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Glosse: Musikalische Grüße zum Totensonntag

Sie werden nicht glauben, wer sich in der Hitparade für Beerdigungen so alles herumtreibt - 24.11.2019 05:58 Uhr

Den hier auf der Beerdigung? Für viele offenbar gar nicht so abwegig. © Armin Weigel/dpa


Rechtzeitig vor dem Ewigkeitssonntag, im Volksmund auch Totensonntag genannt, hat das Vergleichsportal Bestattungen.de die Top Ten der Trauerhits des laufenden Jahres veröffentlicht. Also jene Musikstücke, die auf Beerdigungen am häufigsten zu hören sind.

Klassisches zuerst: Die Liste führt wie schon im Vorjahr Franz Schuberts Ave Maria an. Auch Bachs Air Suite Nr. 3 (passenderweise Platz drei) und Robert Schumanns Träumerei (Rang acht) sind viele, viele Jahre nach dem Ableben ihrer Schöpfer einfach nicht, nun ja, totzukriegen. Ähnlich ist das bei Frank Sinatras legendärem My Way (Rang sechs) und bei der Halleluja-Version des noch nicht allzu lange verstorbenen Leonard Cohen (Platz neun).

Alpen-Elvis auf Zwei

Immer häufiger werden bei Beerdigungen und anderen Trauerfeiern aber auch Stücke aus der Konserve eingespielt, die frisch von den großen Bühnen dieser Welt in die nächstgelegene Kirche importiert wurden. Amoi seg’ ma uns wieder (Platz zwei) vom Alpen-Elvis Andreas Gabalier zählt schon seit einigen Jahren dazu oder auch Die Rose von Helene Fischer (Rang fünf), wobei man sagen muss, dass Fischer hier gewissermaßen den Sarg mit fremden Blumen schmückt.

Der Tränenzieher stammt nämlich ursprünglich aus der Feder von Amanda McBroom und wurde vor 40 Jahren erstmals von Bette Middler für den gleichnamigen Film interpretiert. Seither haben unzählige Künstlerinnen und Künstler den Song gecovert, von Barbara Streisand bis zur Kelly Family, von der Boygroup Westlife (!) bis zu Bonnie Tyler, von der Japanerin Harumi Miyako bis zu Peter Maffay, vom auch schon lange nicht mehr unter uns weilenden Peter Alexander bis zu Nana Mouskouri. Das Lied war schon zu Tode gespielt, noch ehe es Helene Fischer anstimmte, ein bisschen ist das schon Leichenfledderei.

Alternde Rapper

Wie gut, dass es zum Trauern anderes und vielleicht auch passenderes und noch schöneres Liedgut gibt. Niki Lauda hörte es zwar nicht mehr selbst, aber auf der Beerdigung des früheren Formel-1-Weltmeisters ließ Tracy Chapman mit Fast Car noch einmal die Motoren dröhnen zu Ehren des schnellsten Österreichers aller Zeiten.

Fast Car hat es trotzdem nicht in die Top Ten der beliebtesten Trauerhits geschafft, dafür aber See You Again (Platz zehn) von Wiz Khalifa (feat. Charlie Puth). Die gefühlvolle Rap-Ballade ist eigentlich dem 2003 verstorbenen Schauspieler und Hobby-Rennfahrer Paul Walker ("The Fast and The Furios") gewidmet. Zeigt mir aber vor allem, dass auch Rapper allmählich in ein Alter kommen, in denen sie sich mit jenseitigen Dingen beschäftigen. Irgendwie tröstlich, so kurz vor dem Totensonntag.

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