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Glosse: Wo bitte geht´s nach Kummerstein

Wie die Autobahndirektion Nordbayern Loriots Steinlaus folgt und sich völlig grundlos in Satire übt - 14.04.2019 05:58 Uhr

Humor Marke Autobahndirektion. Sie macht uns ein "u" für ein "a" vor. © Wilhelm


Loriots legendäre Steinlaus hat es vorgemacht. Mit ihrem Beißwerkzeug hat sie nicht nur größte Brocken zu feinem Staub zermahlen, nein, sie hat sich sogar vom Cartoon ins seriöse Fach durchgebissen. Seit 1983 warnt der „Pschyrembel“, das Standard-Lexikon der Mediziner, vor der Steinlaus. Schließlich löst sie gefährliche Symptome wie Lachfalten aus.
Die Steinlaus war Vorbild für Scherzbeiträge aller Art, die in diversen Nachschlagewerken für Auflockerung sorgen.
Diese schöne Tradition hat nun auch die Autobahndirektion Nordbayern auf eine ganz und gar neue und eindrucksvoll inspirierte Weise fortentwickelt. Autobahnschilder sollen auf den ersten Blick den richtigen Weg weisen. Deshalb beeindrucken sie durch die gelungene Symbiose aus kürzester Information und garantierter Verlässlichkeit. Das sorgt für Orientierung, ist aber etwa so unterhaltsam wie der Pschyrembel ohne Steinlaus.
Deshalb gönnt die Autobahndirektion Nordbayern, Sachgebiet Pointen-Planung, vor der Baustelle an der Anschlussstelle Schwabach-West den Autofahrern einen kurzen Moment heiterer Entspannung in Form eines satirischen Wortspiels von wahrhaft Loriot’schem Format: Aus dem nüchtern korrekten Kammerstein wurde das launige „Kummerstein“.
Natürlich wollte uns die Pressesprecherin ernsthaft verkaufen, dass es sich dabei lediglich um einen bedauerlichen Druckfehler handele. Aber so einfach lassen wir uns nicht abspeisen.
Statt dessen müssen wir uns angemessen empören, wie die liebenswerte Heidenberggemeinde vor Tausenden von Autofahrern rund um die Uhr verhöhnt wird. Und das völlig grundlos. Kummer in Kammerstein? Lächerlich!
Okay, es mag da zuletzt mal kurz für nur ein paar Monate vielleicht ein paar ganz kleine Meinungsverschiedenheiten zu einem aber gar nicht so wichtigen Thema gegeben haben. Aber das kommt schließlich in den besten Gemeinden vor. Und was bitte geht das irgendwelche fremde Autofahrer an?
Außerdem ist seit einer Woche alles geregelt. Doppelt hält besser. Sich ab und zu im Wahllokal zu treffen, das stärkt die Gemeinschaft. Deshalb sind alle wieder gute Nachbarn. Selbst die Kinder dürfen wieder miteinander spielen. Das ist schön.
Also, liebe Autobahndirektion. Netter Versuch, aber jetzt dürft Ihr das Schild endlich korrigieren. Aber bitte aufpassen. Nicht dass plötzlich Jammerstein drauf steht.

GÜNTHER WILHELM

 

Thomas Correll Schwabacher Tagblatt E-Mail

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