Freitag, 10.04.2020

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Historische Sammlung zieht nach Rednitzhembach

Exponaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert soll neues Leben eingehaucht werden - 27.02.2020 15:11 Uhr

Die Schwerlastregale sind in der Oberfichtenmühle schon aufgebaut, auch ein Teil der Gegenstände aus der Mehl’schen Sammlung ist schon umgezogen. Im Hintergrund sind Walter Mehl, Bürgermeister Jürgen Spahl, Eigentümer und Arbeitskreis-Vorsitzender Klaus Nopitsch und Ursula Mehl zu sehen. © Foto: Robert Gerner


Rund 4000 historische Bauhandwerkzeuge hat Walter Mehl in einer Scheune in Hilpoltstein gelagert. Zuhause bei sich in Roth hortet er Alltagshaushaltsgegenstände aus dem 19. und 20. Jahrhundert, Tonnen von historischem Christbaumschmuck der Leonischen Industrie und einen Teil des Nachlasses der Zelluloidwarenfabrik Schmidt aus Roth. All das wird jetzt in der Oberfichtenmühle bei Rednitzhembach in einem Depot zusammengeführt. Später sollen Teile davon auch in Form von Sonderausstellungen präsentiert werden.

Vertrag per Handschlag

Einen entsprechenden Vertrag haben Mehl und Dr. Klaus Nopitsch, Vorsitzender des Arbeitskreises Heimat und Geschichte Rednitzhembach und Besitzer der ebenso idyllisch gelegenen wie denkmalgeschützten Oberfichtenmühle, geschlossen. Schriftlich gibt es den Vertrag noch nicht. "Aber in meiner Zunft gilt noch der Handschlag", sagt der Maurermeister Mehl.

Mehl hat im Landkreis Roth durchaus einen Namen. In den 1990er-Jahren waren Teile seiner alten Werkzeuge schon einmal im Hilpoltsteiner Haus des Gastes zu sehen. Im "Schwarzen Roß" in Hilpoltstein, das er ebenso wie den denkmalgeschützten "Schwan" in Schwand aufwändig saniert hat, sind ebenfalls Teile seiner Sammlung ausgestellt, auch wenn es mit einem ursprünglich angekündigten "Stadtmuseum" aus unterschiedlichen Gründen nichts geworden ist. Mehl’sche Leihgaben sind im Freilandmuseum Bad Windsheim zu finden und im Museum für Industriekultur in Nürnberg.

Aus der Mehl’schen Sammlung: alter Rother Christbaumschmuck. © Foto: Robert Gerner


Vom Bettwärmer zur Fabrikmaschine

Der 79-Jährige sammelt seit seinem 14. Lebensjahr. Oft hat er das gerettet, was andere schon abgeschrieben hatten oder weggeworfen haben. Er hat gewissermaßen alles: vom gebrauchten und leicht angeschlagenen Kaffeeservice aus dem Jahr 1880 über den eisernen Bettwärmer aus Urgroßmutters Zeiten bis hin zur fast kompletten Fabrikmaschine.

Die Oberfichtenmühle ist für Walter Mehl und seine Frau Ursula jetzt eine gute Gelegenheit, einen großen Teil der Sammlungen zu vereinen. Oder, wie es Ursula Mehl sagt: "Es ist unsere letzte Chance, es auf Dauer für die Nachwelt zu erhalten."

Frühestens im Sommer

Klaus Nopitsch stellt dafür einen großen Raum und zwei kleinere Zimmer in der Oberfichtenmühle zur Verfügung. Bis vor geraumer Zeit hatte hier ein Antiquitätenhändler sein Geschäft. Das musste er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Die Gelegenheit für die Mehls, jetzt zuzuschlagen. In den ersten Jahren wird Walter Mehl die (vergleichsweise geringe) Miete für die Räume selbst übernehmen. "Danach hoffen wir, dass wir die Kosten über den Arbeitskreis und durch die Erlöse von Ausstellungen selbst finanzieren können", sagt Nopitsch.

Heute kommen solche Erzeugnisse fast ausschließlich aus Fernost. Früher wurden Rasseln für den Kinderwagen und Babyspielzeug in Roth von Zelluloidwaren Schmidt hergestellt. Walter Mehl hat einen Teil der alten Produkte gerettet. © Foto: Robert Gerner


Bis die ersten Gäste etwas von den Ausstellungsstücken zu sehen bekommen, ist aber noch viel Arbeit nötig. Frühestens im Spätsommer wird es soweit sein, vielleicht beim Tag des offenen Denkmals im September.

Wie eine Fabrikhalle

Mehl selbst hat inzwischen die Räume in Teilen neu verputzt und gestrichen. "Wir haben versucht, es so herzurichten, dass es wieder aussieht wie eine kleine Fabrikhalle", erklärt Eigentümer Nopitsch. Nur ein kleines Detail von vielen: Die Kabelkanäle aus Plastik, unter denen die elektrischen Leitungen laufen, wurden entfernt und durch Metallschellen ersetzt.

Funktioniert noch einwandfrei: eine alte Haushaltswaage. © Foto: Robert Gerner


Die Mehl’sche Sammlung geht also demnächst per offizieller Schenkung in den Besitz des Arbeitskreises Heimat und Geschichte über. Der Verein mit seinen knapp 100 Mitgliedern wird dann Eigentümer der Ausstellungsstücke und Träger des Depots.

Selbst den Hammer schwingen

Wie und wo die geplanten Ausstellungen stattfinden sollen, ist derzeit dagegen noch nicht ganz klar. Wichtig ist aber: "Das alles muss interaktiv sein", findet der Rednitzhembacher Bürgermeister Jürgen Spahl. Das heißt: Besucher müssen den Hammer selbst schwingen, die alte Küchenwaage selbst ausprobieren und den original Rother Christbaumschmuck selbst herstellen können. "Nur dann", sagt Spahl, "wird den Dingen wieder Leben eingehaucht."

ROBERT GERNER

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