Grünes Licht für eine große Windkraftanlage bei Heblesricht

14.1.2014, 08:47 Uhr
Blauer Himmel mit Windkraft statt Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke: So sehen die Befürworter die neuen Windräder wie hier bei Weißenburg. Doch es gibt auch heftigen Widerstand.

Blauer Himmel mit Windkraft statt Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke: So sehen die Befürworter die neuen Windräder wie hier bei Weißenburg. Doch es gibt auch heftigen Widerstand. © Tschapka

Ob diese bei Heblesricht (Markt Allersberg) mit einer Gesamthöhe von bis zu 200 Metern aber gebaut wird, steht nicht fest. Der Zweckverband zur Wasserversorgung der Mörsdorfer Gruppe hat Widerstand angekündigt und schließt rechtliche Schritte nicht aus. Auch die Bürger kämpfen gegen das — aus ihrer Sicht — „Monsterrad“.

Rechtsverbindlicher Anspruch

Doch bei der Genehmigung hatte das Landratsamt überhaupt keinen Spielraum, wie Abteilungsleiter Jörg Pfaffenritter betont. Die anvisierte Fläche südöstlich von Allersberg sei bereits im alten Regionalplan als Vorrangfläche zur Erzeugung von Windenergie ausgewiesen. Dieser Regionalplan sei schon seit 2008 rechtsverbindlich.

„Der Investor hat damit, so er alle Voraussetzungen erfüllt, einen Anspruch auf die Erteilung der Genehmigung“, so der Jurist. „Ob wir den Standort für geeignet halten oder nicht, spielt dabei keine Rolle.“

Ähnliches gilt für eine Fläche bei Jahrsdorf (Stadt Hilpoltstein). Auch sie war schon im alten Regionalplan als Vorranggebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen, auch hier gibt es seit langem einen Antrag eines Investors. Der hat aber noch nicht alle Bedingungen erfüllt. Die sogenannte artenschutzrechtliche Prüfung (ASP) soll im Frühjahr 2014 folgen.

Fast ein weißer Fleck

Was die Nutzung von Windkraft angeht, ist der Landkreis Roth ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. In der benachbarten Oberpfalz, im Landkreis Ansbach und vor allem auf den Jura-Höhen südlich von Thalmässing und Greding sind in den vergangenen Jahren die Windmühlen wie Pilze aus dem Boden geschossen.

In der „Industrieregion 7 Mittelfranken“, zu der der Landkreis Roth gehört, sollte dagegen mit Hilfe des Regionalplans die Entwicklung in geordnete Bahnen gelenkt und so die viel kritisierte „Verspargelung“ der Landschaft verhindert werden. Folge: Auf Kreisgebiet dreht sich erst ein (vergleichsweise kleines) Windrad zur Stromerzeugung — nahe des Rothsees bei Kronmühle (Markt Allersberg).

Regelungen bleiben wirksam

Das könnte sich demnächst nach der Genehmigung der Heblesrichter Anlage durch das Landratsamt ändern, unabhängig davon, dass Ministerpräsident Horst Seehofer gerade den Ausbau der Windenergie durch neue Abstandsforderungen von Wohnbebauungen mächtig eingebremst hat. Alte Regelungen kann aber auch Bayerns oberster Politiker nicht einfach ignorieren.

Anders sieht die Sachlage möglicherweise bei neueren Planungen aus. Wie mehrfach berichtet, wurden bei der jüngsten Änderung des Regionalplans 2013 deutlich mehr Vorrangflächen für Windkraftanlagen ausgewiesen. Das war ein langer Diskussionsprozess in Gemeinderäten, Stadträten und Kreistagen. Aufgenommen wurden schlussendlich nicht nur mutmaßlich sehr ertragreiche Standorte südlich von Greding und südlich von Thalmässing, sondern auch weitere im Raum Hilpoltstein, zwischen Büchenbach und Rednitzhembach sowie entlang der B466 bei Dürrenmungenau.

Hier will die Stadt Abenberg gemeinsam mit der N-ergie, den Schwabacher Stadtwerken und den Wendelsteiner Gemeindewerken untersuchen, ob das anvisierte Gebiet ertragreichen genug ist und ob sich hier ein Bürgerwindpark realisieren lässt. In Thalmässing hat sich sogar schon ein Verein gegründet, der den Ausbau der Windenergie vorantreiben will.

Noch keine Rechtskraft

Anders als im Fall Heblesricht haben die neuen Vorranggebiete aber noch keine Rechtskraft, weil sich Mittelfrankens Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer quasi in vorauseilendem Gehorsam bislang weigert, den neuen Regionalplan per Unterschrift in Kraft zu setzen.

Dagegen wiederum laufen zum Beispiel im Landkreis Fürth Bürgerinitiativen Sturm, die schon zehntausende von Euro in die Entwicklung Bürgerwindkraftanlagen investiert haben und nun in der Luft hängen. Noch im Januar, so ist zu hören, soll es Vermittlungsgespräche geben. Aber ob die nach dem gestrigen Beschluss des Kabinetts noch etwas bringen?

Rentabel ohne EEG?

Allerdings: Selbst beim Inkrafttreten des neuen Regionalplans stünde der Ausbau der gewaltigen Windmühlen zumindest auf wackeligen Füßen. In der Großen Koalition in Berlin gibt es Überlegungen, nur noch Windkraftanlagen an Premium-Standorten — also vor allem im windreichen Norddeutschland – am Erneuerbaren Energiengesetz teilhaben zu lassen.

Für alle anderen Investoren gäbe es keinen Automatismus, sie müssten ihren Strom selbst vermarkten. Ob sich damit die beim Bau entstehenden Millionenkosten wieder einspielen lassen, ist offen. Im Landkreis Ansbach, so ist zu hören, soll es an nicht so günstigen Standorten Windräder geben, deren Rendite gegen Null tendiert.

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