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Heimspiel statt Weltcup: Zipf gewinnt Rothsee-Triathlon

Allersberger war am Sonntag über die olympische Distanz nicht zu schlagen. - 23.06.2019 17:50 Uhr

Meldete sich erst zwei Tage vor dem Wettkampf an und gewann dann unangefochten nur wenige Sekunden über dem im Vorjahr aufgestellten Streckenrekord: Jonathan Zipf aus Allersberg, der für das Team Memmert startet. © Foto: Salvatore Giurdanella


Für Zipf war der Auftritt am Rothsee eine zweischneidige Sache, denn beim Weltcup-Start kann man Meriten für Olympia-Ambitionen verdienen. "Die Qualifikation dafür ist deutlich schwerer geworden", räumte er ein, "aber erledigt ist das noch nicht".

Zwei Tage zuvor hatte er sich für den Heimwettkampf entschieden, im Bewusstsein, dass es zu einer Auseinandersetzung mit Andreas Dreitz kommen würde, aber auch, dass er "relativ fit" ist: "Ich war bereit für so einen Wettkampf". Der als Nebeneffekt dazu dienen sollte "den Kopf frei zu bekommen".

"Gegen die Wand gefahren"

Und wie er das tat: Mit dem Ziel, "hinter dem Andi Zweiter zu werden", ging es ins Wasser. Als er den Kopf nach 1,5 Kilometer Schwimmen aus dem See hob, hatte er schon gute eineinhalb Minuten Vorsprung vor Dreitz. Im Normalfall packt der Profi aus Bayreuth so einen Rückstand am Rad. Doch der schrumpfte nur vorübergehend um maximal eine Viertelminute. "Ich bin am Rad komplett gegen die Wand gefahren", schilderte Dreitz das aus seinem Blickwinkel. Beim zweiten Wechsel hatte sich der Abstand auf drei Minuten verdoppelt.

Zipf, der bessere Läufer, war damit so gut wie durch und der Zweikampf spielte sich um den zweiten Rang ab. Um den mischte sich höchst erfolgreich der Nürnberger Tobias Heining (Enduro Shop Team) ein, der schon einen Rothsee-Sieg auf dem Kerbholz hat, seinen Finish heuer als "ziemlich geil" einordnete, weil er nämlich nach einer Weile Schulter-an-Schulter bei der ersten Wende von Dreitz löste, als Zweiter ins Ziel kam und sich vier Wochen vor Zürich, wo er die Hawaii-Quali schaffen will, ein unerwartetes Erfolgserlebnis verschaffte.

Für Dreitz passte der Rothsee wohl nicht so recht in das Belastungsprofil zwei Wochen vor dem Challenge, wo es für ihn den zweiten Platz vom vorigen Jahr zu verteidigen gilt. Trotzdem bereute er seinen Auftritt nicht: "Das ist eine wunderschöne Veranstaltung. Die ersten beiden Plätze waren verdient", erkannte er die Leistung seiner Bezwinger an und zeigte Vertrauen in seine Vorbereitung: "Für Roth sehe ich keine Gefahr".

Hinter dem Schweinfurter Stefan Betz nahm Lasse Ibert vom Team twenty.six seinen obligatorischen fünften Platz ein. Den Unterschied machte das Laufen aus, beim zweiten Wechsel lag Ibert nämlich noch auf Rang vier: "Das Schwimmen war so gut wie nie zuvor und auf dem Rad war ich voll im Soll", freute er sich über seine Form, doch bei Kilometer sieben musste er Betz halt doch passieren lassen.

Bärenstarkes Debüt

Ähnlich erging es auch Tim Frisch vom La Carrera Tri Team, der das Heimspiel zu seinem Debüt auf der olympischen Distanz nutzte und entsprechend schon im Vorfeld gefiebert hatte: "Unter die Top Ten wollte ich schon kommen, aber dann sind in den Starterlisten immer mehr starke Leute aufgetaucht." Zweifel waren aber nicht angebracht, denn beim zweiten Wechsel lag der Hilpoltsteiner auf Rang sechs, beim Laufen kam nur noch einer vorbei. Die Show geht am kommenden Wochenende mit einem Doppelauftritt weiter. Zunächst Landkreislauf, dann Regionalliga-Triathlon in Trebgast.

Und Mr. Rothsee, Marcus Schattner? Er hat zu seinem 31. Auftritt akzeptiert, dass ihn nicht nur Anja Ippach, sondern auch Lena Gottwald schlagen kann: "Ich merke seit drei Jahren, dass ich nicht mehr so die Kraft habe am Rad". Umso bemerkenswerter, wie er im Wasser mithält. Nach der ersten Disziplin kam er als Fünfter an Land. Nicht verwunderlich war, dass das fast zeitgleich mit Lena Gottwald geschah, denn die beiden sind Trainingspartner beim Schwimmen.

Verlassen kann man sich bei Schattner darauf, dass er als ausgesprochener Rothsee-Junkie auch bei der 32. Auflage des Wettbewerbs wieder am Start sein wird: "Während Triathlon anderswo unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, gibt es hier überall Zuschauer, die einen anfeuern, sogar am äußersten Zipfel der Radstrecke." Er kommt wieder, keine Frage: "Und wenn ich einmal im Ziel kollabiere, dann hebt eine Grube für mich aus und stellt einen Grabstein auf." 

PAUL GÖTZ

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