar Popcorn mitnehmen. Das ist nicht verboten, glaube ich zumindest.

Aber – das war zu befürchten, ein Aber! – manchmal ist es auch ganz und gar nicht wie Kino. Da meint man, man ist im falschen Film. Im Umwelt- und Verkehrsausschuss am Mittwoch beispielsweise. Da wurde eine gute Stunde über die Juraleitung diskutiert – Sie wissen schon, dieses furchtbare Ding, das (zurecht) keiner haben will. Nachdem alles gesagt war, wurde die Leitung abgelehnt, in dem Wissen, das sie wahrscheinlich trotzdem gebaut wird, wo auch immer. Soweit, so gut. Die vielen Zuhörer, die wegen der Trasse gekommen waren, verließen den Raum. Die Sitzung ging aber erst richtig los.

Die Tendenz zum Reden

Hier werden jetzt sicher keine Namen genannt, aber es gibt unter Politikern so eine Tendenz zum Reden. Man darf das gar nicht übel nehmen. Das ist nun einmal ihr Geschäft, das Reden. Diese Tendenz erfährt aber leider oft eine gegenseitige Verstärkung. Das heißt, redet der (oder die) Eine etwas mehr, dann wollen die Anderen nicht zu kurz kommen. Es geht nie nur um das „Was?“, sondern immer auch um das „Wie viel?“. Und diese Tendenz schert sich um keine Parteigrenzen.

So kann sich ein Ausschuss durchaus dreieinhalb Stunden hinziehen, wie am Mittwoch passiert. Und das war nur der öffentliche Teil. Dem Vorsitzenden, der es eilig hatte, auf eine andere Veranstaltung zu kommen, entgleisten das ein oder andere Mal fast die Gesichtszüge

Was für Häppchen?

Umso schöner, dass nach dreieinviertel Stunden ein bisschen die menschlichen Bedürfnisse durchscheinen durften, beim Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“.

Ausschussmitglied 1: „Wenn vorher schon klar ist, dass eine Sitzung so lange dauert, dann sollte es nach zwei Stunden eine Viertelstunde Pause geben. Dafür sollten dann Häppchen und Getränke bereitgehalten werden.“

Ausschussmitglied 2: „Ich möchte anmerken, dass diese Häppchen auch für Vegetarier und Veganer geeignet sein sollten.“

Politik live. Sie hätten das Gesicht des Vorsitzenden sehen sollen.
Mir hat’s gefallen, ich bringe mir das nächste Mal Popcorn mit. 

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