Sonntag, 05.04.2020

|

zum Thema

Glosse: Was Grüne und AfD gemeinsam haben . . .

Beobachtungen zu den mehr oder weniger kreativen Plakat-Ideen der Parteien - 16.02.2020 05:58 Uhr

Irgendwie putzig. © Thomas Correll


Jawoll, die Frage musste mal jemand stellen. Soll man Frauen nun hinter den Herd stellen, oder doch besser auf den Mond schießen? Die Schwabacher FDP hat den Mut, auf einem ihrer Wahlplakate diese Alternativen aufzuzeigen und ... Moment ... Ich erhalte gerade eine Eilmeldung auf meinem Shitstorm-Radar ... Oha, da muss ich mich wohl entschuldigen. Das Plakat zeigt die Frauenriege der hiesigen FDP und will auf humorvoll-ironische Weise klarstellen, dass die Politik solch starke Frauen braucht! Dass man sie also ganz und gar nicht auf Mond oder sonstwohin schießen sollte.

Puh, gerade nochmal die Kurve gekriegt. Es ist aber auch nicht leicht mit der Ironie. Sie funktioniert schon in der Zeitung nicht besonders gut. In sozialen Netzwerken gibt’s dafür den Zwinker-Smiley. Und auf Wahlplakaten? Da geht die Mehrheit doch mit Adenauer: Keine Experimente.

Grün oder Dunkelrot?

"Einer von hier. Einer von uns." Das steht dann zum Beispiel unter dem Konterfei von SPD-OB-Kandidat Peter Reiß. Inhaltlich ist das nicht gerade üppig, aber zumindest nicht falsch. Man muss keinen Doktor in Politikwissenschaft haben, um die Botschaft zwischen den Zeilen zu verstehen – schließlich gibt es da einen gewissen OB-Kandidaten, der im gefühlt 800 Kilometer weit entfernten Nürnberger Stadtteil Moorenbrunn wohnt. Der kann eigentlich keiner von uns sein.

Andere haben die Ökologie als Thema entdeckt. "Schützt die Umwelt" heißt es da auf einem Plakat, und man wundert sich über die rote Hintergrundfarbe. Was haben sich die Grünen denn dabei gedacht? Dann liest man weiter: "Schützt die Umwelt, nicht die Konzerne." Ah, nun ergibt das Rot auch wieder Sinn – es handelt sich, um genau zu sein, um ein Dunkelrot. Wo wir schon beim Thema sind: Linke-Kandidatin Nadine Reuter schaut unheimlich ernst drein auf ihren Wahlplakaten. Etwa, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen? Ich vermute ja eher, weil man als Linke in Schwabach nun wirklich nichts zu lachen hat.

Zurück zu den Wurzeln

Lachen ist ein gutes Stichwort: Ein breites Lächeln hat mir das Köpfe-Plakat der Schwabacher Grünen entlockt. Wissen Sie, welches ich meine? Während bei anderen Parteien die Köpfe der Listenkandidaten stramm quadratisch neben- und untereinander eingeblockt sind, haben die Grünen ihre Köpfe rund ausgeschnitten und durcheinander auf den grünen Hintergrund drapiert. Das ist so 80er-Jahre-mäßig, man möchte mit diesem Plakat direkt nach Wackersdorf trampen.

Übrigens habe ich bedenkliche Parallelen zwischen den Grünen, den Freien Wählern und der AfD festgestellt. (Das Geräusch im Hintergrund ist wieder mein Shitstorm-Radar). Nein, wirklich: die drei teilen die Freude an leicht dümmlichen Wortspielen. "Unser OB ist hübscher", sagt die AfD in Nürnberg, weil ihr Kandidat tatsächlich "Hübscher" mit Nachnamen heißt. Gähn. "Wir sind so frei", heißt es bei den Freien Wählern, ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich das in Schwabach oder Nürnberg gesehen habe. Preisverdächtig ist es jedenfalls nicht. Und die Grünen? "Christine Kriegt’s hin" – ich lasse das einfach mal wirken. Na gut, an und Pfirsich machen wir Journalisten auch gerne mal ein Wortspiel.

Last, but not least: "Herz. Kompetenz. Weitblick." Sie haben es sicher schon erraten: So staatstragend inhaltsleer, das kann nur von der CSU kommen.

Einen schönen Wahlkampf noch!

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Schwabach